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Korsika: GR 20 – Durchquerung des Gebirges im Meer

Der GR 20 führt auf 180km einmal quer durch Korsika, dem Gebirge im Meer. Er zeigt die Vielfalt der korsischen Bergwelt: Beeindruckende Gipfel, Bäche und Seen, Schluchten und Täler. Dazu gibt’s Mufflons, Eidechsen, Pferde, Schweine und korsische Spezialitäten auf den Hütten. Der nördlichste Teil zeichnet sich durch Felslandschaft und Klettereinlagen aus, während der südliche Teil deutlich einfacher, aber dennoch mit ordentlich Höhenmetern aufwartet. Vor allem der nördliche Teil macht diesen Fernwanderweg zum anspruchsvollsten, den ich je gemacht habe.

1. Tag – Calenzana bis Refuge d’Ortu di u Piobbu: Ein schweißtreibender Anstieg

5h / 12km / 1.441hm

Wir fahren morgens mit dem Zug von Bastia nach Calvi und von dort aus mit dem Taxi nach Calenzana. Wir teilen uns ein Taxi mit René aus Deutschland. Es ist schon mittags als wir Calenzana erreichen. Wie kehren erstmal im Restaurant GR 20 ein und so ist es schon 13:45 Uhr als wir den GR 20 starten. René ist bereits los und wir sehen ihn auch nicht mehr wieder. Es ist extrem heiß und vor uns liegt ein langer schweißtreibender Anstieg. Wir gehen durch die engen Gassen von Calenzana bis wir den Start des Trails erreichen. Nun geht es aufwärts.

Es gibt nur wenig Schatten, den der Bewuchs ist eher karg. Sonnenverbranntes Gras, einige Büsche und Disteln. Nur hin und wieder mal ein Baum oder ein Fels der Schatten spendet. Bald schon sehen wir die Spuren eines Brandes – die Bäume sind schwarz und ohne Nadeln. Im Wald steigen wir in Serpentinen hinauf bis zum Sattel Bocca a u Salutu auf 1.276m. Hier eröffnet sich ein wunderschöner Panoramablick über Meer und Berge. Es ist bereits goldene Stunde, die Sonne geht gerade unter und lässt die Bergwelt erglühen.

Von hier geht es ein Stück abwärts durch Wald und schließlich wieder hinauf in Felsgelände. Hier heißt es nun über die Felsen zu kraxeln. Zwei Passagen sind sogar mit Ketten gesichert. So steigen wir immer weiter hinauf bis wir die Bocca a u Bassiguellu erreichen. Es ist schon spät und wir müssen uns sputen das Refuge noch vor der Dunkelheit zu erreichen. Nach dem Sattel können wir die Hütte schon in der Ferne sehen. Vorher geht es allerdings erstmal abwärts um schließlich den Hang zu queren und wieder hinauf zum Refuge.

Wir kommen gerade richtig zur Dämmerung. Allerdings ist das Gelände abschüssig und felsig und die guten Spots alle belegt. Ziemlich viele Zelte stehen hier. Wir beschließen also draußen zu biwakieren, da wir keine Plätze für unsere Zelte finden. Ich mache mir Abendessen, denn bis auf ein paar Snacks habe ich heute noch nichts gegessen. Zum Ende hin, nach über 1.400 Höhenmeter bin ich schon ziemlich fertig und bin heilfroh, dass wir endlich das Nachtquartier erreicht haben. Über uns funkeln die Sterne und ein leichter Wind weht, der mir nachts noch mein Kissen klauen wird.

2. Tag – Refuge d’Ortu di u Piobbu bis Refuge de Carrozzu: Felslandschaften

6h / 8,7km / 928hm

Wir schlafen lange und sind unter den letzten, die gegen 9:30 Uhr losgehen. Hinter der Hütte gibt es eine Quelle, wo wir unsere Wasservorräte auffüllen. Kurz darauf sehen wir Mufflons, wilde Schafe. Bald schon geht das Gelände in Felsbrocken über, die es zu überkraxeln gilt. Heute ist es bewölkt und daher deutlich erträglicher. In 1.950m Höhe erreichen wir endlich den Sattel Bocca di Pisciaghia. Ein wunderschönes Bergpanorama entfaltet sich vor uns. Es geht weiter hinauf bis unterhalb vom Capu Ladroncellu entlang. Von hier führt der GR 20 durch Felslandschaft, die immer mal wieder Klettereinlagen einfordert.

