Der GR 131 über Teneriffa führt mitten durch die Vulkanlandschaft des Teide. Aus den Wäldern oberhalb von La Esperanza steigt der Trail stetig hinauf bis in den Teide Nationalpark, wo Lavafelder, Vulkansand und weite Ausblicke das Bild prägen. Nach dem höchsten Punkt des GR 131 auf der Insel folgt ein langer Abstieg durch Pinienwälder und Kakteenlandschaften hinunter zur Südküste bei Arona.
Inhaltsverzeichnis
ToggleAm frühen Abend kommen wir mit der Fähre in Santa Cruz de Tenerife an und verlassen die geschäftige Hafenstadt ziemlich schnell wieder. Mit der Straßenbahn fahren wir nach La Laguna und nehmen anschließend einen Bus bis kurz hinter La Esperanza, wo wir für die Nacht ein Zimmer gebucht haben. Endlich eine Dusche.
Im Supermarkt nebenan besorgen wir uns noch Proviant und gehen anschließend in ein Restaurant die Straße hinauf. Die Küche ist schon geschlossen, aber Bocadillos gibt es noch und die sind gut und füllend. Der einzige Haken: Kartenzahlung wird nicht akzeptiert. Ich habe nur noch acht Euro Bargeld dabei, etwa die Hälfte unserer Rechnung. Also opfert sich Ryan und rennt in atemberaubender Geschwindigkeit 1,5 Kilometer zum nächsten Geldautomaten und wieder zurück. Als er zurückkommt, ist er völlig verschwitzt. Wahrscheinlich hat er dabei mindestens die Hälfte seines Bocadillos wieder abtrainiert.
Zurück im Hotel falle ich sofort ins Bett. Es ist schon nach neun Uhr – weit nach Hiker Midnight.
GR 131 Tag 15 – Wälder unter dem Teide
La Esperanza bis irgendwo im Wald: 23 km / 1.155 hm / 6 h
Wir starten spät, denn ich fühle mich immer noch nicht richtig fit. Husten und Schnupfen begleiten mich weiterhin, und langsam habe ich diese Erkältung wirklich satt.
Wir steigen die erste steile Straße aus der Ortschaft hinauf. In kleinen Gärten wachsen riesige Kohlköpfe, daneben blühen überall Blumen. Unsere Rucksäcke sind schwer. Wir tragen viel Wasser, da wir nicht wissen, ob unterwegs welches zu finden sein wird. Dann vernehmen wir wieder das vertraute Geräusch von knirschendem Schotter unter den Füßen.
Bald tauchen wir in dichten Wald ein. Hohe Bäume spenden angenehmen Schatten, und zwischen ihren Stämmen wächst üppiges Grün. Efeu rankt sich an den Baumstämmen empor, Pilze sprießen aus der Rinde, und zwischen den Bäumen rollen sich junge Farnwedel auf. Vögel zwitschern im Wald, ein paar Insekten summen träge in der warmen Luft.
Dann öffnet sich plötzlich der Blick und wir sehen Teide. Sein Gipfel ist schneebedeckt und wirkt von hier aus viel größer als noch von Gran Canaria. Über uns spannt sich ein klarer, blauer Himmel, während unter uns weiterhin ein Wolkenmeer liegt, aus dem nur einige Berggipfel herausragen.
Immer wieder geben große Schneisen den Blick frei. In diesem Gebiet wurden oder werden noch immer großflächig Bäume gefällt. Verheerende Waldbrände haben 2023 das Leben unzähliger Bäume gekostet. Wir vernehmen das Geräusch von Kettensägen und sehen viele Holzstapel. An einer Stelle blockiert ein riesiger Holzschredder die Forststraße. Die Arbeiter winken uns jedoch freundlich durch, und wir quetschen uns vorbei. Kurz darauf sind wir mit Holzspänen eingestaubt.
Der Weg steigt bisher sehr sanft an, wird nun jedoch steiler. Bald erreichen wir ein Trail-Shelter mit Tisch und Bank. Es gibt einen Wasserhahn, aber er spuckt nichts aus.
