360 Kilometer durch einige der wildesten Berglandschaften Südnorwegens: Auf dem Massiv Trail wandern wir durch Breheimen, Jotunheimen, Skarvheimen und über die Hardangervidda – durch eine scheinbar endlose, immer wieder neue Kombination aus Felsen, Wasser und Bergen. Gletscher, unzählige Seen, Wasserfälle und weite Tundralandschaften begleiten uns auf dem Weg von Sota Sæter nach Haukeliseter. Doch der Massiv Trail macht es einem nicht immer leicht. Blockfelder, Sümpfe und kaum erkennbare Pfade bremsen das Vorankommen, während Regen, Nebel, Wind und Kälte die eigentliche Herausforderung darstellen. Die Landschaft ist spektakulär, wenn das norwegische Wetter sie nicht gerade hinter dichten Wolken versteckt. Wir haben Glück und erleben in 15 Wandertagen viele ihrer unterschiedlichen Gesichter.
Inhaltsverzeichnis
ToggleKurzinfo zum Massiv Trail
Distanz: 360 km
Dauer: 14 bis 18 Tage
Höhenmeter: 14.500 hm
Beginn/Ende: Sota Sæter/Haukeliseter, Norwegen
Beste Zeit: Mitte Juli bis Mitte September
Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll; überwiegend T2, abschnittsweise T3
Routenübersicht
1. Breheimen Nationalpark (52 km / 3.050 hm)
Sota Sæter – Nørstedalseter – Sognefjellshytta
Von Hütte zu Hütte sind es 2 Tage, wir haben 2,5 Tage gebraucht.
Der erste und anspruchsvollste Abschnitt des Massiv Trails führt durch den Breheimen Nationalpark, vorbei an Gletschern, schroffen Gipfeln, grünen Tälern und Bergseen. Ausgedehnte Blockfelder, matschige Wege und Flussquerungen sorgen für langsames Vorankommen. Allein an den ersten beiden Tagen kommen rund 3.000 Höhenmeter zusammen. Vor allem die Blockfelder erfordern ständige Konzentration und machen die Etappen nicht nur körperlich, sondern auch mental anstrengend.

2. Jotunheimen Nationalpark (70 km / 3.000 hm)
Sognefjellshytta – Fannaråkhytta – Skogadalsbøen – Slettingsbu
Von Hütte zu Hütte sind es 4 Tage, wir haben 2,5 Tage gebraucht.
Mit der Querung des Fannaråkbreen Gletschers beginnt einer der spektakulärsten Abschnitte des Massiv Trails. Danach führt die Route durch eine abwechslungsreiche Hochgebirgslandschaft aus Gletschern, Bergseen, kargen Hochflächen und grünen Tälern. Das Gelände bleibt anspruchsvoll, besonders bei Nässe: Schlamm, sumpfige Wege und rutschige Felsen können das Vorankommen deutlich erschweren. Gleichzeitig begegnen uns hier die ersten Rentiere.
3. Skarvheimen (115,5 km / 5.150 hm)
Slettingsbu – Sulebu – Skarvheim – Bjordalsbu – Iungsdalshytta – Kongshelleren – Geiterygghytta – Finsehytta
Von Hütte zu Hütte sind es 6 Tage, wir haben 4,5 Tage gebraucht.
In Skarvheimen bleibt das Gelände abwechslungsreich und stellenweise anspruchsvoll. Blockfelder, matschige Wege und nasse Felsen wechseln sich mit besser begehbaren Abschnitten ab, während zahlreiche Seen und Flüsse die Landschaft prägen. Gleichzeitig werden die Tagesetappen allmählich schneller. Besonders in Erinnerung bleiben uns die zahlreichen Rentiere und die DNT-Hütten, die entlang dieses Abschnitts immer wieder Gelegenheit für eine warme Pause, Waffeln oder sogar Pizza bieten.
4. Hardangervidda Nationalpark (127,5 km / 3.630 hm)
Finsehytta – Krækkja – Stigstuv – Sandhaug – Litlos – Hellevassbu – Haukeliseter
Von Hütte zu Hütte sind es 6 Tage, wir haben 4 Tage gebraucht.
Die Hardangervidda ist der längste, aber zugleich am einfachsten zu laufende Abschnitt des Massiv Trails. Besonders zwischen Stigstuv und Sandhaug führt die Route über ein relativ flaches, offenes Hochplateau, auf dem deutlich höhere Tagesdistanzen möglich sind. Allerdings kann der Wind in der weitgehend ungeschützten Landschaft kräftig werden. Weiter südlich wird das Gelände wieder bergiger und abwechslungsreicher, mit zahlreichen Seen, grünen Hängen und einzelnen felsigen Passagen. Wer auf dem Massiv Trail Kilometer machen will oder muss, findet hier die besten Bedingungen dafür.