Nach schier endlosem Auf und Ab erreichen wir die Bocca di l’lnnominata. Die Hütte können wir schon unter uns entdecken, der Abstieg zieht sich aber. Es geht nur noch bergab bis zum Refuge, allerdings durch viel Geröll und hier und da mit Kletterstellen. So steigen wir langsam und vorsichtig hinab. Schließlich erreichen wir die Hütte. Auch hier sind die Zeltplätze wieder felsig und rar gesät. Viele haben sich schon die besten Spots gesichert. Wir finden noch notgedrungen Plätze auf dem ich mehr schlecht als recht mein Zelt aufbaue. Danach gibt es Omelette, Kuchen und Cola zum Abendessen. Ein Stück hinter der Hütte kann man noch schön in der Sonne sitzen und die letzten Strahlen genießen.

3. Tag – Refuge de Carrozzu bis Haut-Asco: Der einzige Regen auf dem GR 20

4,5h / 7km / 811hm

Um 7:30 Uhr fängt es an heftig zu regnen und sogar zu hageln. Wir sind froh, dass Nathalie verschlafen hat, sonst wären wir um 7 Uhr los und voll in den Regen hinein gerauscht. Wir sitzen das Unwetter in der Hütte aus. Um 9 Uhr machen wir uns schließlich auf den Weg und mittlerweile ist die Sonne sogar wieder da. Wir gehen durch den Wald bis zu einer abenteuerlichen Hängebrücke bei der es zwischen den Tritten abwärts geht. Auf der anderen beginnt der Aufstieg über Felsplatten, die vom Regen noch rutschig sind. Ketten helfen uns dabei sie zu überwinden.

Bald schon trocknen die Felsen in der Sonne und es ist einfacher voran zu kommen. Es gilt einige Felsstufen zu überwinden bis wir den Lac de la Muvrella erreichen in dem sich die umliegenden Felsen spiegeln. Nun geht es steil über Geröll bergauf zur Bocca di a Muvrella, mit 2.025m der höchste Punkt heute. Wolken ziehen auf und es regnet leicht, was die Felsen wieder rutschig macht.

Nun geht es bergab und im Auf und Ab, immer wieder mit Kletterei, zum nächsten Sattel, der Bocca di Stagnu. Von hier haben wir einen schönen Ausblick auf den höchsten Berg Korsikas, den Monte Cinto (2.706m). Nun führt der Weg uns steil abwärts. Wiederholt muss man über Felsen und Geröll abklettern, was viel Zeit kostet. Sobald wir den Wald erreichen wird der Weg einfacher und wir erreichen Haut-Asco. Heute gönnen wir uns den Luxus und checken im Hotel ein, wo es am Abend ein großes Menü in Halbpension gibt.

4. Tag – Haut-Asco bis Bergerie de Ballone: Am höchsten Punkt

6,5h / 10,7km / 1.209hm

Gegenüber vom Hotel geht es durch Kiefernwald relativ eben dahin. Wir queren einen Fluss auf einer kleinen Brücke und dann geht es aufwärts. Immer wieder gilt es Kletterstellen zu überwinden, manche mit Ketten gesichert. Der Ausblick zurück in die felsige Bergwelt und bis zum Meer ist gigantisch. Der Weg führt dann mühsam über ein Schotterfeld hinauf, bis zum Schluss ein paar Kletterstellen auf uns warten. Dann erreichen wir die Pointe de Eboulis unterhalb des Monte Cinto, den man von hier aus besteigen kann. Das dauert jedoch zwei Stunden extra.

Wir entscheiden uns lieber dafür faul in der Sonne zu liegen. Es ist mit 2.607m der höchste Punkt auf dem gesamten Trail. Nach einer langen Pause gehen wir weiter. Der GR 20 führt ein Stück hinab bis unter uns ein kleiner See auftaucht und schließlich wieder leicht bergauf zur Bocca Crucetta. Der Weg ist ein Gemisch aus Schotter, abklettern über Felsen und Geröll. Bald tauchen wir in lichten Kiefernwald ein und erreichen das Refuge Tighiettu. Wir gehen allerdings noch eine halbe Stunde weiter zur Bergerie de Ballone, wo es mehr Zeltplätze und Essen gibt. Tatsächlich finden wir heute auch einen guten Platz etwas oberhalb der Hütte. Dann gibt’s Omelette und Kuchen und natürlich die obligatorische Cola.

5. Tag – Bergerie de Ballone bis Refuge bis Castel de Vergio: Gumpenfreuden

6h / 14,6km / 670hm

Wir starten im lichten Wald und gehen hauptsächlich bergab an einem Fluss entlang. Schließlich beginnt der Aufstieg zur Bocca di Foggiale. Hier gilt es wieder einige Kletterstellen zu überwinden und über Geröll und Schotter zu steigen. Zahlreiche Eidechsen laufen mir dabei über den Weg. Wir machen eine lange Mittagspause am Sattel, wo wir einen fantastischen Blick in die umliegende Bergwelt und bis hinunter ins Tal haben. Danach geht es weiter hinauf bis zum Refuge Ciuttulu di i Mori. Hier gibt’s eine Cola bevor wir weitergehen.

Weiter geht’s relativ eben bis auf einen Bergrücken. Nun geht es ins Golo-Tal wo einige Gumpen zu einer Erfrischung einladen. Wir hüpfen in eine besonders verlockende Gumpe mit einem kleinen Wasserfall hinein. Wir laufen weiter abwärts bis wir den Fluss auf einer Brücke queren. Kurz darauf erreichen wir die geschlossene Bergerie de Radule. Von hier führt der GR 20 im Auf und Ab durch Kiefer- und Birkenwald bis zur Straße und schließlich zum Hotel Castel de Vergio, wo wir für heute Nacht einkehren. Am Abend gibt es wieder ein dickes Menü und wir sinken selig in die Betten.

6. Tag – Castel de Vergio bis Refuge de Manganu: Am Lac de Nino

4,5h / 17km / 637hm

Erst geht es ein Stück die Straße entlang bevor der GR 20 nach rechts in lichten Kiefernwald eintaucht. Der GR 20 führt erst bergab, dann relativ eben durch den Wald. Dann geht es hinauf auf den ersten Sattel, die Bocca San Petru auf 1.452m Höhe. Hier steht eine kleine Kapelle. Es geht weiter hinauf bis auf einen Grat, dessen Verlauf wir folgen bis wir einen Hang queren und die Bocca â Reta erreichen. Von hier kann man bis zum weit entfernten Meer schauen. Dann gehen wir etwa 20 Minuten bergab zum wunderschönen Bergsee Lac de Nino. Hier leben zahlreiche Kühe und Pferde, die sich bereitwillig streicheln und mit Apfelresten füttern lassen.

Wir wandern am See entlang und über einen gerölligen, aber leicht abwärts führenden Weg bis zur Bergerie de Vaccaghia, wo es eine kalte Cola gibt. Französisches Gitarrenspiel inklusive. Von hier können wir schon das heutige Tagesziel sehen, das Refuge de Manganu, das in einer halben Stunde und mit leichtem Aufstieg am Ende erreicht ist. Der heutige Tag war der einfachste bisher, denn es gab keine Kletterei. Lediglich das Geröll auf manchen Wegen erschwerte das Vorankommen. Am Refuge gibt es ein Menü zum Abendessen, was uns gut satt macht. Die Portionen waren sehr großzügig. Heute biwakieren wir wieder, denn das Wetter ist fantastisch.

7. Tag – Refuge de Manganu bis Refuge de Petra Piana: Bergseen

5h / 9,2km / 880hm

Vom Refuge geht es gleich aufwärts über Felsplatten und Geröll bis zur Bocca alle Porte. Heute ist es heiß und entsprechend schweißtreibend ist der Aufstieg. Der Ausblick vom Sattel entlohnt allerdings: Die zwei Seen Lac de Capitello und Lac de Melo breiten sich unter uns aus. Verlockend glitzern sie im Sonnenschein. Im Auf und Ab geht es nun weiter zur Brèche de Capitello von wo es erstmal abwärts geht. Im weiteren Auf und Ab und mit der ein oder anderen Kletterstelle führt uns der GR 20 weiter zur Bocca a Soglia, wo wir eine längere Pause einlegen.