Zu Beginn des Tages sind wir noch einigen Wanderern, Mountainbikern und Trailrunnern begegnet, aber jetzt sehen wir niemanden mehr für den Rest des Tages.
Aus der breiten Straße wird ein schmaler Pfad. Büsche beginnen, sich den Pfad zurückzuerobern, und aus dem Boden ragen alte Stahlbefestigungen ehemaliger Holzstufen, die auf dem überwachsenen Trail kaum zu sehen sind, und versuchen, uns zu Fall zu bringen.
Dann bricht das Chaos aus.
Der Trail, der eigentlich gemütlich bergab führen sollte, ist nicht nur mehr überwuchert, sondern alle paar Meter von umgestürzten Bäumen blockiert. Überall liegen Blowdowns kreuz und quer über den Hang. Wir klettern über Stämme, kriechen unter Ästen hindurch oder versuchen, seitlich am Hang entlang zu klettern. Der Fortschritt ist quälend langsam, aber der einzige Ausweg ist, weiterzugehen.
Unsere Beine werden von Zweigen zerkratzt, Blut fließt, während wir stoisch versuchen, uns einen Weg durch dieses Durcheinander zu bahnen.
Endlich erreichen wir eine Kreuzung mit einer Forststraße. Ohne lange zu überlegen, entscheiden wir uns für die Straße. Auch wenn sie einen Umweg bedeutet, wird sie mit Sicherheit schneller und vor allem nervenschonender sein als dieses Blowdown-Labyrinth.
Der Tag neigt sich inzwischen dem Ende zu, doch Zeltplätze sind schwer zu finden. Schließlich entdecken wir einen schmalen Abzweig, der steil den Hang hinaufführt. Wir folgen ihm in der Hoffnung, weiter oben irgendwo eine flache Stelle zu finden. Wir sind müde und hungrig, es wird Zeit.
Nach etwa 160 Höhenmetern haben wir Erfolg. Ryan bereitet Sandwiches zu, während ich das Zelt aufstelle. Die Sonne verschwindet gerade zwischen den Bäumen.
Hier oben im Wald hören wir wieder das laute Rauschen des Windes. Doch zwischen den Bäumen kommt davon kaum etwas an.
GR 131 Tag 16 – Vom Wald zum Teide Nationalpark
Irgendwo im Wald bis Teide Nationalpark: 28 km / 1.710 hm / 8 h
Von unserem Umweg aufgrund des Chaos aus umgestürzten Bäumen vom Vortag kehren wir heute wieder auf den eigentlichen Verlauf des GR 131 zurück. Ein kleines Stück Bushwhacking, aber danach ist er glücklicherweise wieder gut begehbar. Der Boden ist mit einer dicken Schicht Piniennadeln bedeckt.
Der Weg führt weiterhin durch dichten Wald. Die Bäume stehen hier hoch und eng, ihre Äste sind von Moosen und Flechten behangen. Zwischen den Stämmen wächst üppiges Grün.
Bei La Caldera haben wir plötzlich freie Sicht. Vor uns erhebt sich der Teide, dessen dunkle Flanken von Schneeresten durchzogen sind. Gleichzeitig sehen wir weit unten an der Nordküste die Stadt Puerto de la Cruz, deren helle Häuser sich entlang des Atlantiks ausbreiten. Ein paar Hochhäuser stechen aus der sonst eher flachen Skyline heraus.
Als wir den großen Rastplatz von La Caldera erreichen, hat uns Nebel verschluckt. Die Temperatur fällt spürbar, und es wird frisch. Wir kehren in einem Restaurant in Aguamansa ein. Es ist erst halb zwölf, aber sie servieren bereits Mittagessen. Perfektes Timing.
