Die Walker’s Haute Route zählt zu den spektakulärsten Fernwanderungen der Alpen. Auf rund 220 Kilometern verbindet sie Chamonix am Fuß des Mont Blanc mit Zermatt am Matterhorn und führt dabei über zahlreiche hohe Pässe durch Frankreich und die Schweiz.
Mitte Juli sind wir noch vor Beginn der Hauptsaison unterwegs. Viele Berghütten haben noch geschlossen, auf den höheren Pässen liegen teilweise noch ausgedehnte Schneefelder und die Grand Désert präsentiert sich noch im Winterkleid. Gleichzeitig geraten wir mitten in eine außergewöhnliche Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 38 °C. Eine Kombination, die diese Tour abwechslungsreicher und anspruchsvoller macht, als wir erwartet haben.
Blumenübersäte Almen, türkisfarbene Gletscherseen, Steinböcke, Murmeltiere, einsame Biwakplätze und Ausblicke auf Mont Blanc, Weisshorn und schließlich das Matterhorn machen die Walker’s Haute Route für uns zu einer der schönsten Alpenwanderungen, die wir bisher erlebt haben.
Inhaltsverzeichnis
ToggleAnreise nach Chamonix
Randa – Visp – Martigny – Vallorcine – Chamonix
Nachdem wir bereits am Vortag ins Mattertal gefahren sind, fahren wir am Morgen mit dem Zug nach Chamonix, wo wir die 220-Kilometer lange Walker’s Haute Route durch die französischen und Schweizer Alpen starten werden. Unseren Van lassen wir auf dem Campingplatz in Randa stehen und laufen zum Bahnhof. Vor uns liegt eine vierstündige Zugfahrt mit vier Umstiegen durch beeindruckende Berglandschaften.
Der erste Zug durch das Mattertal ist sehr voll. Sitzplätze gibt es keine mehr, also landen Ryan und ich im Fahrradabteil. Da weder Fahrräder noch andere Fahrgäste dort sind, erklären wir es kurzerhand zu unserer VIP-Lounge.
Der Bahnhof in Visp ist zwar wuselig, aber recht übersichtlich. Wir finden unseren Anschluss schnell und ergattern sogar Sitzplätze. Die eigentliche Herausforderung ist nicht die Orientierung, sondern alles gleichzeitig bewältigen zu müssen. Ich muss ein Telefonat bewältigen, während wir nach freien Plätzen im richtigen Wagen suchen, und dazu schreit direkt neben uns ein Kind aus voller Kehle. Einer dieser Momente, in denen mein Gehirn still beschließt, dass es genug hat.
In Martigny treffen wir eine Australierin, die auf der Tour du Mont Blanc unterwegs ist. Ihr Knie macht Probleme, deshalb verkürzt sie eine Etappe mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um trotzdem noch die bereits gebuchte Berghütte zu erreichen. Wir wünschen ihr, dass sie die Tour trotz dieses Rückschlags genießen kann.
Der nächste Zug nach Vallorcine ist deutlich lauter. Eine große Gruppe Jugendlicher füllt fast den gesamten Wagen, und die Toilette ist außer Betrieb, während wir beide eine gebrauchen könnten. Zum Glück ist der letzte Zug nach Chamonix wesentlich ruhiger. Durch die Panoramafenster ziehen steile Täler und dramatische Felswände an uns vorbei. Die Toilette funktioniert dieses Mal zwar, doch der nasse Boden und der zweifelhafte Geruch machen sie nicht gerade einladend.
Als wir in Chamonix ankommen, ist es bereits Mittagszeit. Bevor wir irgendetwas anderes tun, steuern wir direkt das Restaurant an, das wir bereits im vergangenen Jahr auf unserer Tour du Mont Blanc entdeckt haben. Für rund 18 Euro bekommen wir ein Hauptgericht und Salatbuffet. Nach wie vor eines der besten Angebote in Chamonix. Ryan bestellt Fisch mit Kartoffeln, Spargel und Weißweinsauce, während ich mich für Lasagne entscheide. Zwischen mehreren Gängen zum Salatbuffet stelle ich außerdem fest, dass Butter und Gurke hervorragend zusammenpassen.
Und wir müssen über französische Butter reden. Sie ist einfach unglaublich gut. Die knusprigen Salzkristalle geben ihr eine ganz besondere Note. Letztes Jahr hielt Ryan sie zunächst für Frischkäse und biss beherzt hinein – nur um festzustellen, dass es sogar besser als Frischkäse ist.
Bevor wir endlich loswandern, steht noch ein letzter Stopp auf dem Programm. In einem Outdoorladen kaufen wir einen Eispickel für Ryan. Hoffentlich werden wir ihn nicht brauchen, aber für die noch schneebedeckten Abschnitte der Route gibt er mir ein gutes Stück zusätzliche Sicherheit.
WHR Tag 1: Wir lassen den Lärm hinter uns
Chamonix – Argentière – Le Tour – kurz vor dem Col de Balme
18,3 km / 1.300 hm / 5 h
Um 15 Uhr lassen wir Chamonix hinter uns und starten offiziell auf die Walker’s Haute Route. Anfangs fühlt sich der Weg allerdings weniger wie eine Walker’s Route als vielmehr wie eine Biker’s Route an. Doch nach und nach verschwinden die Menschenmassen. Je weiter wir uns von der Stadt entfernen, desto wohler fühlen wir uns. Wir tauchen in den Wald ein, folgen dem Fluss, während hoch über uns die schneebedeckten Granitnadeln der Dru aufragen. Ryan entdeckt die erste Zecke der Tour an seinem Bein, was eine eher unerfreuliche Erinnerung daran ist, dass der Sommer begonnen hat.
Als wir an einem Eisenbahntunnel vorbeikommen, werfe ich einen Blick auf den Fahrplan und stelle fest, dass der Zug, mit dem wir angekommen sind, in wenigen Minuten vorbeifahren wird. Wir gehen auf den Hang oberhalb des Tunnels und warten. Als der Zug schließlich aus dem Tunnel schießt, hallt sein lautes Horn durch das Tal und lässt uns beide zusammenzucken. Es muss eine der schönsten Bahnstrecken der Welt sein, und wir machen schöne Fotos des vorbeifahrenden Zuges.
Die Ortschaft Argentière kommt und geht. Wir könnten hier auf dem Campingplatz übernachten, doch weder haben wir Lust, uns jetzt unter viele Menschen zu mischen, noch möchten wir schon Schluss machen. Stattdessen geht Ryan in den Supermarkt, während ich draußen warte. Mehrere kleinere Probleme gleichzeitig überfordern mich zunehmend: Der Akku meines Handys ist leer, das eingepackte Ladekabel funktioniert nicht und die belebten Straßen werden immer anstrengender.
Ryan kehrt mit der Grundausstattung zurück: Käse, Chips in einer neuen Geschmacksrichtung, und Orangina. Nur Baguette gab es leider nicht mehr.
Hinter Argentière ist der Weg weniger schön. Er schlängelt sich zwischen Straßen, Zäunen und schmalen Pfaden hindurch. Während wir Höhenmeter gewinnen, ändert sich die Landschaft: Zuerst steigen wir durch den Wald auf, dann hallen Kuhglocken durch das Tal und wir blicken auf Holzhütten und Blumenwiesen, während die Berge wieder in den Mittelpunkt rücken.
Wir legen eine Pause auf einer Bank ein, bevor wir durch Le Tour weiterwandern, wo üppige Blumenkästen über Balkone ragen. Hier beginnt der lange abendliche Anstieg zum Col de Balme.
Kurz vor Sonnenuntergang entdecken wir ein Reh mit weißer Schnauze am Wegesrand, das seelenruhig Gras frisst, während wir uns gegenseitig still beobachten. Nur wenige Minuten später taucht ein weiteres auf und trabt über den Fahrweg unterhalb von uns.
Wir versuchen, die letzten Sonnenstrahlen unterhalb des Passes einzufangen, doch die Berge gewinnen dieses Rennen. Stattdessen finden wir kurz unterhalb des Cols einen perfekt geschützten Zeltplatz mit einem unvergesslichen Ausblick: Mont Blanc leuchtet im warmen Orange der Abendsonne. Mit einer solchen Aussicht schmeckt das Abendessen noch viel besser.
WHR Tag 2: Fenêtre d’Arpette
Kurz vor dem Col de Balme – Buvette du Glacier – Fenêtre d’Arpette – Wald vor dem Relais d’Arpette
15,2 km / 1.400 hm / 8 h
Der Morgen beginnt mit dem kurzen verbleibenden Anstieg zum Col de Balme. Die ersten Sonnenstrahlen tauchen die umliegenden Gipfel in warmes Licht, während wir die Grenze zur Schweiz überqueren. Statt der offiziellen Walker’s Haute Route nach Trient zu folgen, entscheiden wir uns für die Les-Grands-Alternative und bleiben hoch über dem Tal.
Schon nach wenigen Minuten weiß ich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Tief unter uns zieht eine lange Schlange von Tour-du-Mont-Blanc-Wanderern über den Weg. Wir dagegen begegnen in den nächsten Stunden kaum einem Menschen. Stattdessen begleiten uns rosa Alpenblumen, die die Hänge bedecken, summende Bienen und unzählige Schmetterlinge.
Der Weg quert steile Berghänge und bietet durchgehend grandiose Ausblicke über das Trienttal. Einige Schneefelder haben sich noch gehalten und zwei Querungen wirken zunächst etwas einschüchternd, doch mit unseren Grödeln treten wir vorsichtig Stufen in den Schnee und gelangen problemlos hinüber. Man hätte die steilsten Stellen auch umgehen können, indem man über das Geröll ab- und wieder aufsteigt.
