Wandern in Theth: Drei Tagestouren zwischen Gipfeln und Wasserfällen

Auch nach zwölf Tagen auf dem Peaks of the Balkans Trail haben wir noch nicht genug vom Wandern. Rund um Theth gibt es schließlich noch einiges zu entdecken. Unsere Wanderungen könnten dabei unterschiedlicher kaum sein: Während uns der steile Aufstieg auf den Zorzit mit einem beeindruckenden Bergpanorama belohnt, locken der Grunas-Wasserfall und das berühmte Blue Eye mit türkisblauem Wasser. In der abgelegenen Fusha e Dënellit finden wir dagegen genau die Ruhe und Einsamkeit, die wir in den Bergen so schätzen.

Wanderung auf den Zorzit (1.663 m)

Wer von Theth aus einen Gipfel besteigen möchte, kann sich den Zorzit vornehmen. Der steile Aufstieg verlangt einiges an Kondition, dafür bietet sich vom Gipfel ein beeindruckendes Panorama über die umliegenden Berge der albanischen Alpen.

Der Weg führt zunächst steil durch Wald- und Wiesengelände bergauf und kreuzt dabei immer wieder die Straße. Zwischendurch eröffnen sich schöne Ausblicke auf Theth und die Berge. Hoch über uns erkennen wir bereits die Funkmasten, die wir schließlich an der Straße erreichen. Dann zweigen wir auf einen Pfad ab, der über einen bewaldeten Kamm führt, und verlieren dabei wieder Höhenmeter. Zuletzt wird es noch einmal steil, und wir folgen dem Grat zum großen Gipfelkreuz.

Gipfel des Zorzit
Gipfel des Zorzit

Belohnt werden wir mit einer fantastischen Aussicht auf Theth und die albanischen Alpen, während die tief stehende Sonne die umliegenden Berge in warmes, goldenes Licht taucht. Nach all den Wolken und dem Regen der vergangenen Tage ist das ein krönender Abschluss unserer Zeit in den verfluchten Bergen des Prokletije.

Der Abstieg auf der anderen Seite ist sogar noch steiler. Kaum vorstellbar, aber tatsächlich verlieren wir auf gerade einmal drei Kilometern mehr als 900 Höhenmeter. Zunächst geht es steil und recht ausgesetzt über den Grat hinab. Anschließend führt der Weg über ein Geröllfeld zurück in den Wald und schließlich in vielen Serpentinen hinunter zum Ortsteil Qender in Theth, wo wir uns eine Unterkunft suchen.

Blick vom Zorzit auf Theth
Blick vom Zorzit auf Theth

Kurzinfo Tageswanderung Zorzit

Dauer: 5 h
Distanz: 10,8 km
Ausgangspunkt: Theth, Ortsteil Gjelaj
Gesamtanstieg: 1.080 hm

Wanderung zum Grunas-Wasserfall und Blue Eye (Syri i Kaltër)

Der Grunas-Wasserfall und das Blue Eye (Syri i Kaltër) gehören zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten rund um Theth. Beide lassen sich auf einer längeren Tageswanderung miteinander verbinden. Unterwegs erwarten uns rauschende Wasserfälle, türkisblaues Wasser, eindrucksvolle Schluchten und die vom Wasser geformten Felsbecken bei Ndërlysaj.

Zunächst folgen wir dem Fluss durch das Tal, in dem der Herbst die Landschaft in ein buntes Farbenmeer verwandelt hat. Der Herbst hat die Landschaft in ein buntes Farbenmeer verwandelt. Nachdem wir dem Fluss eine Weile gefolgt sind, steigen wir auf einem steilen Pfad zum Wasserfall von Theth auf, auch Grunas-Wasserfall genannt. Über eine hohe Felswand stürzt das Wasser in die Tiefe und versprüht eine kühle Gischt, die wir schon aus einiger Entfernung spüren.

Grunas-Wasserfall bei Theth
Grunas-Wasserfall bei Theth

Anschließend geht es entlang des felsigen Flussbetts weiter in Richtung Ndërlysaj, einer kleinen Siedlung südlich von Theth. Von hier führt der Weg zum Syri i Kaltër, einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region. Die meisten Besucher lassen sich mit dem Taxi oder im Rahmen einer organisierten Tour bis zum Parkplatz bringen. Während wir auf dem bisherigen Weg weitgehend allein unterwegs waren, ist es hier deutlich voller. Zahlreiche Menschen sind auf dem Weg zum Blue Eye.