Nun geht’s wieder anstrengend bergauf. Wir müssen uns gut auf den Weg konzentrieren, denn das Geröll erschwert das Vorankommen. Inzwischen leide ich auch unter Sonnenbrand auf Schulter und Armen. Endlich erreichen wir die Bocca Muzzella. Von hier geht es größtenteils nur noch bergab, aber weiterhin über Geröll was den Abstieg sehr anstrengend macht. Bald schon können wir das Refuge unter uns entdecken. Über große Steine, durch Schotter und Erlengestrüpp geht’s mühsam bergab zum Refuge, wo man sogar mit Karte zahlen kann.

8. Tag – Refuge de Petra Piana bis Bergerie de l’Onda: Ein kurzer Tag

4,5h / 17km / 637hm

Zuerst geht es weiter über große Steine bergab bis wir nach zwei Stunden die Bergerie de Tolla erreichen. Hier machen wir Pause bei Cola und Käse. Von hier führt der GR 20 noch weiter ein Stück abwärts bis wir eine Brücke erreichen, die über eine herrliche Gumpe führt. Von den Felsen kann man direkt hinein springen, was Nathalie auch macht. Ich verpasse die Gelegenheit. Von nun an geht’s wieder bergauf, erst auf einer gerölligen Forststraße, dann auf einem schmaleren Pfad. Wir erreichen heute schon früh das Tagesziel, die Bergerie de l’Onda.

Wir liegen faul in der Sonne und spielen Kniffel mit zwei anderen Deutschen, die wir heute kennengelernt haben und von nun an zusammen gehen. Ein Stück weit von der Bergerie gibt es auch eine kleine Badegumpe, die ich diesmal mitnehme. Der Zeltplatz füllt sich immer mehr während wir hier so sitzen. Wir biwakieren heute wieder, sodass wir die Zelte nicht brauchen. Auch hier kann man mit Karte zahlen und wir essen das Menü mit Lasagne, das durchaus etwas üppiger hätte ausfallen können.

9. Tag – Bergerie de l’Onda bis Vizzavona: Das Ende des nördlichen Teils

5h / 11,7km / 743hm

Der Tal beginnt mit einem Aufstieg auf 2.120m, dem Crête de Muratello. Der Aufstieg ist verhältnismäßig einfach, denn es ist keine Kletterei erforderlich, nur ein paar Felsbrocken sind zu überwinden. Wir begegnen einer Horde Mufflons, die vor uns her laufen. Am höchsten Punkt gibt es eine Pause bevor es auf der anderen Seite wieder abwärts geht. Dabei sind Geröll und einige Felsplatten zu übersteigen. Dann erreichen wir die Tortetto-Brücke, die über eine glasklare Gumpe führt. Von den Felsen hier kann man direkt hinein springen, was wir uns nicht nehmen lassen.

Nach dem erfrischenden Bad geht’s weiter abwärts entlang des Baches durch schattigen Buchenwald. Ein Stück weiter sind die Cascades des Anglais wo es zugeht wie im Freibad, so viele Menschen befinden sich hier, baden und sonnen sich. Hinter der nächsten Brücke gibt es einen Kiosk, wo es eine Cola gibt, bevor es weiter hinab, schließlich auf Forststraße bis nach Vizzavona, wo wir wieder in einem Hotel einchecken. Abends gehen wir mit den Jungs Pizza essen, spielen Karten und Kniffel und kaufen ein paar Snacks in der Epicerie des Campingplatz ein. Nun haben wir den nördlichen Teil des GR 20 hinter uns gelassen, vor uns liegt der einfachere südliche Teil.

10. Tag – Vizzavona bis Col de Verde: Eine Doppeletappe

7,5h / 28km / 1.345hm

Der erste Teil des Tages führt durch Kiefernwald aufwärts. Zuerst geht’s auf Forstweg und dann auf einem schmalen Pfad weiter. Schließlich erreichen wir die Bocca Palmente auf 1.640m. Von hier kann man die Ostküste Korsikas sehen. Wir steigen wieder ab und es geht im Auf und Ab zu einer Bergerie, zum Ende hin geht es nochmal aufwärts bis zum Refuge de Capanelle, wo wir eine lange Pause machen um der Mittagshitze zu entgehen. Das Refuge liegt in einem Skigebiet und hat auch ein Restaurant.