Der Höhenweg zieht sich an der Bergflanke entlang. Technisch ist er nicht besonders schwierig, verlangt aber dennoch einiges von uns: Auf jeden steilen Anstieg folgt unmittelbar ein ebenso steiler Abstieg.
Erst beim Abstieg zur Hütte Buvette du Glacier treffen wir wieder auf andere Wanderer. Unterwegs setze ich meinen aussichtslosen Kampf mit der französischen Sprache fort. Jedes Mal, wenn ich eine einfache Frage stelle, bekomme ich eine lange, begeisterte Antwort in einem Tempo, bei dem ich nur noch mit einem Fragezeichen im Gesicht dastehe. Dieses Mal wollte ich eigentlich nur wissen, ob die Hütte geöffnet hat, denn wir würden uns sehr über ein Mittagessen freuen.
Und dann ein schöner Anblick: Die kleine Hütte am Fluss hat tatsächlich geöffnet. Ohne zu zögern bestellen wir Aprikosenkuchen, Sandwiches belegt mit Butter, Essiggurken, Rohschinken und Salami sowie kalte Cola. Nach dem warmen Vormittag schmeckt einfach alles fantastisch. Anschließend ruhen wir uns noch eine Weile im Schatten aus, wohl wissend, dass der größte Anstieg des Tages noch vor uns liegt.
Nachdem wir eine Hängebrücke über den tosenden Gletscherbach überquert haben, beginnt der lange Aufstieg zum Fenêtre d’Arpette. Mit jeder Serpentine rückt der Glacier du Trient näher. Schon bald füllt der mächtige Gletscher das gesamte Tal vor uns aus. Seine gewaltigen Eismassen fließen den Hang hinab, während das Schmelzwasser unter dem Eis in einer Schneehöhle verschwindet und erst weiter unten wieder als Fluss zum Vorschein kommt.
An einer kleinen Hütte, an der wir Wasser auffüllen, treffen wir einen jungen Franzosen und seinen Großvater. Zunächst fällt uns auf, dass der ältere Herr keinen Rucksack trägt. Wenig später verstehen wir auch, warum: Sein Enkel schleppt zwei zusammengebundene Rucksäcke gleichzeitig auf den Schultern. Wir kommen ins Gespräch, und er erzählt uns, dass sein Großvater starke Knieschmerzen hat. Was für eine einfühlsame Geste.
Ryan kann derweil Brennnesseln immer noch nicht zuverlässig erkennen. In Südkalifornien, wo er den Großteil seines Lebens verbracht hat, gibt es schließlich keine. Also rufe ich während des gesamten Anstiegs immer wieder Dinge wie „Brennnessel rechts!“ Daraus entwickelt sich eine Art fortlaufender Kommentar.
Im Laufe des Nachmittags türmen sich Wolken über den umliegenden Gipfeln auf. Glücklicherweise verdecken sie gleichzeitig die Sonne, sodass der letzte Anstieg deutlich angenehmer wird. Auf einem Felsen über uns entdecken wir die ersten Steinböcke der Tour, die scheinbar mühelos durch Gelände klettern, in dem wir uns festklammern müssten.
Kurz unterhalb des Passes entdecke ich einen perfekten rosafarbenen Marshmallow auf dem Weg. Fast zeitgleich findet Ryan eine Ein-Euro-Münze. Oben auf dem Pass esse ich zufrieden meinen Marshmallow. Wenn ihr mich fragt, habe ich den besseren Fund gemacht.
Dunkle Wolken ziehen nun schnell näher, deshalb machen wir uns zügig an den Abstieg. Im oberen Abschnitt besteht der Weg fast ausschließlich aus Blockwerk. Weiter unten ermöglicht ein verbliebenes Schneefeld schnelleres Vorankommen. Ryan rutscht begeistert auf dem Hintern hinunter, während ich lieber durch den weichen Schnee hinabrenne. Kurz darauf hören wir den ersten lauten Murmeltierpiff, das manchmal ziemlich erschreckende Alarmsystem der Alpen.
Der Abstieg durch das nächste Blockfeld verlangt erneut Konzentration. In der Ferne grollt Donner, doch das angekündigte Gewitter erreicht uns nicht. Stattdessen begleitet uns lediglich leichter Nieselregen hinunter ins Tal.
Was mich dabei am meisten beeindruckt, ist die Stille. Keine singenden Vögel, kein plätschernder Bach, kein Wind. Einfach vollkommene Ruhe.
Am Abend finden wir einen geschützten Zeltplatz im Wald, an dem jemand trotz Leave-No-Trace-Regeln eine Feuerstelle errichtet hat. Unzählige Insekten summen um uns herum, Kuckucke rufen in der Ferne und irgendwo tiefer im Wald bellt ein Reh.
Während die Dunkelheit über das Tal hereinbricht, ist das angekündigte Gewitter ausgeblieben. Manchmal entscheiden die Berge, sich das Drama für einen anderen Tag aufzuheben.
WHR Tag 3: Die Alternative über Mont Brûlé
Wald vor dem Relais d’Arpette – Champex-Lac – Orsières – vor dem Mont Brûlé
19,8 km / 1.530 hm / 6,5 h
Wir wachen zu Vogelgezwitscher auf, packen unsere Sachen zusammen und steigen durch einen idyllischen Wald nach Champex ab. Neben uns plätschert ein Bach, der sich über eine Reihe moosbewachsener Kaskaden talwärts schlängelt.
Die Dorfbäckerei entpuppt sich als genau das, was hungrige Wanderer sich wünschen. Wir gönnen uns in aller Ruhe ein Petit-déjeuner-Buffet, laden sowohl unsere Akkus als auch unsere eigenen Energiereserven auf und verlassen die Bäckerei mit einem frischen Baguette und ein paar Gebäckstücken für unterwegs. Während Ryan Lebensmittel für uns nachkaufen geht, genieße ich den Luxus, einfach einmal nur dazusitzen.
Bevor wir das Bergdorf verlassen, gehen wir noch hinunter zum See. Unsere „Dusche“ besteht darin, ins kalte Wasser zu steigen, uns ordentlich nasszuspritzen und das Ganze für ausreichend sauber zu erklären. Hiker-Trash-Hygiene in Reinform.
Unser Frischegefühl hält ungefähr fünf Minuten, während wir nach Orsières absteigen, denn das Tal gleicht einem Backofen und die Hitze ist erbarmungslos. Als wir Orsières erreichen, fühlen sich unsere Gehirne an, als würden sie wie ein Sonntagsbraten langsam vor sich hin schmoren. Wir flüchten uns in den Supermarkt, kaufen kalte Getränke und setzen uns anschließend in den Schatten. Während wir den bevorstehenden Anstieg betrachten, beobachten wir, wie das Restaurant gegenüber alles für das Public Viewing der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft vorbereitet.
Die meisten Wanderer auf der Walker’s Haute Route folgen von hier aus dem Tal. Wir entscheiden uns stattdessen für die Mont-Brûlé-Alternative und steigen direkt wieder auf die Berge auf der gegenüberliegenden Talseite.
Der Anstieg beginnt angenehm und führt durch ruhige Dörfer, über kleine Straßen und offene Wiesen. Ein Thermometer neben einigen Bienenstöcken verrät uns die Temperatur: 36 °C. Jeder Brunnen wird zur Oase, von der wir ausgiebig trinken. Wir tauchen unsere Hüte ins kalte Wasser und gönnen uns jedes Mal noch einen Moment, bevor wir zum nächsten Schattenfleck weiterziehen. Gelegentlich geraten wir auch in den Sprühnebel der Rasensprenger.
Der schattige Wald fühlt sich herrlich kühl an. Jedes Mal, wenn wir wieder in die Sonne treten, rede ich mir ein, inzwischen müsse es doch etwas abgekühlt haben. Leider nicht.
Tief im Wald rufen Kuckucke, während großblättrige Pflanzen am Weg im Wind schaukeln und beinahe so wirken, als würden sie uns weiterwinken. Schließlich lichtet sich der Wald und macht alpinen Wiesen voller Wildblumen Platz, während Kuhglocken über die Hänge hallen. So klingt der Sommer in den Alpen.
Hoch über uns ziehen Segelflieger ihre Kreise in der warmen Nachmittagsluft. Gelegentlich dringt das leise Pfeifen eines Segelflugzeugs zu uns herab, wenn es durch den Himmel schneidet. Ihre Silhouetten und dieses eigentümliche Geräusch erinnern mich an riesige Flugsaurier, die über den Bergen kreisen.
Der Weg steigt stetig weiter an, und mit jedem Schritt wird das Panorama beeindruckender. Hinter uns füllen die gezackten Gipfel des Mont-Blanc-Massivs den Horizont – Grandes Jorasses, Mont Dolent und die Aiguille d’Argentière beherrschen die Skyline. Der Mont Blanc selbst bleibt verborgen, doch in einer Landschaft wie dieser spielt das kaum eine Rolle.
Am Sattel beschließen wir, den Tag zu beenden, und schlagen unser Zelt an einem geschützten Platz auf. Vor uns setzt sich der Weg Richtung Mont Brûlé fort, daneben erhebt sich ein weiterer gewaltiger Gipfel, unter dessen obersten Hängen sich ein Gletscher festklammert. Hartnäckig halten sich dort noch Schneefelder, obwohl im Tal der Sommer längst Einzug gehalten hat.
Nachdem wir den Großteil des Tages bei brütender Hitze bergauf gelaufen sind, fühlt es sich endlich wieder so an, als wären wir in den Hochalpen angekommen, wo diese Route hingehört.