Herbstfarben am Fluss
Herbstfarben am Fluss

Schon am Eingang der Schlucht, durch die wir jetzt wandern, leuchtet das Wasser in einem intensiven Türkis. Der Fluss hat sich tief in den Fels eingeschnitten und schlängelt sich zwischen steilen Wänden hindurch. Wir folgen der Schlucht und erreichen schließlich das Blue Eye. Hier stürzt ein Wasserfall in ein tiefes, kristallklares Becken, dessen Wasser in den unterschiedlichsten Blau- und Türkistönen schimmert. Oberhalb des Beckens befindet sich ein Café mit mehreren Terrassen, von denen man einen hervorragenden Blick auf das Naturschauspiel hat.

Während wir unsere Getränke genießen, beobachten wir die zahlreichen Besucher, die sich ins eiskalte Wasser wagen. Einige springen sogar von den umliegenden Felsen hinein. Besonders beeindruckend ist eine Frau, die einen perfekten Rückwärtssalto ins Wasser macht. Mir wird schon beim Zuschauen kalt, denn hier im Schatten der Felswände ist es durch die feuchte Luft und die Gischt so frisch, dass ich selbst mit Jacke friere. Mich auszuziehen und in dieses Wasser zu springen, erscheint mir vollkommen absurd.

Blue Eye (Syri i Kaltër)
Blue Eye (Syri i Kaltër)

Anschließend machen wir uns auf den Rückweg. Unterwegs begegnet uns die erste Schlange unserer gesamten Balkanreise: eine Kreuzotter. Nach all den Kilometern durch die Berge haben wir also doch noch eine zu Gesicht bekommen.

In Ndërlysaj legen wir eine Mittagspause bei einer kleinen Bäckerei ein. Es gibt Pizza, Pommes, Käse und frisches Brot. Besonders das Brot hat es uns angetan. Es schmeckt so gut, dass wir gleich einen ganzen Laib für später kaufen. Gut gestärkt wandern wir die restliche Strecke zurück nach Theth.

Pizza bei der Bäckerei in Ndërlysaj
Pizza bei der Bäckerei in Ndërlysaj

Kurzinfo Tageswanderung Grunas-Wasserfall & Syri i Kaltër

Dauer: 5 h
Distanz: 18,5 km
Ausgangspunkt: Theth, Ortsteil Qender
Gesamtanstieg: 630 hm

Wanderung zum Hochtal Fusha e Dënellit

Die Fusha e Dënellit ist ein abgelegenes Hochtal, das im Sommer von Hirten mit ihren Tieren genutzt wird. Der Aufstieg führt durch schöne Wälder und bietet eindrucksvolle Ausblicke auf die umliegenden Berge. Von unseren Wanderungen rund um Theth ist diese die einsamste.

Zunächst spazieren wir durch Theth und werfen einen Blick auf die malerische kleine Kirche, die vor der eindrucksvollen Kulisse der umliegenden Berge steht. Als wir weiter durch den Ort laufen, spricht uns eine ältere Frau an und fordert uns auf, ihr zu folgen. Sie erklärt uns, dass der Aufstieg zur Fusha etwa drei Stunden dauert und wir für den Rückweg zwei Stunden einplanen sollten. Dann zeigt sie uns den weiteren Weg, der im Gewirr der Häuser nicht ganz einfach zu finden ist. Vor ihrem Haus verabschiedet sie sich von uns, allerdings nicht, ohne uns vorher noch jeweils eine Handvoll dunkelblauer Weintrauben in die Hand zu drücken. Es sind die süßesten Trauben, die ich je gegessen habe.

Beginn der Wanderung in Theth, wo wir mit Trauben beschenkt werden
Beginn der Wanderung in Theth, wo wir mit Trauben beschenkt werden

Über eine Holzbrücke überqueren wir den steinigen Fluss und beginnen mit dem Aufstieg. Der Weg führt stetig bergauf und eröffnet immer wieder schöne Ausblicke auf das Tal von Theth und die umliegenden Berge. Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf den mächtigen Arapi, dessen steile Felswände über dem Tal aufragen. Auch die Gegend, in der wir gestern unterwegs waren, lässt sich von hier oben gut überblicken.