Die kanarischen Tapas sind zwar mehr oder weniger immer gleich, aber wir kombinieren sie jedes Mal neu und ich bekomme einfach nicht genug davon. Heute bestellen wir Huevos Rotos, Croquetas de Castaña und Garbanzas, dazu Brot mit einem würzigen Chorizo-Aufstrich. Zum Abschluss gönnen wir uns noch ein Stück Kuchen.
Als wir wieder aufbrechen, beginnen sich die Wolken langsam aufzulösen. Zurück auf dem Trail steigen wir weiter durch den Wald auf. Immer wieder kreuzt eine Wasserpipeline den Weg. An einer Stelle ist sie aufgebrochen und wir können das klare Wasser rauschen sehen. Natürlich nutzen wir die Gelegenheit und filtern etwas davon. Der Geschmackstest fällt allerdings vernichtend aus. Bäh. Was auch immer dieses Wasser enthält – genießbar ist es definitiv nicht.
Der GR 131 führt nun hauptsächlich bergauf. Wir sammeln ordentlich Höhenmeter, doch die Steigungen sind angenehm gleichmäßig. Dadurch kommen wir gut voran. Inzwischen bewegen wir uns auf über 1.700 Metern Höhe, und obwohl die Luft deutlich kühler ist als weiter unten an der Küste, geraten wir beim stetigen Anstieg trotzdem ins Schwitzen.
Am frühen Abend erreichen wir das Restaurant El Portillo am Rand des Teide Nationalparks. Wir setzen uns auf die Terrasse, trinken Tee, essen noch einen weiteren Kuchen sowie ein schokoladenüberzogenes Schweineohr und füllen unser Wasser im Badezimmer auf.
Während wir dort sitzen, besorge ich uns online die Permits für den Teide-Gipfel am nächsten Morgen. Der Teide gehört zwar nicht zum GR 131, doch eine Variante führt über seinen Gipfel. Da er mit 3.715 Metern der höchste Berg Spaniens ist und das Landschaftsbild Teneriffas dominiert, kommt es für uns überhaupt nicht infrage, ihn auszulassen.
Sobald die Sonne verschwindet und uns in Schatten taucht, wird es richtig zapfig. Zeit aufzubrechen.
Die Landschaft verändert sich nun dramatisch. Der Wald ist verschwunden, und staubiger Sand, verstreute Lavasteine und niedrige Büsche bestimmen das Bild. Es sieht ein wenig aus wie eine riesige Katzenstreu-Wüste aus hellem Vulkansand.
Vor uns erhebt sich der perfekte Vulkankegel des Teide, dessen Nordseite noch immer von Schneefeldern durchzogen ist. Die untergehende Sonne steht genau hinter seinem Gipfel und taucht die Landschaft in warmes, goldenes Licht.
Auf etwa 2.200 Metern Höhe richten wir uns ein geschütztes Cowboycamp zwischen niedrigen Büschen ein. Damit ist es unsere höchste Nacht auf dem GR 131. Es könnte frisch werden.
GR 131 Tag 17 – Durchkreuzte Pläne am Teide
Teide Nationalpark bis 5 km vor Vilaflor: 28,9 km / 1.215 hm / 7,45 h
Die Nacht ist bitterkalt. Unser Wasser friert ein, meine Beine gefühlt auch. Immer wieder wache ich auf, weil mir kalt ist. Schließlich ziehe ich mir noch die Regenhose über, was es etwas besser macht. Zwischen vier und sechs Uhr liege ich wach und warte darauf, dass es endlich hell wird – nur um dann kurz vor sechs doch noch einmal einzuschlafen.
Kurz vor acht brechen wir auf. Sobald die Sonne uns erreicht, wird es deutlich wärmer. Nach dieser eiskalten Nacht fühlt sich das unglaublich gut an.
Die Landschaft wird immer karger. Die wenigen Büsche ziehen sich langsam zurück. Vor uns liegen die Lavaflüsse, die einst die steilen Flanken des Teide hinabgeflossen sind. Wir passieren die Huevos del Teide – große, runde Lavabrocken, die ebenso gut versteinerte Dracheneier sein könnten. Sie entstanden, als sich Lava aus den Lavaflüssen löste, den steilen Hang hinabrollte und Schicht um Schicht wie ein Schneeball aufnahm, bis sie schließlich an ihren heutigen Positionen zum Stillstand kam.