WHR Tag 4: Heißer als ein Kojote im Weihnachtspullover
Mont Brûlé – Col de Mille – Cabane Brunet – Fionnay – Cabane de Louvie – Col de Louvie – Lac du Grand Désert
27,5 km / 2.250 hm / 10,5 h
Der Morgen beginnt an einem dieser Zeltplätze, die man nur ungern wieder verlässt. Wir stehen zum Sonnenaufgang auf. Auf der anderen Talseite fangen die Gletscher die ersten Sonnenstrahlen ein, bevor wir zusammenpacken und zunächst den Gipfel des Mont Brûlé besteigen. An der Cabane de Mille füllen wir unsere Wasservorräte auf und folgen anschließend einem wunderschönen Höhenweg Richtung Cabane Brunet.
Die Aussicht ist spektakulär, die Hitze allerdings auch. Schon bald kommen wir an einem kleinen Bergsee vorbei, der einfach unwiderstehlich aussieht. Wir werfen unsere Rucksäcke ins Gras und gehen direkt hinein. Das Wasser ist schmerzhaft kalt, aber danach ist die Welt für ein paar herrliche Minuten vollkommen in Ordnung. Während kleine Forellen durchs Wasser gleiten, sitzen wir am Ufer und knabbern Chips.
Zehn Minuten später schwitzen wir bereits wieder. Die Sonne ist gnadenlos, und jeder seltene, von einem Felsblock geworfene Schatten fühlt sich an wie eine Klimaanlage. Die Cabane Brunet erscheint wie eine Oase in der Wüste. Wir trinken kalte Cola im Schatten, laden ein paar elektronische Geräte auf und schieben den Moment des Aufbruchs noch ein wenig hinaus.
Der Abstieg nach Fionnay hat es in sich. Steil, ausgewaschen und stellenweise überwuchert fordert er unsere Knie ordentlich heraus. Der Weg taucht in einen duftenden Kiefernwald ein, wo warme Nadeln und Harz die Luft erfüllen, während uns die Mücken daran erinnern, dass wir diesen schönen Tag nicht allein genießen.
Dann treten wir wieder hinaus in die pralle Sonne. Es ist heißer als ein Kojote im Weihnachtspullover. Unter uns glitzern zwei Stauseen, während auf der anderen Talseite bereits der nächste steile Anstieg über Fionnay aufragt. Bei dieser Hitze ist dieser Anblick ziemlich entmutigend.
Nachdem wir blumenübersäte Wiesen durchqueren, in denen der Pfad vollständig unter der Vegetation verschwindet, erreichen wir schließlich den Talboden. Es sieht aus wie das reinste Zeckenparadies, doch erstaunlicherweise bleibt keine an uns hängen. Wir queren die Straße und steigen erneut steil hinauf, aber zumindest führt der Weg größtenteils durch schattigen Wald.
Fionnay wirkt angenehm verschlafen. Es sind kaum Menschen unterwegs. Wir setzen uns vor das einzige geöffnete Restaurant im Ort und bestellen Croûte au fromage, ein typisch schweizerisches Gericht aus in Weißwein getränktem Brot, das großzügig mit Käse überbacken wird, bis dieser goldbraun blubbert. Als Ausgleich zu all dem Käse bestellen wir noch einen Salat.
Auf den nächsten Anstieg freuen wir uns bei dieser Hitze überhaupt nicht, aber wir müssen weiter. Das Gebiet rund um den Lac de Louvie steht unter Naturschutz, was bedeutet, dass Zelten dort verboten ist. Wenn wir legal übernachten wollen, müssen wir das Col de Louvie noch heute überschreiten.
Also geht es wieder bergauf. Der Anstieg ist steil, und wir hangeln uns von einem Schattenfleck zum nächsten. Jede kleine Brise entlockt uns beiden ein hörbares „Ahhh …“. Einige Passagen sind mit in den Fels gebohrten Stahlseilen gesichert.
Am späten Nachmittag erreichen wir die Cabane de Louvie direkt am See und belohnen uns mit einer weiteren Cola. Dabei kommen wir mit zwei Wanderern aus Neuseeland ins Gespräch. Zur Hütte gehört außerdem eine Katze, die heute allerdings nicht besonders gesellig wirkt.
Gerade als wir aufbrechen wollen, kommt die Hüttenwartin heraus.
„Wo wollt ihr hin?“, fragt sie.
„Zum Col de Louvie“, antworte ich.
„Jetzt?“
Sie erklärt uns, dass der Aufstieg drei Stunden dauert. Ich bestätige das. Es ist erst 17 Uhr, also haben wir noch reichlich Tageslicht. Dann folgt die nächste Warnung: Zelten sei dort oben verboten. Ich erkläre, dass wir erst hinter dem Pass unser Zelt aufbauen werden, also außerhalb des Schutzgebietes. Wir kennen die Regeln und werden sie selbstverständlich einhalten.
Doch sie macht weiter. Es liege noch sehr viel Schnee. Es gebe keine Fußspuren. Niemand sei bisher hinübergegangen. Ich erwidere, dass wir jemanden kennen, der den Pass erst vergangene Woche problemlos überschritten hat. Schließlich gibt sie auf, winkt ab und verschwindet wieder in der Hütte.
Wir hatten bereits Geschichten gehört, dass sie Wanderer häufig vom Passübergang abzubringen versucht. Trotzdem bin ich erleichtert, als wir die Hütte hinter uns lassen.
Bis zum Pass warten weitere 750 Höhenmeter auf uns. Murmeltiere pfeifen zwischen den Felsen, während Gämsen scheinbar mühelos über die steilen Felshänge laufen.
Kurz darauf entdecken wir eine Gruppe Steinböcke auf den Felsen oberhalb des Weges und wir bleiben kurz stehen, um sie zu beobachten. Dann lösen sich die ersten Steine. Während sich die Tiere über den Hang bewegen, treten sie immer wieder lose Felsen los. Es sind keine riesigen Brocken, doch selbst kleinere Steine gewinnen mit jedem Aufprall an Geschwindigkeit. Mehrere rollen direkt auf uns zu. Von einem Moment auf den anderen beobachten wir keine Wildtiere mehr. Wir versuchen nur noch, möglichst schnell aus der Schusslinie zu kommen.
Steinschlag muss nicht aus gewaltigen Felsbrocken bestehen, um gefährlich zu sein. Schon ein faustgroßer Stein kann bergab enorme Geschwindigkeiten erreichen und schwere Verletzungen verursachen. Für mich ist das der mit Abstand beängstigendste Moment der gesamten Walker’s Haute Route. Erst als wir die Steinböcke hinter uns gelassen haben, fällt die Anspannung langsam von mir ab.
Wir queren einige weiche Schneefelder, in die wir bei fast jedem Schritt einbrechen, und wir versuchen gleichzeitig, gähnend tiefen Löchern auszuweichen. Entgegen der Warnung der Hüttenwartin sind durchaus Spuren anderer Wanderer zu erkennen. Dort, wo wir sie erwarten, finden wir auch Fußabdrücke.
Hinter uns wirkt der Himmel inzwischen jedoch immer bedrohlicher. Dunkle Wolken ziehen über das Bergmassiv. Sie scheinen zwar an uns vorbeizuziehen, kommen aber nah genug, dass wir nicht länger als nötig bleiben möchten.
Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir das Col de Louvie. Die eigentliche Herausforderung beginnt erst auf der anderen Seite, denn die Grand Désert befindet sich noch immer im Wintermodus. Halb zugefrorene Seen verteilen sich über das Plateau, Schneefelder bedecken fast die gesamte Landschaft, und bei jedem Schritt sinken wir unvorhersehbar tief in den weichen Schnee ein.
Postholing lässt sich nicht mehr vermeiden. Zweimal verschwindet mein Bein so tief im Schnee, dass mein Schuh feststeckt und Ryan mich ausgraben muss. Wenig später steckt er selbst fest, und dieses Mal bin ich mit dem Ausgraben an der Reihe.
Der kalte Schnee arbeitet sich in unsere Schuhe und sobald die Sonne verschwindet, fallen die Temperaturen spürbar. Das ständige Einsinken sorgt für schmerzende Beine, während unsere Hände vom gegenseitigen Ausgraben taub werden. Schließlich müssen wir noch einen eiskalten Schmelzwasserbach durchqueren, der unsere Schuhe endgültig durchnässt. Kurz darauf fallen die ersten dicken Regentropfen.
Irgendwo hier verlieren wir den Weg vollständig, weil er unter dem Schnee versteckt ist. Doch inzwischen spielt das kaum noch eine Rolle. Unser einziges Ziel ist es, unter die Schneegrenze zu gelangen, um unser Zelt aufzuschlagen, während Donner immer näher kommt. Als wir endlich schneefreien Boden an einem kleinen See entdecken, stehen dort bereits zwei Zelte. Wir beeilen uns und laufen den Hang hinunter, um noch rechtzeitig vor dem Gewitter anzukommen.
Noch nie hat ein Zeltplatz so einladend ausgesehen. Ich baue unser Zelt in Rekordzeit auf und verzichte auf Perfektionismus. Das Einzige, was zählt, ist, möglichst schnell ins trockene Zelt zu kommen und uns aufzuwärmen. Alles andere kann später gerichtet werden.
Ryan meint, er fühle sich wie der Assistent eines Chirurgen.
„Hering!“, rufe ich.
Er reicht mir einen Hering.
„Stock!“
Ryan reicht mir einen Trekkingstock.
„Festziehen!“
Erledigt.
Kurz vor 21 Uhr kriechen wir ins Zelt. Nur wenige Augenblicke später bricht das Gewitter los. Starker Regen trommelt auf das Außenzelt, Donner und Blitze rollen durch die Berge. Glücklicherweise zieht der heftigste Teil des Gewitters knapp an uns vorbei.