Heute lassen wir es gemütlich angehen. Wir steigen langsam auf, genießen die Aussicht und naschen unterwegs von unseren Weintrauben. Im Gegensatz zur gestrigen Wanderung zum Blue Eye begegnen uns hier kaum andere Menschen. Lediglich drei deutsche Wanderer und drei einheimische Jäger kreuzen unseren Weg. Ansonsten haben wir die Berge ganz für uns allein.

Aussicht auf dem Aufstieg zur Fusha e Dënellit
Aussicht auf dem Aufstieg zur Fusha e Dënellit

Unterwegs entdecken wir eine Höhle oberhalb des Weges. Neugierig kraxeln wir den steilen Hang hinauf, um einen Blick hineinzuwerfen. Allerdings kommen wir nur wenige Meter weit, bevor der Gang so eng wird, dass wir nicht weitergehen können. Also kehren wir um und suchen uns einen schönen Platz für unsere Mittagspause. Es gibt das frische Brot, das wir gestern in Ndërlysaj gekauft haben, dazu Käse und eine herrliche Aussicht auf die Berge.

Höhle am Aufstieg zur Fusha e Dënellit
Höhle am Aufstieg zur Fusha e Dënellit

Der weitere Weg führt durch wunderschönen Wald, bevor sich die Landschaft öffnet und wir schließlich die Fusha e Dënellit erreichen. Inzwischen haben sich Wolken vor die Sonne geschoben, und es ist merklich kühler geworden. Trotzdem ist das abgelegene Hochtal ein wunderschöner Ort. Umgeben von steil aufragenden Felswänden liegt es still zwischen den Bergen. Von den Menschen, die hier im Sommer ihre Tiere weiden lassen, ist um diese Jahreszeit nichts mehr zu sehen.

Dafür begegnen uns drei Hunde, die offenbar hier oben zu Hause sind. Sie begrüßen uns und begleiten uns ein Stück, als wir uns auf den Rückweg machen. Nach einer Weile verlieren sie allerdings das Interesse an uns und kehren wieder um. Offenbar haben sie nicht vor, uns bis nach Theth zu folgen.

Hochtal Fusha e Dënellit
Hochtal Fusha e Dënellit

Während wir auf demselben Weg wieder ins Tal hinabsteigen, beobachten wir schon von Weitem eine große Wolke, die sich langsam zwischen die Berge schiebt. Als wir gegen 16 Uhr Theth erreichen, hat sie das Tal eingeholt und bringt Kälte und Regen mit sich.

Bis zur Abfahrt unseres Busses bleibt uns noch eine Stunde. Die verbringen wir lieber im Trockenen und setzen uns in ein Café, wo wir uns zum Abschluss noch zwei Fantas gönnen. Damit endet unsere Zeit in den albanischen Alpen. Nach zwölf Tagen auf dem Peaks of the Balkans Trail und einigen zusätzlichen Wanderungen heißt es nun Abschied nehmen von Theth und den verfluchten Bergen.

Kurzinfo Tageswanderung Fusha e Dënellit

Dauer: 5 h
Distanz: 13,7 km
Ausgangspunkt: Theth, Ortsteil Qender
Gesamtanstieg: 1.080 hm

Lust auf noch mehr Wandern in den verfluchten Bergen? Dann ist der Peaks of the Balkans Trail vielleicht genau das Richtige: 190 Kilometer durch Albanien, Kosovo und Montenegro.

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Die Weltwanderin

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Annika

Ich bin verliebt in die Welt, ihre Berge und das Abenteuer. Auf Fernwanderungen wie dem Te Araroa, PCT und CDT habe ich inzwischen über 16.000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Wandern bedeutet für mich Freiheit, Glück und ein Leben im Hier und Jetzt. Hier teile ich meine Abenteuer aus der ganzen Welt.

Mein erstes Buch

Leise Schritte in einer lauten Welt
Über 4000 Kilometer auf dem
Continental Divide Trail

Das Buch ist ab sofort als Taschenbuch und E-Book bei Amazon erhältlich.

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Bevor sich Weltwanderin voll auf Thru-Hiking fokussierte, habe ich auch über meine Reisen und alpinen Bergsport geschrieben. Diese Artikel findet ihr hier: