Ein Zelt ist eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände eines Thru-Hikers. Es ist nicht nur euer Zuhause auf Zeit, sondern auch Schutz vor Wind, Regen, Schnee und Insekten. Doch die Auswahl ist riesig und kann überwältigend sein. Worauf solltet ihr also achten, wenn ihr ein Zelt für eine lange Wanderung auswählt?
Es gilt, die Balance zwischen Gewicht, Haltbarkeit, Platz, Aufbauart, Stabilität und Preis zu finden. Dazu gilt es, die Bedingungen zu beachten, in denen ihr es braucht.
Inhaltsverzeichnis
ToggleGewicht: Jedes Gramm zählt
Für Thru-Hiker ist das Gewicht oft das entscheidende Kriterium. Ein leichtes Zelt hilft, die Belastung auf eurem Rücken zu reduzieren, und das macht auf tausenden Kilometern einen enormen Unterschied. Ultraleicht-Zelte wiegen weniger als ein Kilogramm, allerdings müsst ihr bei solchen Modellen oft Kompromisse bei Komfort oder Langlebigkeit eingehen. Modelle, die mit Trekkingstöcken anstelle von Zeltstangen aufgebaut werden, sparen zusätzlich Gewicht.
Aufbauart: Freistehend vs. Trekking-Stöcke
Konventionelle Zelte haben eigene Zeltstangen und sind oft freistehend – sie behalten ihre Form auch ohne Heringe, wobei zusätzliche Abspannungen die Stabilität bei Sturm verbessern (z. B. MSR Hubba Hubba). Trekkingstock-Zelte werden dagegen mit Wanderstöcken aufgebaut und sind nicht freistehend – sie müssen immer abgespannt werden (z. B. Zpacks Duplex). Sie sind deutlich leichter und platzsparender, aber schwieriger aufzubauen und können problematisch auf Untergründen sein, in die keine Heringe gehen. Semi-freistehende Zelte wie das Nemo Hornet Osmo kombinieren beide Systeme: Sie haben teils eigene Gestänge, benötigen aber Heringe für den Fußbereich – ein leichterer Kompromiss mit einfacherem Aufbau.
Einwandig vs. Doppelwandig
Einwandige Zelte wie das Zpacks Duplex sparen Gewicht, da sie kein separates Innenzelt aus Mesh haben – das Außenzelt ist zugleich die wasserdichte Hülle. Dadurch sind sie leichter, kompakter und bei Regen schneller auf- und abzubauen. Der Nachteil ist jedoch die schwächere Belüftung und stärkere Kondensbildung. Gute Platzwahl kann das etwas ausgleichen. Einwandige Zelte sind meist Trekkingstock-Zelte, während Doppelwandzelte meist freistehend sind – Ausnahmen gibt es in beide Richtungen (z. B. Durston X-Mid als doppelwandiges Trekkingstock-Zelt oder Zpacks Free Duo als einwandiges freistehendes Zelt). Welche Variante die beste ist, hängt letztlich vom persönlichen Geschmack ab.
Material
Ein Thru-Hike kann hart sein – nicht nur für euch, sondern auch für eure Ausrüstung. Euer Zelt sollte aus langlebigen Materialien bestehen, die den Strapazen von monatelangem Einsatz standhalten. Hier die gängigsten Materialien:
Silnylon: Silikonbeschichtetes Ripstop-Nylon – günstig, wasserdicht, leicht, klein packbar und relativ robust. Nachteil: Es dehnt sich bei Nässe und hängt durch, außerdem leidet es schnell unter UV-Strahlung. Je höher die Denier-Zahl (z. B. 15d, 20d, 30d), desto schwerer und widerstandsfähiger.
Silpoly: Silikonbeschichtetes Polyester – etwas weniger reißfest als Silnylon, dafür UV-beständiger und formstabil, da es bei Nässe nicht nachgibt. Dadurch langlebiger bei intensiver Sonneneinstrahlung und zunehmend beliebt bei Ultraleichtzelten.
DCF (Dyneema Composite Fabric): Extrem leichtes, reiß- und dehnfestes Laminatgewebe, ursprünglich für Segel entwickelt. Es ist vollständig wasserdicht, nimmt kein Wasser auf, lässt sich leicht reparieren und hängt nicht durch. Nachteil: sehr teuer und anfällig für Durchstiche, die allerdings leicht repariert werden können.
Platzangebot: Solo oder Duo?
Ein Ein-Personen-Zelt ist ziemlich eng, daher kann ein Zwei-Personen-Zelt sinnvoll sein, wenn ihr mehr Platz für euch und eure Ausrüstung möchtet. Besonders bei schlechtem Wetter kann es angenehm sein, etwas mehr Bewegungsfreiheit zu haben. Wenn ihr mit einem Partner wandert, ist ein Zwei- oder Drei-Personen-Zelt ratsam. Bei Zwei-Personen-Zelten ist es oft etwas kuschelig zu zweit und die Ausrüstung muss oft draußenbleiben. Die wichtigen Faktoren sind Innenraumgröße, Apsisgröße und Höhe.
Insgesamt gilt es, das Gewichts-Platz-Verhältnis zu beachten: Ein Zelt mit 2,9 m² Fläche, das aber fast 3 kg wiegt, ist vielleicht zu schwer – oder genau richtig, je nach Bedarf. Andere bevorzugen ultraleichte Einpersonenzelte mit Trekkingstöcken, die nur rund 400 g wiegen, dafür aber weniger Platz bieten. Die meisten landen irgendwo dazwischen: etwa 2,5–2,7 m² Innenraum bei 1–1,4 kg Gesamtgewicht.
Komfort: Platz, Türen/Apside, Aufbau
Ein gutes Thru-Hiker-Zelt lässt sich schnell und einfach auf- und abbauen. Übt den Auf- und Abbau eures Zeltes mehrmals, bevor ihr euch auf den Trail begebt. So könnt ihr es auch bei schlechtem Wetter schnell und effizient aufstellen. Ich schaffe den Zeltaufbau meines Zpacks Duplex in 1,5 Minuten.
Da das Zelt euer Zuhause für Wochen oder Monate ist, zählen praktische Details: Zwei Eingänge und Apsiden bei zwei Personen vermeiden nächtliches Überklettern, Innentaschen helfen bei der Organisation. Ein gutes Thru-Hiker-Zelt lässt sich zudem schnell und einfach auf- und abbauen. Nach einem langen Wandertag wollt ihr nicht lange mit komplizierten Zeltstangen und schlaffen Abspannungen kämpfen. Übt den Auf- und Abbau eures Zeltes mehrmals, bevor ihr euch auf den Trail begebt. So könnt ihr es auch bei schlechtem Wetter schnell und effizient aufstellen. Ich schaffe den Zeltaufbau meines Zpacks Duplex in 1,5 Minuten.
Kosten: Ultraleicht hat seinen Preis
Ein gutes Zelt für Thru-Hiker ist selten günstig. Plane ein Budget von mindestens 300 bis 600 Euro ein, je nach Modell und Marke. Denke daran, dass ein hochwertiges Zelt eine Investition ist, die sich auszahlt – besonders auf langen Wanderungen, wo Zuverlässigkeit und Gewicht entscheidend sind.
Wenn ihr sparen wollt, haltet Ausschau nach Rabatten oder gebrauchten Modellen in gutem Zustand. Manchmal verkaufen andere Thru-Hiker ihre kaum genutzte Ausrüstung.
Alternativen zu Zelten
Einige Ultraleicht-Fans greifen zu noch leichteren Alternativen: Tarps eignen sich gut bei stabilem Wetter und wenigen Mücken. Biwaksäcke schützen komplett, fühlen sich jedoch oft beengt an. Hängematten sind nicht immer leichter als Zelte und brauchen baumreiche Gegenden, dafür aber für manche bequemer. Ich gehe auf diese Optionen hier nicht ein und verfüge auch über keine Erfahrungen damit.
Meine erste Wahl: Zpacks Duplex