Uns ist das völlig egal. Ich bin einfach nur froh darüber, drin zu sein. Wir stopfen saure Gummiwürmer in uns hinein, wärmen uns in unseren Schlafsäcken auf und ruhen uns aus, während draußen langsam die Dunkelheit hereinbricht. Nach dem langen Tag voller Hitze, langer Anstiege und Schnee sind wir völlig erschöpft. Ich hätte das Abendessen einfach ausgelassen, aber Ryan kocht trotzdem Nudeln auf unserem kleinen Kocher. Er hat recht. Nach einem Tag wie diesem brauchen wir wirklich jede einzelne Kalorie.
WHR Tag 5: Type-2-Fun am Col de Prafleuri
Lac du Grand Désert – Col de Prafleuri – Cabane de Prafleuri – Col des Roux – Refuge de la Barmaz
10 km / 865 hm / 5,5 h
Der Morgen beginnt genau dort, wo der gestrige Tag geendet hat: im tiefen, weichen Schnee.
Von unserem Zeltplatz unterhalb der Schneegrenze brauchen wir eine ganze Stunde, um überhaupt wieder auf die Walker’s Haute Route zu gelangen. Die Orientierung ist herausfordernd, denn die rot-weißen Markierungen auf den Felsen sind oft unter dem Schnee verborgen, und Fußspuren gibt es kaum.
Alle paar Schritte sinkt einer von uns in einem weiteren Posthole. Der Schnee ist inzwischen so nass, dass er unser Gewicht kaum noch trägt. Besonders rund um Felsen scheinen sich unter der Schneedecke tückische Hohlräume zu verstecken. Nachdem ich einmal mit dem Knie direkt auf einem unter dem Schnee verborgenen Felsen lande, begegne ich von da an jedem einzelnen Stein mit gesundem Misstrauen. Ryan hingegen steckt erneut fest und muss sich fluchend selbst ausgraben. Ich kann mir ein Grinsen trotzdem nicht verkneifen.
Das Gelände hält uns dauerhaft auf Trab. Einer unbeabsichtigten Rutschpartie folgt wenig später eine freiwillige. An einer Stelle balancieren wir zunächst vorsichtig über einen breiten Schmelzwasserspalt zwischen Felsen und Schneefeld, bevor wir uns schnell für eine steile Rutschpartie entscheiden, was der schnellste und zugleich sicherste Weg ist, den instabilen Hang zu verlassen.
Selbst Wasserauffüllen geht mit fragwürdigen Entscheidungen einher. Wir überqueren einen Bach, nur wenige Meter oberhalb eines Abgrunds, in den das Wasser als tosender Wasserfall hinabstürzt. Ryan hält genau diesen Ort für den idealen Platz, um seine Wasserflasche aufzufüllen. Ich entscheide mich lieber, nicht hinzusehen.
Fast drei Stunden nach dem Aufbruch erreichen wir schließlich Col de Prafleuri. Erleichtert, die endlosen Schneefelder hinter uns zu haben, lassen wir uns auf den Felsen nieder und verdrücken zufrieden unsere Sandwiches.
Rückblickend war das genau die Art von Erlebnis, die Wanderer liebevoll als Type-2-Fun bezeichnen: Währenddessen miserabel, aber hinterher fühlt es sich plötzlich großartig an.
Der Abstieg könnte kaum unterschiedlicher sein. Endlich liegt wieder ein richtiger Wanderweg unter unseren Füßen. Erde statt Schnee. Tief unter uns erkennen wir bereits die Cabane de Prafleuri und einige riesige Solarpaneele, die die Sonnenenergie einfangen.
An einem verlassenen Steingebäude beobachten wir zwei Gämsen, die manisch die Mauern ablecken. Ihre Speichelspuren zeichnen beinahe ihre gesamten Körperumrisse nach. Offenbar enthalten die Steine genügend Mineralien, um den Vorgang lohnenswert zu machen.
Die Hütte selbst ist noch geschlossen, doch der gemütliche Winterraum ist offen. Sogar die Toilette bietet einen spektakulären Blick auf die Berge, inklusive einiger Gämsen, die draußen über den Hang kraxeln.
Anschließend steigen wir weiter zum Col des Roux auf. Verglichen mit dem Vormittag fühlt sich dieser Pass fast entspannend an. Dem Großteil der verbliebenen Schneefelder können wir problemlos ausweichen. Unterwegs begegnen wir einer 72-jährigen Schweizerin, die uns entgegenkommt und einen erstaunlich kleinen Rucksack mit Eispickel sowie Shorts mit langen Gamaschen für den Schnee trägt. Sie ist die coolste Person, der wir auf der gesamten Walker’s Haute Route begegnen. Im vergangenen Jahr ist sie 700 Kilometer ab St. Moritz gewandert und befindet sich nun allein auf dem Weg nach Chamonix. Besonders beeindruckt von den Schwierigkeiten scheint sie nicht zu sein. Stattdessen wundert sie sich über unsere Trailrunner und fragt, ob wir nicht ständig nasse Füße hätten. Ja, haben wir, aber das stört uns kaum. Wir erkundigen uns nach den Schneeverhältnissen am Col de Riedmatten, unserer nächsten größeren Hürde.
„Kein Problem.“ Genau die Antwort, die wir hören wollten.
Hinter dem Pass öffnet sich der Blick auf den Lac des Dix. Der riesige türkisfarbene Stausee zieht sich wie ein norwegischer Fjord durch das Tal, eingerahmt von steilen Felswänden, über die unzählige Wasserfälle in das milchig-blaue Gletscherwasser stürzen.
Da kann man kaum anders, als die Ingenieursleistung zu bewundern. Der See wird von der Grande-Dixence-Staumauer zurückgehalten, der höchsten Gewichtsstaumauer der Welt. Sie wurde in den 1950er-Jahren erbaut und widersteht allein durch ihre gewaltige Masse von rund 15 Millionen Tonnen dem Druck des Wassers. Mehr als 100 Kilometer Tunnel sammeln Schmelzwasser aus 35 Gletschern der Schweizer Alpen. Ein Teil davon wird sogar bergauf gepumpt, wodurch der Stausee als riesiger natürlicher Energiespeicher dient und rund eine halbe Million Schweizer Haushalte mit Strom aus Wasserkraft versorgt.
Unser langsames Vorankommen im Schnee verändert jedoch unsere Tagesplanung. Statt bis nach Arolla weiterzulaufen und auf dem Weg womöglich in das nächste Nachmittagsgewitter zu geraten, bleiben wir bereits am unbewirtschafteten Refuge de la Barmaz. Es wird zu einem unserer Lieblingsorte auf der gesamten Walker’s Haute Route.
Wir haben die ganze Hütte für uns allein. Draußen ziehen Steinböcke über die Hänge, überall flitzen Murmeltiere umher. So viele flauschige Hintern. Doch es sind auch die kleinen Dinge, die diesen Ort besonders machen: Pflanzen, in deren Blättern sich winzige Wassertröpfchen sammeln und in der Nachmittagssonne wie Diamanten glitzern, und flauschige Raupen, die durchs Gras kriechen.
Im Inneren stehen große Kannen bereit, mit denen man Wasser von der Quelle holen kann. Als ich mit je einer Kanne in jeder Hand zurücklaufe, komme ich mir vor wie eine Milchmagd aus dem vorletzten Jahrhundert. Nur eben mit Internetempfang. Und Himbeersirup aus der Hütte. Das Leben ist schön.
Wie bestellt zieht wenig später das nächste Gewitter auf. Starker Regen trommelt auf das Dach, während wir im Trockenen sitzen, Tee trinken und Kartenspiele spielen. Als das Gewitter schließlich weiterzieht, beginnen die Berge unter dem aufklarenden Himmel zu leuchten. Wolkenfetzen treiben um die schroffen Gipfel, und später in der Nacht erscheinen unzählige Sterne über uns.
Manchmal ist es die beste Entscheidung des Tages, einfach früher Schluss zu machen.
WHR Tag 6: Dankbarkeit am Col de Riedmatten
Refuge de la Barmaz – Col de Riedmatten – Arolla – La Gouille – Les Haudères
24,1 km / 1.095 hm / 8 h
Der Morgen beginnt mit einem entspannten Spaziergang entlang des Lac des Dix, was eine willkommene Abwechslung nach den Strapazen des Vortages ist. Überall sind Murmeltiere. Hunderte von ihnen pfeifen, huschen durchs Gras und verschwinden blitzschnell in ihren Bauen.
Dann hören wir plötzlich ungewöhnliche Geräusche. Neugierig biegen wir um eine Kurve und platzen versehentlich mitten in einen sehr privaten Moment zweier Murmeltiere. Eines verschwindet augenblicklich zwischen den Felsen, während das andere seelenruhig anfängt zu fressen, als wäre überhaupt nichts passiert.
Am Ende des Sees stürzt ein gewaltiger Wasserfall die Felswand hinunter und hüllt den Weg in feinen Sprühnebel. Danach geht es wieder bergauf. Mein Körper braucht einen Moment, um zu begreifen, dass er jetzt wieder in den Aufstiegsmodus schalten muss.
Die Walker’s Haute Route enttäuscht einfach nie. Alle paar Minuten entfährt mir ein „Wow!“ oder „Ist das schön!“. Gewaltige Gletscher ergießen sich wie Cappuccinoschaum über die Berghänge und speisen einen weiteren leuchtend türkisfarbenen See. Ehrlich gesagt fehlen mir die Worte für diese Landschaft. Ich bin einfach nur überwältigt.
Der Aufstieg zum Col de Riedmatten ist unkompliziert. Im unteren Bereich liegen noch ein paar Schneefelder, ansonsten ist der Weg schneefrei. Das letzte Stück ist extrem steil und steinschlaggefährdet. Ich bin froh, dass wir aufsteigen und hier nicht hinunter müssen.
Beim Abstieg vom Pass überkommt mich plötzlich eine tiefe Dankbarkeit. Ich liebe mein Leben. Ich liebe dieses Leben. Mir ist bewusst, dass es ein Privileg ist, so etwas erleben zu dürfen. Aber genau hier fühle ich mich zu Hause. Genau hier bin ich ganz bei mir. Hier spielt nichts anderes mehr eine Rolle. Vergangenheit, Zukunft, Endometriose, Knochennekrose, Depressionen, traumatische Erlebnisse. All das verschwindet. Ich bin einfach nur hier. Lebendig. Und es geht mir gut. Sehr gut.
Unterwegs treffen wir Adrian, der uns von Zermatt entgegenkommt. Er bestätigt, dass die verbleibende Strecke gut begehbar ist, und empfiehlt uns, im Grand Hôtel in Arolla Mittag essen zu gehen.
Das stellt sich als hervorragender Tipp heraus. In Arolla tauschen wir unsere üblichen Wandermahlzeiten gegen etwas Besonderes ein. Noch immer staubig und unverkennbar nach Thru-Hikern riechend sitzen wir im makellos gepflegten Hotelgarten und genießen etwas, das sich wie Fine Dining zu überraschend fairen Preisen anfühlt. Ich bestelle gegarten Schweinebauch mit verschiedenen Pastinakenvariationen, Kokosemulsion und einer unglaublich aromatischen Jus. Ryan entscheidet sich für Pasta mit Trüffelcreme, Geflügelreduktion, Parmesanschaum und großzügigen Trüffelhobeln. Für zwei vollkommen verdreckte Wanderer ist das ein echtes Festmahl.
Der Nachmittagsanstieg aus Arolla ist warm, schwül und gesäumt von Brennnesseln. Schließlich erreichen wir Lac Bleu. Er ist tatsächlich unglaublich blau, was durch eine Kombination aus Algen und Tonmineralien entsteht. Er ist spektakulär, aber es ist auch Samstag. Da der See nur etwa vierzig Gehminuten vom Wanderparkplatz entfernt liegt, ist hier wesentlich mehr los als an fast allen anderen Orten, die wir bisher auf der Walker’s Haute Route besucht haben. Und so schön der See auch ist, ich muss mich dringend um Geschäft Nummer Zwei kümmern.
Nur wenige Schritte weiter entdecken wir eine kleine Hütte mit einem Schild für Tarte aux abricots. Und einer Toilette, also win-win. Die beiden Damen, die das Café betreiben, sind genau die Art von Großmüttern, die man sich immer gewünscht hätte. Ryan übt mit ihnen ein paar französische Sätze, um den Aprikosenkuchen zu bestellen. Er schmeckt so gut, dass wir gleich noch ein zweites Stück bestellen. Aprikosen sind im Wallis praktisch eine kulinarische Spezialität, denn hier werden 95 % der Schweizer Aprikosen angebaut. In Bayern wäre der Zwetschgendatschi das saisonale Pendant. Von den drei Aprikosenkuchen, die wir auf der Walker’s Haute Route hatten, wird sich dieser als der beste herausstellen.
Der weitere Abstieg nach Les Haudères bleibt dagegen wenig in Erinnerung. Auf der einen Seite des schmalen Pfads wachsen Brennnesseln, auf der anderen verläuft ein Elektrozaun. Ryan bekommt einen Stromschlag, ich die Brennnesseln ab. Gewonnen hat keiner von uns. Zum Glück erreichen wir wenige Minuten später eine Quelle, an der ich das Brennen mit kaltem Wasser lindern kann.
Im Ort kaufen wir in der Bäckerei und im Supermarkt unseren Resupply ein, und wie so oft überstimuliert mich der Einkauf. Als wir schließlich den Campingplatz erreichen, bin ich völlig erledigt. Der Rezeptionist telefoniert über zwanzig Minuten lang, während wir in der Nachmittagshitze warten. Neben dem Büro schreien Kinder im Schwimmbad. Ich bin überhitzt, mir wird zunehmend übel. Ich will einfach nur duschen.
Nachdem das Zelt steht, habe ich kaum noch Kraft, mich zu bewegen. Die Hitzeerschöpfung hat mich endgültig eingeholt. Ich trinke Elektrolyte, und dann begleitet Ryan mich langsam hinüber zum Sanitärgebäude. Nach der Dusche geht es mir deutlich besser, der ersten seit sechs Tagen.
Für einen Samstagabend ist der Campingplatz erstaunlich ruhig. Erst am nächsten Morgen erfahren wir den Grund: In der Gegend findet ein großes Radrennen statt, und die meisten Camper sind deshalb früh schlafen gegangen.
WHR Tag 7: Ein guter Tag, um Butter spazierenzutragen
Les Haudères – La Sage – Col du Tsaté – Lac de Châteaupré – Lac de Moiry – Col de Sorebois – oberhalb von Zinal
18,9 km / 2.380 hm / 8,5 h
Nach mehreren brutalen Hitzetagen fühlt sich dieser Morgen fast schon erfrischend an. Wir verlassen Les Haudères früh und beginnen den langen Anstieg zum Col du Tsaté, solange die Luft noch angenehm kühl ist. Lange hält das zwar nicht an, aber immerhin schaffen wir einen großen Teil der heutigen Höhenmeter schon vor der Mittagshitze.
Der Weg steigt gleichmäßig durch blühende Almwiesen an, bis wir einen kleinen Bergsee erreichen, dessen Wasser so spiegelglatt ist, dass sich die umliegenden Berge darin perfekt spiegeln. Lange überlegen wir nicht und springen hinein.
Das Wasser ist eiskalt und damit genau das, was wir brauchen. Anschließend trocknen wir in der Sonne und essen frisches Brot mit dicken Scheiben Butter, die wir gestern eingekauft haben. Erstaunlicherweise ist sie immer noch ziemlich fest. Heute stellt sich als hervorragender Tag heraus, um ein Stück Butter im Rucksack herumzutragen.
Als wir den letzten steilen Anstieg zum Pass beginnen, ziehen Wolken auf. Die unerbittliche Sonne verschwindet, und dadurch wird der verbleibende Aufstieg wesentlich angenehmer als erwartet.
Oben auf dem Col du Tsaté bleiben wir eine ganze Weile sitzen und genießen die Aussicht. Hoch über uns quert ein Paar einen absurd steilen Geröllhang, auf dem keinerlei Weg zu erkennen ist. Französische und Schweizer Wanderer scheinen manchmal einfach in einer ganz eigenen Liga unterwegs zu sein.
Wir steigen zu einer weiteren Kette leuchtend blauer Seen ab, über denen der Glacier de Moiry die Szenerie beherrscht. Die letzten Pässe waren relativ einfach, da uns kein Schnee ausgebremst hat. Nur ein kleines Schneefeld kurz vor Ende des Abstiegs lädt noch zu einem schnellen, kurzen Lauf durch den weichen Schnee ein.
Etwa auf halber Höhe werden wir plötzlich von einem lauten Krachen aufgeschreckt. Dann noch eins. Auf der gegenüberliegenden Talseite hat sich eine Felslawine gelöst und Gesteinsbrocken stürzen den steilen Hang hinab, wirbeln dabei gewaltige Staubwolken auf. Alle paar Minuten bricht ein weiteres Stück der Felswand ab, und das Echo hallt noch lange durch die Berge, nachdem die Steine längst verschwunden sind.
Am Lac de Châteaupré verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Der vom Gletscher gespeiste See ist wunderschön. Seine typische milchig-türkise Farbe entsteht durch feinste Gletscherpartikel, die im Wasser schweben. Doch im Gegensatz zur Einsamkeit der vergangenen Tage herrscht hier reger Betrieb. Direkt am See befindet sich ein Parkplatz, regelmäßig treffen Busse ein, und eine stetige Kolonne Wanderer macht sich auf den Weg zur Cabane de Moiry. Der Anstieg dorthin hat es durchaus in sich: 450 Höhenmeter, zum Schluss ziemlich steil und felsig. Dafür wird man mit einem Blick auf Augenhöhe mit dem Gletscher – und vermutlich gutem Essen – belohnt.
Für uns sind die Menschenmassen allerdings Grund genug, einfach weiterzugehen. Kaum lassen wir den See hinter uns, kehrt die Ruhe zurück. Der Höhenweg folgt dem Ufer des Lac de Moiry und spektakuläre Ausblicke begleiten uns, ebenso gefühlt Hunderte Murmeltiere. Alle paar Minuten schaut irgendwo ein flauschiges Gesicht aus dem Gras hervor, bevor es gleich wieder verschwindet.
Mit Blick auf den See legen wir noch einmal eine Brot-und-Butter-Pause ein. Genau in diesem Moment beginnt es leicht zu hageln. Offenbar möchte sogar das Wetter ein Stück Butter haben.
Am Ende des Stausees verlieren wir zunächst etwas Höhe, bevor der letzte Anstieg zum Col de Sorebois beginnt. Wieder begleiten uns unzählige Murmeltiere. Zusammen mit den großartigen Ausblicken auf den tief unter uns liegenden See fühle ich mich wie im Wander-Himmel.
Langsam machen sich allerdings die gesammelten Höhenmeter bemerkbar. Mehr als 2.300 Meter Aufstieg an einem einzigen Tag gehen irgendwann in die Beine. Wir erreichen den Pass gerade noch mit genügend Tageslicht, um uns Gedanken über einen Zeltplatz zu machen. Es gibt nur ein Problem: Unser Wasser geht zur Neige. Zum Glück finden wir kurz unterhalb des Passes einen kleinen Bach, an dem wir alle Flaschen auffüllen, bevor wir unser Zelt neben einem kleinen Teich aufbauen.