Der zweite Teil des Tages beginnt mit einem Abstieg bis zum tiefsten Punkt auf 1.344m. Von hier geht’s im Auf und Ab im Wesentlichen aber in angenehmer Steigung bergauf bis zum Plateau Gialgone, wo ein Stück weiter eine Bergerie ist. Während wir hier auf die anderen warten kommt uns ein Pferd besonders nahe und interessiert sich vor allem für das Baguette an Chris‘ Rucksack. Wir können es gerade noch vor ihm retten.

Nun geht’s erstmal abwärts im Kiefernwald. Dann führt der GR 20 langsam wieder bergauf zum Col de la Flasca. Schließlich geht es endgültig abwärts. Hier treffe ich auf die ersten Schweine, die es hier geben soll. Das letzte Stück zieht sich nochmal gewaltig bis wir endlich Col de Verde erreichen, das heutige Etappenziel. Heute war der bisher längste Tag mit gleich zwei Etappen hintereinander. Um 19 Uhr erreichen wir den Zeltplatz, wo wir aufgrund von Mücken heute mal im Zelt übernachten. Zum Abendessen gibt es selbst gekochtes Risotto und heiße Schokolade.

11. Tag – Col de Verde bis Refuge d’Usciolu:

6h / 16,4km / 1.421hm

Der Tag beginnt mit einem Aufstieg. Anfangs geht’s durch Wald bis das Gelände sich öffnet und wir die Bocca d’Oru auf 1.840m erreichen. Von hier kann man die Küste überblicken. Die ersten 570 Höhenmeter sind geschafft. Kurz danach erreichen wir über eine Wiese das Refuge de Prati, wo wir Mittagspause machen. Hier gibt es sogar frische Äpfel und Orangen. Danach geht’s erstmal eben über die Wiese bevor es wieder bergauf geht. Auf 2.041m erreichen wir den Punta Cappella. Es ist von hier nicht weil bis zum Gipfelkreuz, das wir noch mitnehmen. Weglos geht es über Felsplatten hinauf. Von oben gibt es einen fantastischen Rundumblick über halb Korsika.

Nun führt der GR 20 abwärts und durch einen kleinen Wald bis zum Col de Laparo auf 1.525m, dem tiefsten Punkt. Von hier geht’s wieder aufwärts und in Serpentinen erreichen wir die Bocca di a Furmicula auf 1.981m. Der Anstieg im Wald ist extrem schweißtreibend, aber als wir aus ihm herauskommen sorgt der Wind für die nötige Kühle und Trocknung. Von hier ist es nun nicht mehr weit zum Refuge d’Usciolu, wo wir nach sechs Stunden Weg ankommen. Natürlich gibt es erstmal eine Coke und eine Mandarine, bevor wir uns einen Platz für die Nacht aussuchen. Mal wieder wird es eng mit Zeltplätzen, aber wir machen eh Cowboy Camping. In der Nacht sehen wir neben zahlreichen Sternschnuppen viele Leuchtkäfer vorüberfliegen.

12. Tag – Refuge d’Usciolu bis Refuge d’Asinau: Monte Incudine

8h / 22,9km / 1.206hm

Am Morgen geht’s wieder hinauf in eine Felslandschaft und nach kurzer Zeit erreichen wir die Bocca die Suragheddu. Von nun an geht’s im Auf und Ab am Grat entlang. Dabei sind ein paar leichte Kletterstellen zu überwinden. Dann geht es bergab bis in den Wald. Wir erreichen eine Badestelle, wo wir uns in den kühlen Bach stürzen. Kurz danach erreichen wir die Bergerie de Basseta, wo wir Mittagspause machen. Hier gibt’s die erste Cola des Tages und ein Baguette an dem ich mit Salami knabbere. In der Nähe der Bergerie liegt eine Sau mit zwei süßen kleinen Ferkeln.

Am Nachmittag gehen wir weiter und erreichen nach kurzem Bergaufgehen das Refuge Matalza, das wir links liegen lassen. Wir gehen an der staubigen Straße entlang. Hier gibt es ein hübschen eisenhutbestandenen Bach am Wegesrand. Wir zweigen auf einen schmalen Pfad ab und erreichen nach etwa einer Stunde die Bergerie Croce, wo wir nochmal eine Cola-Pause einlegen.