Mein Zpacks Duplex: 525 g exklusive Heringen, einwandiges Trekkingstock-Zelt
Das Zpacks Duplex besticht durch sein extrem geringes Gewicht und ist somit perfekt für Thru-Hikes wie den PCT oder den Te Araroa. Es ist für zwei Personen ausgelegt und trotzdem leichter als so manches Solo-Zelt. Man muss allerdings schon mögen, wenn man zu zweit darin schlafen möchte, da es dann recht eng wird. Außerdem müssen die Rucksäcke in den Apsiden aufbewahrt werden, was ohne extrem starken Regen kein großes Problem darstellt. Wenn ihr alleine darin schlafen wollt, ist es extrem geräumig und ihr könnt euren Rucksack bequem neben euch verstauen. Aufrecht sitzen ist für mich mit meinen 1,66 m Körpergröße ebenfalls kein Problem.
Das Zelt ist jedoch einwandig, Kondensation kann in feuchten Gebieten also ein Problem werden. Wenn ihr jedoch nicht allzu groß seid, könnt ihr einfach darauf achten, die Zeltwand nicht zu berühren. Der ein oder andere Tropfen im Gesicht ist aus meiner Sicht zu vernachlässigen. Wenn ihr es nass einpacken müsst, könnt ihr es zur Mittagspause herausholen und trocknen lassen.
Es ist allerdings nicht sehr gut im starken Wind, denn es kann laut werden. Wenn ihr jedoch in eher trockenen Gebieten wie dem PCT unterwegs seid, könntet ihr einfach Cowboycampen, um Ruhe vor dem Wind zu haben. Wenn es regnet und windet, müsst ihr zu Ohrenstöpseln greifen. Der Bodenabstand des Außenzelts gewährleistet eine gute Belüftung und die Apsiden können aufgerollt werden, wenn es warm wird.
Der einzige richtig schmerzhafte Punkt bei dem Zpacks Duplex ist sein Preis. Da es in den USA hergestellt und verkauft wird, müsst ihr Importgebühren auf den ohnehin schon hohen Preis des Zeltes zahlen. Am besten ist es, wenn ihr zu Besuch in den USA seid oder ohnehin eine Trekking-Tour in den USA plant, dass ihr das Zelt einfach vor Ort kauft.
Seit 2025 habe ich ein Zpacks Triplex, das uns für zwei Personen plus Rucksäcke mehr Platz bietet und mit 606 g immer noch sehr leicht ist.
Meine zweite Wahl: Nemo Hornet Elite Osmo 2