Kaum sind wir damit fertig, setzt stärkerer Regen ein, der wenig später in Hagel übergeht. Sicher im Zelt stört uns das allerdings überhaupt nicht. Der beste Teil des Abends hat ohnehin nichts mit Bergen zu tun.
Ryan entdeckt eine Schwebfliege im Zelt. Wir taufen sie Hubert. Irgendwie hat sie den gesamten Tag in unserem Zelt verbracht. Obwohl ich es morgens ausgeschüttelt hatte, muss sie das Einpacken überlebt haben, wenn auch ziemlich mitgenommen wirkend.
Zunächst hält Ryan sie für tot, dann entdeckt er die kleinsten Anzeichen von Leben. In der nächsten Stunde päppelt er Hubert geduldig mit kleinen Wassertropfen wieder auf und sammelt winzige Blüten, von denen er Pollen gewinnen kann. Langsam beginnt sich unser kleiner Mitreisender wieder zu bewegen. Schließlich schafft er sogar ein paar kurze Flüge durchs Zelt. Wir werten das als gutes Zeichen.
Morgen werden wir sehen, wie es Hubert geht. Jetzt genießen wir erst mal, wie der Sonnenuntergang den Himmel rot färbt, der sich im kleinen Teich neben unserem Zelt spiegelt.
WHR Tag 8: Die Meidpass Alternative
Oberhalb von Zinal – Hôtel Weisshorn – Cabane Bella Tola – Lac de la Bella Tola
25,5 km / 1.450 hm / 7,5 h
Die ersten Murmeltiere kündigen einen neuen Tag an. Hubert, unsere Schwebfliege vom gestrigen Abend, hat die Nacht mit uns im Zelt verbracht. Bevor wir zusammenpacken, lockt Ryan ihn vorsichtig aus einer Ecke des Innenzelts. Hubert krabbelt auf seinen Finger, Ryan hält die Hand nach draußen, und gemeinsam sehen wir zu, wie unser kleiner Mitreisender in der Morgenluft verschwindet.
Schwebfliegen leben nur etwa vier Wochen. Ich hoffe, der Rest seines Lebens wird gut.
Unser erstes Ziel ist Zinal. Frühstück besteht aus genau dem, was wir inzwischen von Schweizer Dörfern erwarten: einer hervorragenden Bäckerei, köstlichem Tee in schönem Porzellan und jeder Menge Gebäck. Während unsere Akkus laden, bestellen wir Brioche mit Vanillecremefüllung, und anschließend landet auch noch ein Stück Aprikosenkuchen auf unserem Tisch. Inzwischen haben wir eine einfache Regel entwickelt: Wenn ihr Aprikosenkuchen seht, kauft ihn. Ihr werdet es nicht bereuen.
Anschließend geht es in den Supermarkt, wo wir unsere wissenschaftliche Vergleichsstudie über regionale Käsesorten und Chips fortsetzen. Die heutige Auswahl besteht aus Bébris, Tomme und Chips mit French-Fries-Sauce-Geschmack. Klare Empfehlung.
Was wir allerdings nirgends finden, ist eine Gaskartusche. Offenbar haben die beiden Outdoorläden in Zinal den „Outdoor“-Teil ihres Geschäfts etwas aus den Augen verloren. Dafür liegt in einem der Läden eine prächtige schwarze Langhaarkatze friedlich auf dem Verkaufstresen. Keine Gaskartusche, dafür eine Katze. Passt für mich.
Kaum verlassen wir Zinal, werden wir wieder daran erinnert, dass Dörfer grundsätzlich unten im Tal liegen. Der Anstieg ist steil, der Tag heiß, und regelmäßige Orangina-Pausen im Schatten werden zu lebensrettenden Maßnahmen.
Schließlich wird der Weg flacher, und wir treffen spontan eine Entscheidung. Statt der offiziellen Walker’s Haute Route über Col de Forcletta zu folgen, wählen wir die Alternative über das Hôtel Weisshorn und den Meidpass. Es sollte sich als eine der besten Entscheidungen der gesamten Tour herausstellen.
Zunächst kehren wir im historischen Hôtel Weisshorn ein. Das Hotel wurde 1883 eröffnet und nach einem Brand 1891 wieder aufgebaut. Jeder Balken und jeder Stein mussten damals mit Maultieren auf den Berg transportiert werden. Für das Klavier brauchte es sogar sechs Männer. So interessant die Geschichte auch ist, uns interessiert vor allem das Mittagessen. Das Tagesmenü beginnt mit Gemüsesuppe, gefolgt von Roastbeef mit Salat und Pommes, dazu eine Cola. Der Kontrast zwischen dem gekühlten Fleisch und den heißen Pommes ist unglaublich gut. Ich schaffe nicht alles und habe sogar noch genug Roastbeef für das Abendessen übrig. Ach ja, die Aussicht hoch über dem Tal ist ebenfalls spektakulär.
Falls ihr dort übernachten möchtet: Ein Doppelzimmer inklusive Frühstück kostet rund 160 €, was für Schweizer Verhältnisse erstaunlich erschwinglich ist.
Der Nachmittag verläuft herrlich entspannt. Nach mehreren Tagen mit sehr steilen Anstiegen fühlt sich der erstmalig sanft ansteigende Weg geradezu luxuriös an. Endlich bleibt Zeit, die Landschaft wirklich zu genießen. Mit jedem Höhenmeter werden die Ausblicke beeindruckender. Die Wiesenhänge sind mit rosa blühenden Alpenrosen bedeckt, dazwischen wachsen Heidelbeeren, und wir bekommen sogar einen ersten Blick auf das Matterhorn.
Heiß ist es allerdings immer noch und ich fühle mich wie eine Ofenkartoffel. Wir kommen an einem Schweinehof vorbei, dessen Geruch sich bei dieser Hitze großzügig in der Landschaft verteilt. Kurz darauf entdecken wir einen Wasserstrahl, der aus einem Rohr direkt neben dem Weg schießt und eine perfekte Naturdusche bildet. Ryan und ich haben sofort denselben Gedanken. Ich ziehe mich aus und stelle mich unter das eiskalte Wasser. Ryan bleibt vollständig angezogen und nutzt die Gelegenheit gleichzeitig für einen Waschtag.
So erfrischend die Dusche auch ist, etwas anderes beschäftigt mich seit Tagen. Bereits zum dritten Mal auf dieser Tour nehme ich einen intensiven Geruch wahr, der mich stark an Gallseife erinnert. Meine empfindliche Nase kann ihn unmöglich ignorieren und ich empfinde die Intensität als störend. Ryan hingegen findet, dass es gut riecht. Irgendeine Pflanze könnte dafür verantwortlich sein. Vielleicht Gelber Alpenklee? Ich kann es leider nicht genau bestimmen. Möglicherweise handelt es sich um den Duftstoff Cumarin, der in verschiedenen Alpenpflanzen vorkommt. Meine Neugier hätte die Antwort trotzdem gern gehabt.
Wir steigen weiter an der Cabane Bella Tola vorbei und erreichen schließlich den kleinen Bergsee, an dem wir heute Nacht unser Zelt aufschlagen. Es ist wunderbar ruhig hier.
Genau diese Freiheit gehört zu meinen Lieblingsaspekten beim Zelten. Wir können unsere Pläne jederzeit spontan ändern, Alternativen wählen, einfach weil sie interessant aussehen, und den Tag beenden, wo wir einen perfekten Zeltplatz finden. Heute liegt dieser direkt oberhalb des Lac de la Bella Tola.
Zum Abendessen gibt es Sandwiches und meines ist mit dem übrig gebliebenen Roastbeef vom Mittag und Frühlingszwiebeln belegt, das es zu einem kulinarischen Höhepunkt macht.
WHR Tag 9: Über Augstbordpass ins Mattertal
Lac de la Bella Tola – Meidpass – Gruben – Augstbordpass – Aussichtspunkt über dem Mattertal
19,2 km / 1.490 hm / 7 h
Der Tag beginnt mit dem sanften Anstieg zum Meidpass, während die Morgenluft noch angenehm kühl ist. Der Pass belohnt uns mit einem weiteren großartigen Panorama, bevor wir am kleinen Meidsee vorbei Richtung Gruben absteigen. Ein letztes Schneefeld aus dem Winter liegt noch auf der Route, lässt sich jedoch problemlos queren. Kurz darauf gehen die Schneereste in grüne Hänge und verstreut liegende Alpenweiler über.
Inzwischen haben wir eine Routine entwickelt, sobald wir ein Dorf erreichen: Schatten suchen, Elektronik laden, uns selbst wieder aufladen.
Die Kirche von Gruben erfüllt gleich alle drei Aufgaben. Wir sitzen im Schatten, beobachten Schwalben, die hoch über uns unermüdlich zu ihren Nestern fliegen, stopfen Chips in uns hinein und laden gleichzeitig unsere Geräte im Inneren der Kirche auf. (Keine Sorge – wir hinterlassen natürlich eine Spende.)
Danach wartet der letzte Pass der Walker’s Haute Route auf uns. Zum Glück führt der untere Teil des Anstiegs zunächst durch schattigen Wald, denn die Hitze bleibt unerbittlich.
Zur Mittagszeit machen wir an einem rauschenden Gebirgsbach Pause. Unser Brot ist inzwischen aufgebraucht, daher besteht das heutige Menü aus einer improvisierten Aufschnittplatte mit Käse, Salami und Kartoffelchips. Wir kühlen unsere Füße und tränken unsere Hüte im kalten Wasser, bevor wir weiter aufsteigen.