Auf der Forststraße liegen ein paar problemlose Altschneefelder. Wir kommen gut voran. Unser Gipfelpermit gilt von 15 bis 17 Uhr. Alles läuft nach Plan.
Bis es das nicht mehr tut.
An der Rangerstation auf etwa 2.730 Metern am Montaña Blanca ist Schluss. Trotz unseres Permits müssen wir umdrehen. Ab hier seien Microspikes Pflicht, erklären uns die Ranger dort. Wir sehen zwar kein Fitzelchen Schnee oder Eis im steil vor uns liegenden Aufstieg, aber laut ihnen sei es ab dem Alta Vista Shelter, etwa 500 Höhenmeter über uns, eisig.
Zunächst heißt es sogar, wir bräuchten zusätzlich einen Eispickel. Kurz darauf rudern sie wieder zurück: Trekkingstöcke seien auch in Ordnung. Wie man allerdings einen Self-Arrest mit Trekkingstöcken durchführen soll, bleibt mir ein Rätsel. Eine Diskussion darüber wäre aber zwecklos. Enttäuscht ziehen wir ab.
Immerhin nehmen wir noch den Aussichtspunkt an der Montaña Blanca mit. Weite Lavafelder breiten sich unter uns aus, dahinter die markanten Felsformationen der Roques de García. Der Wind pfeift eisig über das Plateau. Wenn es hier unten schon so kalt ist, kann ich mir gut vorstellen, wie unangenehm es am Gipfel wäre, wo die Temperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt liegt.
Dann steigen wir wieder ab. Zumindest müssen wir nicht den gesamten Weg zurück nach El Portillo laufen. Stattdessen folgen wir Trail Nummer 7, der uns hinunter zur Straße führt. Danach geht es weiter über Trails, die durch weite Lavafelder und interessante Felsformationen führen.
Schließlich erreichen wir Parador. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Der Ort ist völlig überlaufen. Kolonnen von Autos glänzen im Sonnenlicht. Hunderte von Menschen laufen über die Wege – genau so, wie man es sich an einem Nationalparkzentrum vorstellt.
Wir gehen in die Cafeteria, wo es allerdings nur mittelmäßiges, überteuertes Fast Food gibt, für das man auch noch ewig anstehen muss. Also begnügen wir uns mit einer Cola aus dem Automaten und Badezimmerwasser. Immerhin gibt es Steckdosen, sodass wir unsere Geräte etwas aufladen können.
Kinder schreien. Die Stühle verursachen ein schreckliches Geräusch beim Hin- und Herrücken. Alles hallt von den Wänden wider und vermischt sich zu einer Kakophonie aus Stimmen und Lärm. Ich stecke mir meine Loops in die Ohren, denn wir wollen unsere Geräte aufladen, und dafür heißt es, diesen Lärm für eine gewisse Zeit zu ertragen. Dann haben wir genug. „Let’s get the hell out of here“, wie mein Vater stets zu sagen pflegt.
Der Trail steigt erneut an und führt durch weitere spektakuläre Felsformationen. Einige wirken wie erstarrte Lavawellen, andere wie zerklüftete Türme. Manche Gesteinsstrukturen sehen aus wie Schuppen oder Drachenhaut. Ich stelle mir vor, dass hier irgendwo versteinerte Drachen liegen könnten.
Schließlich erreichen wir den höchsten Punkt des GR 131 auf Teneriffa auf 2.420 Metern und verlassen den Nationalpark. Genau genommen liegt dieser in einem riesigen Krater, aus dem wir jetzt wieder herausgestiegen sind. Ein letzter Blick zurück zum Teide und seine schneelose Südflanke. Nächstes Mal.
Nun beginnt der lange Abstieg Richtung Küste, die wir bereits unter uns sehen können. Die Wolkendecke hat sich etwas verzogen und gibt den Blick auf den Hafen von Los Cristianos frei. Am Horizont ragen die höchsten Berge von Gran Canaria aus den Wolken. Vor wenigen Tagen standen wir noch dort oben und haben in diese Richtung geschaut.
Der Trail führt über dunkle Aschefelder. Mit jedem Schritt wirbeln wir schwarzen Staub auf. Die feine Vulkanasche liegt in sanften Hängen, fast wie schwarze Dünen, durch die sich der mit Steinen eingefasste Pfad als schmale Linie zieht.
Der Wind ist hier oben immer noch kalt, aber sobald wir die Baumgrenze erreichen und wieder in den Kiefernwald eintauchen, wird es spürbar wärmer.
Wir finden ein Plätzchen im Kiefernwald und hoffen auf eine wärmere Nacht als die gestrige.
GR 131 Tag 18 – Der letzte Tag auf Teneriffa zwischen Kakteen und Meer
5 km vor Vilaflor bis Arona: 21,6 km / 465 hm / 5 h
Es ist wieder eine stürmische Nacht, aber auf dem Waldboden kommt davon kaum etwas an. Die dünnen Kiefern um uns herum schwanken im Wind, was mir etwas Angst macht. Wirkliche Gefahr besteht nicht, was mich trotzdem nicht davon abhält, mir meinen Tod und dessen Folgen auszumalen. Ein Hörbuch auf meinen Kopfhörern blendet den Lärm des Windes und Gedanken schließlich genug aus, um einschlafen zu können. Um 5 Uhr bin ich schon wieder wach und habe Zeit, Moby Dick zu Ende zu lesen. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen bei einer Wanderung: ein Buch nach dem anderen zu verschlingen. Tagsüber Hörbücher, morgens und abends ein Buch auf der Kindle-App meines Smartphones.
Der Wind wirbelt immer noch um uns herum, als wir zusammenpacken. Dadurch wird das Einpacken zu einer kleinen Herausforderung, weil wir ständig versuchen müssen, zu verhindern, dass etwas davonfliegt.
Es ist acht Uhr, und wir beginnen den letzten Tag des GR 131 auf Teneriffa mit dem Weg in die Stadt. Bis nach Vilaflor sind es etwa sechs Kilometer, größtenteils abwärts durch den Wald. Zuerst kommen wir an den hellen Felsen Paisaje Lunar (Mondlandschaft) vorbei.
Unterwegs begegnen wir erstaunlich vielen Trailrunnern. So viele, dass wir kurz denken, heute müsse ein Rennen stattfinden, aber anscheinend ist das einfach eine beliebte Sonntagsaktivität. Die Läufer tauchen zwischen den Bäumen auf, verschwinden wieder auf den schmalen Wegen und grüßen im Vorbeilaufen.
Nach ein paar Kilometern erreichen wir Vilaflor und wir steuern direkt den kleinen Supermarkt an. Ryan besorgt Salami und Tomaten für Wraps, Orangen als Nachtisch und zwei Softdrinks, weil zuckerhaltige Kohlensäure für Thru-Hiker wie eine Droge ist.
Währenddessen versuche ich, die Fähren- und Unterkunftslogistik zu organisieren. Die letzten Tage hatten wir kaum Empfang, und zusätzlich ist heute Sonntag. Unser ursprünglicher Plan sah vor, am Nachmittag die Fähre nach La Gomera zu nehmen und dort eine Unterkunft zu beziehen. Aber fast alle Unterkünfte sind bereits ausgebucht, übrig bleiben nur ein paar kostspielige Optionen.
Ryan kommt wieder heraus und erzählt mir davon, wie unangenehm es ihm war, seinen mittlerweile doch etwas reiferen Geruch den Leuten in dem engen Mini Mercado zuzumuten. Der Bezahlvorgang dauert jedoch, wie das in Spanien so ist.
Unsere Rollen auf solchen Reisen sind ziemlich klar verteilt: Ich kümmere mich um Planung und Navigation und Ryan übernimmt die praktischen Dinge wie mit Leuten sprechen, Essen besorgen und zubereiten.
Mit unseren Einkäufen in der Hand suchen wir eine Bank, um alles Weitere zu planen. Nach einigem Hin- und Herüberlegen entscheide ich mich schließlich für eine Unterkunft in Los Cristianos. Wir nehmen die Fähre dann einfach morgen. Jetzt wächst die Vorfreude auf eine dringend nötige Dusche und eine Runde Wäsche.
Sobald das geklärt ist, geht’s weiter.
Nach ein paar Kilometern entdecken wir einen schönen Platz oberhalb einer Schlucht, der sich perfekt für die Mittagspause eignet. Begleitet vom vertrauten Gurren der Tauben schneidet Ryan Tomaten und Salami, während ich unsere Zeit auf Teneriffa reflektiere.
Zum Ende von Teneriffa gibt der GR 131 noch einmal alles. Der Trail zieht sich hoch über der Küste entlang, mit weitem Blick auf das Meer. In der Ferne liegt La Gomera im Dunst, während sich unter uns die Landschaft langsam zur Küste öffnet. Zwischen den Felsen wachsen Kakteen in allen möglichen Formen, dazwischen zahlreiche Wildblumen. Es fühlt sich fast so an, als würden wir durch einen botanischen Garten laufen. Rechts von uns ragen rote Felsen in wilden Formationen auf, links erheben sich grüne Berggipfel und unten im Tal sehen wir das Meer. Irgendwo dort unten liegt Arona, unser Ziel für heute und Ende des GR 131 auf Teneriffa.
Kurz vor Arona müssen wir noch steil hinab in zwei Flussbetten und gleich wieder hinaufsteigen. Schließlich erreichen wir den kleinen Ort am Nachmittag. Eine kleine orange-weiße Katze begrüßt uns zunächst skeptisch, nimmt dann aber doch ein paar Leckerli aus meiner Hand.
In einem kleinen Supermarkt kaufen wir zwei Clipper, um auf den Abschluss einer weiteren Insel anzustoßen. Das ist mittlerweile zu einer Tradition geworden.
Der Bus kommt, und der Fahrer scheint vor seiner Schicht ein paar Vin-Diesel-Highlights geschaut zu haben, denn wir rasen die Straße hinunter. Handys rutschen von den Sitzen und fallen auf den Boden, aber wir kommen trotzdem unversehrt an unserem Ziel an.
Und morgen wartet bereits die nächste Insel – La Gomera.
Herausforderungen & Höhepunkte des GR 131 auf Teneriffa
Herausforderungen: Überwucherte und teilweise blockierte Trails im Wald und kalte, windige Nächte in der Höhe.
Höhepunkte: Der Teide Nationalpark und der aussichtsreiche Abstieg nach Arona.
Lektion: Ein Permit für den Teide-Gipfel bedeutet noch lange nicht, dass man ihn auch besteigen kann. Bei winterlichen Bedingungen gelten zusätzliche Ausrüstungsvorschriften. Es gilt also, das versteckte Kleingedruckte zu lesen.
Kurzinfo GR 131 auf Teneriffa
Dauer: 4 bis 6 Tage
Distanz: 93,5 km (GR 131) bis 101 km (Alternative über El Teide)
Ausgangspunkt: La Esperanza, Teneriffa
Endpunkt: Arona, Teneriffa
Gesamtanstieg: 3.830 hm (GR 131) bis 5.370 hm (Alternative über El Teide)
Schwierigkeit: leicht – bis T2 (Bergwandern), bei Alternative über El Teide mittel – T3 (anspruchsvolles Bergwandern)







































