Das Nemo Hornet Elite Osmo ist ein semi-freistehendes Zelt, da die hinteren Ecken abgespannt werden müssen. Es ist das leichteste seiner Art auf dem Markt. Es bietet gute Stabilität bei verhältnismäßig geringem Gewicht, hat jedoch weniger Innenraum als das Duplex. Der Außenstoff aus Ripstop-Nylon saugt sich bei starkem Regen voll und kann Spritzwasser ins Zelt schleudern. Außerdem lässt es sich auch ganz ohne Rainfly aufbauen, was super für hohe Temperaturen ist, bei denen ich trotzdem Insektenschutz brauche. So kann ich die Sterne beobachten, ohne von Mücken zerstochen zu werden. Ideal ist es für Touren, bei denen ich keine Trekkingstöcke mitnehmen möchte (z. B. den Fishermen’s Trail, wo es obendrein viele Mücken gibt), oder für harte, felsige Böden, wo ein semi-freistehendes Zelt Vorteile bietet.
Beliebte Thru-Hiking-Zelte
Die Beliebtesten
Zpacks Duplex

Preis: 669 USD
Gewicht: 507 g
Material: DCF
Features: 2-Personen-Zelt, Aufbau mit Trekkingstöcken, einwandig, zwei Türen und Apside, 6-8 benötigte Heringe
Andere Varianten wie Ein- und Drei-Personen- oder freistehende Versionen sind ebenfalls erhältlich.
Durston X-Mid Pro 2

Preis: 563,95 € (mit Silnylon-Boden), 651,95 € (mit Dyneema-Boden)
Gewicht: 610 g (mit Silnylon-Boden), 545 g (mit Dyneema-Boden)
Material: Silnylon oder Dyneema
Features: Zwei-Personen-Zelt, Aufbau mit Trekkingstöcken, einwandig, zwei Türen und Apside, 6-8 benötigte Heringe
Andere Varianten wie Ein-Personen-Zelte, doppelwandige und günstigere, dafür schwerere Versionen sind ebenfalls erhältlich.
Die Budgetlösungen
3F UL Lanshan 1 Pro

Preis: 169 USD
Gewicht: 690 g
Material: 20D SilNylon oder 20D SilPoly
Features: Ein-Personen-Zelt, Aufbau mit Trekkingstöcken, einwandig, eine Tür und Apside, 6-9 Heringe nötig
Es gibt auch ein Zwei-Personen-Zelt von Lanshan.
TarpTent ProTrail

Preis: 239 USD
Gewicht: 623 g
Material: DCF
Features: Ein-Personen-Zelt, Aufbau mit zwei Trekkingstöcken, einwandig, eine Tür und Apside, 4 Heringe nötig

Preis: 255 USD
Gewicht: 510 g
Material: 10D Nylon Ripstop SIL/PU
Features: Ein-Personen-Zelt, Aufbau mit Trekkingstöcken, zwei Türen und Apside, 6 Heringe nötig
Eine Zwei-Personen-Variante ist ebenfalls erhältlich.

Preis: 260 USD
Gewicht: 740 g
Material: 40D silicone-coated polyester
Features: Ein-Personen-Zelt, Aufbau mit einem Trekkingstock, einwandig, eine Tür und Apside, 6-8 Heringe nötig
Die Konventionellen
Big Agnes Tiger Wall UL2

Preis: 449,95 USD
Gewicht: 992 g
Material: 15D Ripstop-Nylon
Features: Zwei-Personen-Zelt, semi-freistehend, Aufbau mit Zeltstangen, doppelwandig, zwei Türen und Apsiden, 4-9 Heringe nötig
MSR Hubba Hubba LT 2

Preis: 549,95 USD
Gewicht: 1,3 kg
Material: 20D Ripstop-Nylon
Features: Zwei-Personen-Zelt, freistehend, Aufbau mit Zeltstangen, doppelwandig, zwei Türen und Apsiden, 2-8 Heringe nötig
Nemo Hornet Elite Osmo 2

Preis: 659,95 USD
Gewicht: 935 g
Material: Ripstop Nylon
Features: Zwei-Personen-Zelt, semi-freistehend, Aufbau mit Zeltstangen, doppelwandig, zwei Türen und Apsiden
Andere Varianten wie Ein- und Drei-Personen- oder günstigere, dafür schwerere Versionen sind ebenfalls erhältlich.