Der Weg verschwindet in einem Labyrinth gewaltiger Felsblöcke, und mittendrin stellen wir fest, dass wir vom eigentlichen Pfad abgekommen sind. Die offizielle Route verläuft weiter links aus dem Blockfeld hinaus, doch keiner von uns hat Lust, erst wieder abzusteigen, nur um anschließend erneut aufzusteigen. Also queren wir das Blockfeld vorsichtig, bis wir den Weg kurz unterhalb des Augstbordpasses wieder erreichen.
Kurz vor dem Pass sehen wir eine Frau, die ihr Mountainbike den Berg hinaufträgt. Angesichts des Geländes beeindruckt mich das fast mehr als der Aufstieg selbst. Wie sie auf der anderen Seite wieder hinunterfahren will, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber ich bin sicher, dass sie das problemlos hinbekommt. Schweizer sind offenbar einfach Profis.
Wir steigen vom Pass ab und passieren einen weiteren Bergsee. Was zunächst nach einem einfachen Abstieg aussieht, entwickelt sich zu einem ständig auf und ab verlaufenden Höhenweg. Überall liegen Felsblöcke, gespickt mit einigen verbliebenen Schneefeldern, die wir vorsichtig queren müssen. Das alles kostet Zeit, und vor allem Kraft. Obwohl der Himmel inzwischen bewölkt ist und es sogar nach Regen aussieht, ist mir unglaublich heiß. Ich bin einfach nur erschöpft. Ich möchte mich hinlegen und etwas essen. Am liebsten beides gleichzeitig. Immerhin geht es Ryan genauso.
Als schließlich wieder ein richtiger Erdweg unter unseren Füßen auftaucht, bin ich ungemein erleichtert. Endlich können wir wieder normal laufen, statt uns mühsam über Felsen und Schneefelder vorzutasten. Dann biegen wir um eine Kurve und tief unter uns öffnet sich das Mattertal, in dem Weisshorn und Dom die Skyline beherrschen.
Wenig später entdecken wir den perfekten Zeltplatz mit Blick über das Tal. Bis nach St. Niklaus ist es noch ein weiter Abstieg, und da es dort unten keinen Campingplatz gibt und wir heute nicht noch einmal Hunderte Höhenmeter aufsteigen möchten, ergibt es keinen Sinn, weiterzulaufen. Für heute ist Schluss.
Das Abendessen ist … kreativ. Kartoffel-Spargelsuppe, gemischt mit Ramen-Nudeln, dazu der restliche Käse und die verbliebene Salami. Überraschenderweise schmeckt es besser, als es klingt.
Europa steckt mitten in einer außergewöhnlichen Hitzewelle, und nach inzwischen mehr als einer Woche unter diesen Bedingungen spüren wir die Auswirkungen deutlich. Heute habe ich gelesen, dass sich die Schweißrate bei extremer Hitze verdoppeln kann und unter Belastung bis zu drei Liter pro Stunde erreicht. Andererseits kann Hitzetraining auch die Leistungsfähigkeit verbessern. Also versuche ich, es genau so zu sehen. Vielleicht ist dieses ganze Leiden einfach außergewöhnlich effektives Training.
Nur noch zwei Tage. Dann endet unsere alpine Sauna.
WHR Tag 10: „Pain is just bread in French“ – Europaweg
Aussichtspunkt über dem Mattertal – St. Niklaus – Herbriggen – Miesboden
18,6 km / 1.350 hm / 7 h
Heute liegt unser letzter voller Wandertag auf der Walker’s Haute Route vor uns.
Wir schaffen es tatsächlich, bereits um sechs Uhr morgens loszulaufen. Nach dem frühen Feierabend gestern fällt das Aufstehen unerwartet leicht, und die kühle Morgenluft bestätigt einmal mehr, dass frühes Loswandern während einer Hitzewelle die beste Strategie ist.
Der lange Abstieg nach St. Niklaus führt durch den Weiler Jungen, wo wir neben einem noch geschlossenen Restaurant einen Selbstbedienungskorb mit Vertrauenskasse voller Getränke vorfinden. Wir nehmen uns eine Cola, werfen vier Franken in die Kasse und setzen unseren Abstieg fort. Als wir St. Niklaus erreichen, hat der Supermarkt gerade geöffnet und ihr Brot ist noch warm. Das Leben ist gut.
Vor uns steht nun die Entscheidung, wie wir den Europaweg laufen möchten. Aufgrund wiederholter Steinschläge, die den Weg immer wieder beschädigten, wurde der Verlauf des Europawegs 2021 geändert. Die neue Variante führt zunächst steil nach Gasenried hinauf, anschließend über einen auf und ab verlaufenden Waldweg und schließlich wieder hinunter nach Herbriggen, bevor direkt der nächste steile Anstieg beginnt.
Im Grunde gibt es jetzt drei Möglichkeiten:
- Den Europaweg wie oben beschrieben laufen
- Die Talroute wählen, was eine gute Alternative bei schlechtem Wetter ist
- Die Hybridvariante: durchs Tal bis Herbriggen und dort erst zum Europaweg aufsteigen
Wir entscheiden uns für die dritte Option. Sie ist die beliebteste, weil sie den landschaftlich spektakulärsten Abschnitt des Europawegs mitnimmt und gleichzeitig die weniger lohnenden Umwege vermeidet.
Wir folgen zunächst der Talstraße nach Herbriggen. Besonders spannend ist dieser Abschnitt zwar nicht, aber er bringt uns wohin wir möchten. Kurz vor dem Ort entdecken wir eine Pizzeria. Wir setzen uns in den Schatten, trinken noch mehr Cola, laden unsere Elektronik auf und warten, bis die Küche öffnet. Mittagessen: Pizza. Abendessen: eine Calzone zum Mitnehmen. Zukunfts-Annika-und-Ryan werden uns dafür sehr dankbar sein.
Wie erwartet wird der weitere Weg nach Herbriggen immer heißer. Der Asphalt strahlt die Hitze regelrecht zurück, während wir langsam vor uns hinbraten. Unterwegs kommen wir an einem eingezäunten Wasserreservoir vorbei, das wie ein schlechter Witz wirkt. Wir werfen ihm sehnsüchtige Blicke zu und trotten weiter.
Der anschließende Anstieg entpuppt sich als der härteste der gesamten Walker’s Haute Route. Nicht weil er technisch schwierig oder außergewöhnlich steil wäre, sondern aufgrund der unerträglichen Hitze. 1.300 Höhenmeter ununterbrochen bergauf.
Der Wald spendet zwar etwas Schatten, doch die Hitze findet uns trotzdem. An den steilsten Stellen entweichen mir Geräusche, auf die ich nicht besonders stolz bin. Ich leide. Alle hundert Höhenmeter brauche ich eine Pause. Irgendwann frage ich mich ernsthaft, ob ich vielleicht unten im Tal gestorben bin und dieser endlose Anstieg nun meine ganz persönliche Version der Hölle ist.
Dann erreichen wir eine schattig-kühle Quelle, die augenblicklich zu einem Zufluchtsort wird. Neben ihr eine kleine Holzplattform mit Bänken. Darüber hängt ein riesiger Rosenkranz mit einem Bild von Jesus an der Felswand. Ich trinke so viel kaltes Wasser wie möglich, presse meine kalte Flasche gegen meinen Körper und esse noch etwas dazu. Für den Rest des Anstiegs hilft das enorm.
Es folgen mehrere luftige Treppen, die an Felsen fixiert sind. Tief unter uns tost ein Fluss durch eine Schlucht, gespeist von rauschenden Wasserfällen. Definitiv kein Ort für Höhenangst.
Kurz darauf begegnen wir Laurens, einem belgischen Thru-Hiker, der in der Gegenrichtung unterwegs ist. Er befindet sich erst an Tag zwei einer zweimonatigen Tour, auf der er die Walker’s Haute Route, die Tour du Mont Blanc, den GR 5 bis Nizza, die Tour des Écrins und schließlich den GR 20 auf Korsika miteinander verbinden will.
Klingt anstrengend und heiß. Nachdem ich mir später seinen Wander-Lebenslauf online ansehe, habe ich keinerlei Zweifel daran, dass er das schaffen wird. Er ist wie wir den HRP letztes Jahr gegangen und ist dann sogar noch den ganzen Weg zurück über den GR 11 gewandert. Außerdem war er 2024 auf dem Colorado Trail unterwegs, während wir auf dem CDT waren. Die beiden Trails überschneiden sich signifikant. Er kennt sogar zwei Belgier, mit denen wir auf dem CDT gewandert sind. Die Thru-Hiking-Welt ist wirklich klein.
Von ihm lerne ich außerdem einen der besten Sprüche überhaupt: „Pain is just bread in French.“
Je höher wir steigen, desto mehr verändert sich die Landschaft und die Luft wird endlich etwas kühler. Hoch über uns klammern sich Gletscher an die steilen Berghänge, während zahllose Wasserfälle in Bäche stürzen, die tief unten in den Schluchten verschwinden.
Gegen Ende des Tages queren wir noch einige stark ausgewaschene Hangpassagen, bevor wir schließlich Miesboden erreichen. Dort genießen wir den Rest des Nachmittags. Unser letzter Zeltplatz auf der Walker’s Haute Route blickt direkt auf das Weisshorn auf der gegenüberliegenden Talseite.
Ich bin froh, dass dieser Tag vorbei ist, denn mit der Hitze hatte ich heute wirklich zu kämpfen. Zum Abendessen gibt es die Calzone, die wir mehrere Stunden zuvor vorausschauend bestellt haben, dazu eine großzügige Auswahl an Trail-Snacks.
Während wir die Aussicht genießen, hallt erneut lautes Krachen durch die Berge. Ein Steinschlag oder vielleicht Eisbruch erzeugt Staubwolken unter dem Gletscher am Weisshorn. Doch damit endet die Abendvorstellung der Natur noch nicht. Erst beobachten wir, wie der Sonnenuntergang den Himmel färbt, dann flackern Wärmeblitze lautlos durch die Wolken über dem Weisshorn.
Noch lange nach Einbruch der Dunkelheit begleitet uns das Rauschen der Gletscherwasserfälle, bis wir schließlich einschlafen.
WHR Tag 11: Gestaltwandler Matterhorn
Miesboden – Europahütte – Charles-Kuonen-Hängebrücke – Täschalp – Tuftra – Sunnegga – Zermatt
23,3 km / 1.000 hm / 7 h
Die kühle Morgenluft ist ein letztes Geschenk, bevor uns am Nachmittag erneut brütende Hitze erwartet. Natürlich nutzen wir sie aus. Die heutige Etappe folgt dem berühmten Europaweg hoch über dem Mattertal. Große Anstiege liegen nicht mehr vor uns, nur eine Serie kürzerer Auf- und Abstiege. Die Route ist spektakulär und stundenlang begegnet uns kein einziger Mensch.
Der Weg schlängelt sich durch Blockfelder, führt durch einen in den Fels gesprengten Tunnel und über zahllose Brücken, bis wir schließlich die Charles-Kuonen-Hängebrücke erreichen. Mit einer Länge von 494 Metern gehört sie zu den längsten Fußgängerhängebrücken der Welt. In ihrer Mitte zu stehen, 85 Meter tief ins Tal hinunterzublicken und dabei zu spüren, wie die Brücke unter jedem Schritt leicht mitschwingt, ist genau die richtige Mischung aus faszinierend und unangenehm.
Dann erscheint es endlich hinter einer Wegbiegung: das Matterhorn. Nach zehn Tagen harter Arbeit ist dieser Anblick etwas ganz Besonderes. Während wir weiterlaufen, verändert der Berg ständig seine Gestalt. Je nach Blickwinkel wandelt er sich von einem breiten Keil zu der scharf gezeichneten, ikonischen Silhouette, die jeder kennt. Es ist ein Berg, der nie zweimal gleich aussieht.
Die Walker’s Haute Route unterhalb des Mont Blanc in Chamonix zu beginnen und unterhalb des Matterhorns in Zermatt zu beenden, bildet einen perfekten Rahmen für eine außergewöhnliche Alpenwanderung.
Während der gesamten Tour war Wasser nie ein Problem. Doch nach zwei trockenen Zeltplätzen in Folge müssen wir nun bereits den zweiten Morgen gezielt nach einer Wasserquelle suchen. Die erste Möglichkeit erreichen wir nur über ein Seil, an dem wir zum Bach hinunterklettern können. Für Wasser musste ich mich bisher noch nie abseilen. Ryan findet die Idee großartig und übernimmt den Job erfolgreich.
Weniger großartig sind dagegen die ständig kreisenden Hubschrauber im Tal. Der dauernde Lärm macht es mir zunehmend schwer, klar zu denken. Meine Laune sinkt und ich wünschte, ich könnte offiziell Beschwerde wegen Lärmbelästigung einreichen.
Schließlich erreichen wir den ruhigen Weiler Täschalp. Die Hubschrauber verschwinden. Kühe grasen friedlich auf den Wiesen, während ein Gletscherbach vorbeirauscht und uns eine weitere Gelegenheit bietet, uns abzukühlen. Wir genießen dieses kleine Paradies und bereiten uns innerlich schon einmal auf die Menschenmassen vor, die uns unten in Zermatt erwarten.
Zur Mittagszeit möchten wir eigentlich mit einer anständigen Mahlzeit im Restaurant an der Bergstation Sunnegga feiern, aber diese ist aus unbekannten Gründen geschlossen. Was für eine Enttäuschung. Also essen wir stattdessen unser letztes Brot und den restlichen Käse auf einer Bank daneben.
Mittlerweile ist die Hitze erneut nahezu unerträglich und ich fühle mich wie eine schmelzende Kerze. Je näher wir der Stadt kommen, desto bewusster wird mir außerdem mein eigener Körpergeruch. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so gestunken habe. Wir brauchen dringend eine Dusche und eine Wäsche für unsere Kleidung.
Der Abstieg nach Zermatt schafft es tatsächlich, noch heißer zu werden. Mit jedem verlorenen Höhenmeter scheint die Temperatur um ein weiteres Grad anzusteigen. Mir wird übel.
Exakt zehn Tage nachdem wir um 15 Uhr in Chamonix aufgebrochen sind, erreichen wir um 15 Uhr dann Zermatt. Mission erfüllt.
Wir gehen direkt zu dem Hotel, das ich zwei Tage zuvor gebucht habe. Beim Einchecken entschuldige ich mich vorsorglich bei dem armen Rezeptionisten Max für unseren Geruch und erkläre ihm, dass wir gerade von Chamonix hierher gewandert sind. Er scheint so etwas gewohnt zu sein. Dann gibt es eine Dusche und Wäsche im Waschbecken. Ich bin fertig.
Endlich wieder sauber, feiern wir das Ende der Walker’s Haute Route mit etwas ausgesprochen Unschweizerischem: Döner. Er gehört zu den wenigen halbwegs bezahlbaren Mahlzeiten in Zermatt. Ein heruntergesetzter Kuchen aus dem Supermarkt rundet das Festmahl ab.
Kurze Zeit später ziehen Gewitter und heftiger Regen durch das Tal.
Eines ist in den vergangenen zehn Tagen mehr als deutlich geworden: Wir besitzen offenbar ein Talent dafür, direkt in Hitzewellen hineinzuwandern. Letztes Jahr auf der Tour du Mont Blanc, dann noch einmal auf dem HRP. Und nun auch auf der Walker’s Haute Route. Extreme Hitze gehört inzwischen immer häufiger zum Wandern in den Bergen dazu und kann diese Touren entscheidend verändern.
Dieses Mal sind wir einfach nur dankbar, dass wir unser Ziel erreicht haben, bevor das nächste Gewitter losbrach.
Etappenübersicht unserer Route
1. Chamonix bis Col de Balme
18,3 km / 1.300 hm / 5 h
2. Col de Balme bis Relais d’Arpette (via Les Grands Alternative)
15,2 km / 1.400 hm / 8 h
3. Relais d’Arpette bis Mont Brûlé (via Mont Brûlé Alternative)
19,8 km / 1.530 hm / 6,5 h
4. Mont Brûlé bis Lac du Grand Désert (via Mont Brûlé Alternative)
27,5 km / 2.250 hm / 10,5 h
5. Lac du Grand Désert bis Refuge de la Barmaz
10 km / 865 hm / 5,5 h
6. Refuge de la Barmaz bis Les Haudères
24,1 km / 1.095 hm / 8 h
7. Les Haudères bis Zinal
18,9 km / 2.380 hm / 8,5 h
8. Zinal bis Lac de la Bella Tola (via Meidpass Alternative)
25,5 km / 1.450 hm / 7,5 h
9. Lac de la Bella Tola bis Mattertal Lookout (via Meidpass Alternative)
19,2 km / 1.490 hm / 7 h
10. Mattertal Lookout bis Miesboden
18,6 km / 1.350 hm / 7 h
11. Miesboden bis Zermatt
23,3 km / 1.000 hm / 7 h
Kurzinfo Walker’s Haute Route
Dauer: 10 bis 14 Tage
Distanz: 220 km
Ausgangspunkt: Chamonix, Frankreich
Endpunkt: Zermatt, Schweiz
Gesamtanstieg: je nach Variante ca. 14.000 hm
Schwierigkeit: bis SAC T3+, hohe konditionelle Anforderungen
Alternativen
Die Walker’s Haute Route ist kein offiziell markierter Fernwanderweg und hat keinen verbindlich festgelegten Routenverlauf. Statt eigenen Wegzeichen folgt sie bestehenden Wanderwegen durch die französischen und Schweizer Alpen. Im Laufe der Zeit hat sich zwar eine gängige Standardroute etabliert, daneben gibt es jedoch zahlreiche Alternativen über andere Pässe und Wege. So lässt sich die Tour ein Stück weit nach dem „Choose your own adventure“-Prinzip gestalten.
Empfohlene Alternativen: Les Grands, Mont Brûlé/Fionnay, Meidpass
Hilfreiche Links zur Planung
Zur Einschätzung der Schneehöhen: https://whiterisk.ch/de/conditions/snow-maps/snow_depth
Zu Schutzzonen, in denen Campieren & Biwakieren untersagt ist: https://www.sac-cas.ch/de/umwelt/bergsport-und-umwelt/campieren-und-biwakieren
Herausforderungen & Höhepunkte der Walker’s Haute Route
Herausforderungen:
Hitzewelle, Schneefelder und Postling, lange Anstiege mit vielen Höhenmetern
Höhepunkte:
Fenêtre d’Arpette, Grand Désert, Refuge de la Barmaz am Lac des Dix, Meidpass, Europaweg mit Blick auf das Matterhorn, zahlreiche Steinböcke, Gämse, Murmeltiere und Gletscherpanoramen
Lektion:
Extreme Hitze kann in den Alpen die größere Herausforderung sein als Schnee.















































































































































































































