Hier geht’s wieder ein Stück Sandstraße entlang bis wir auf einen Pfad gelangen, der uns langsam aufwärts führt. Anfangs nicht sehr steil geht es hinauf bis zur 2.025m hohen Bocca Stazzunara. Von hier kann man noch den Monte Incudine besteigen (2.134m) dessen Gipfel ich ohne schweren Rucksack wie im Flug erreiche. Ich kann die Südküste Korsikas sehen, die Berge über die wir gekommen sind und bizarre Felszacken vor mir. Nach dem Abstieg zurück zur Bocca geht es steil abwärts zur etwa 500m tiefer gelegenen Refuge d’Asinau. Nach einer Stunde Abstieg über Geröll und Felsplatten erreiche ich das Refuge. Ich mache mir was zu essen, dann gibt es es wieder Cowboy Camping unter dem Sternenhimmel.

13. Tag – Refuge d’Asinau bis Refuge de Paliri: Die Dolomiten Korsikas

5h / 15,5km / 652hm

Heute geht es zur Abwechslung zuerst mal bergab. Bald schon führt der GR 20 dann im Auf und Ab weiter, tendenziell aber weiter bergab. Heute ist es heiß und die Aufstiege sind schweißtreibend. Schließlich geht’s wieder ca. 200 Höhenmeter steil aufwärts und wir erreichen Col de Bavella. Hier machen wir in einem der Restaurants Mittagspause. Am Nachmittag sind es dann nur noch 1,5 Stunden zum nächsten Refuge. Es geht ein Stück an der Straße entlang und dann auf einer Forststraße weiter. Der Weg führt über Serpentinen hinauf bis zur Foce Finosa.

Der Weg führt heute meist im Wald entlang, nur an wenigen Stellen im offenen sonnigen Gelände. Zum Refuge de Paliri geht es schließlich nochmal bergab und am Ende ein kleines Stück wieder rauf. Heute sind wir mal früher dran und können Karten und Kniffel spielen und am Abend Risotto kochen. Vom Zeltplatz hat man einen tollen Ausblick auf eine zerklüftete Felslandschaft, weshalb dieser Teil auch die Dolomiten Korsikas genannt werden. Nun haben wir nur zwei Nächte das Zelt aufgebaut, drei Nächte im Hotel verbracht und den Rest draußen geschlafen.

14. Tag – Refuge de Paliri bis Conca: Das Ende

4h / 13,3km / 386hm

Früh am Morgen genießen wir von unserem Lager einen direkten Blick auf den Sonnenaufgang. Dann geht es erstmal bergab bis es im Auf und Ab zur Bocca di u Sordu hinauf geht. Der Weiterweg führt uns bergab bis zu einem Fluss, der schöne Badegumpen bietet. Dann kommen wir nochmal in schöne Felslandschaft bis wir den letzten Anstieg auf dem GR 20 bewältigen. Wir erreichen einen Durchschlupf im Felsen, die Bocca d’Uscolu. Von hier geht es nun nur noch abwärts nach Conca hinunter. Wir erreichen nach einem Stück Wald die Straße auf der wir nach Conca hineinspazieren. Hier stürmen wir die erste Bar und stoßen auf den GR 20 an.


Anreise

Mit dem Flugzeug nach Bastia auf Korsika (Flüge von München und Frankfurt am Wochenende), dann mit dem Zug nach Calvi (16€) und dann mit dem Taxi (45€) oder Shuttlebus (8€) nach Calenzana.

Abreise

Mit dem Shuttlebus (6€) von Conca nach Porto-Vecchio, dann mit dem Bus zurück nach Bastia.


FAKTEN ZUR TOUR
Trekkingtour GR 20
Gehzeit: 10 bis 15 Tage
Länge: 180 km
Gesamtanstieg: 12.700 hm
Ausgangspunkt: Calenzana
Schwierigkeit: Schwer

2 Antworten

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    Annika

    Ich bin verliebt in die Welt, ihre Berge und das Abenteuer. Seit jeher beschäftigt mich eine starke Sehnsucht nach einem intensiven Leben. Dabei bedeuten Wandern und Reisen für mich pure Freiheit und Glück. Auf diesem Blog lest ihr alles über meine Abenteuer auf der ganzen Welt

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