Schwierigkeit
Wer den Massiv Trail von Hütte zu Hütte wandert, muss teilweise lange Tagesetappen bewältigen, besonders zu Beginn der Route. In Breheimen und Jotunheimen sorgen ausgedehnte Blockfelder, Matsch und sumpfige Wege zusätzlich für langsames Vorankommen. Kilometer sagen hier wenig über den tatsächlichen Zeitaufwand aus: Je nach Gelände können auch vermeintlich kurze Etappen einen ganzen Tag füllen.
Richtung Süden wird das Wandern insgesamt einfacher und schneller. Während vor allem Breheimen von langen Blockfeldern und mühsamem Gelände geprägt ist, bietet die Hardangervidda längere Abschnitte, auf denen deutlich höhere Tagesdistanzen möglich sind. Durchgehend flach ist sie jedoch keineswegs: Auch hier führt der Massiv Trail immer wieder durch felsiges und bergiges Gelände.

Navigation & Markierungen
Der Massiv Trail ist kein eigenständig markierter Fernwanderweg, sondern verbindet bestehende Wanderwege des norwegischen Wandervereins DNT. Einen durchgehend ausgebauten Weg sollte man nicht erwarten: Blockfelder, Sümpfe, Flussquerungen und kaum erkennbare Pfade gehören ebenso zur Route wie die roten Ts und Steinmännchen, die durch unübersichtliches Gelände führen.

Beste Wanderzeit & Wetter
Mitte Juli bis Ende August bietet das praktischste Zeitfenster für den Massiv Trail, da in dieser Zeit alle Hütten geöffnet sind. Mit Zelt lässt sich der Trail je nach Wetter- und Schneebedingungen aber auch noch bis Mitte September wandern. Die Hütten öffnen Ende Juni, aber so früh in der Saison ist noch mit Schnee zu rechnen. Der Großteil des Trails liegt über 1.000 m, wo das Wetter unberechenbar ist. Der höchste Punkt ist Fannaråken auf 2.068 m.
Das Wetter sollte zu keiner Jahreszeit unterschätzt werden. Selbst im Hochsommer sind niedrige Temperaturen, Regen, starker Wind und auch Schnee möglich. Nebel und tief hängende Wolken können die Orientierung zusätzlich erschweren und die spektakuläre Berglandschaft vollständig verschwinden lassen. Entsprechend gehören gute Regenausrüstung, warme Kleidung und Erfahrung mit Navigation im Gebirge zur Vorbereitung auf den Trail.
Wir sind Mitte August unterwegs gewesen und hatten mit allen Wetterlagen zu tun: Sonne, Nebel, Kälte, Regen und sogar etwas Schnee.
An- und Abreise
Direktbus von Oslo nach Bismo (VY146)
oder mit dem Zug nach Otta oder Lillehammer, dann Bus nach Bismo
Trampen/Rufbus/Taxi nach Sota Sæter (37 km)
Der Rufbus von Bismo nach Sota Sæter muss mindestens eine Stunde vor Abfahrt gebucht werden (45 min, fährt vom 22.06. – 16.08.2026), nur dienstags und freitags morgens oder samstags mittags.
Hütten & Übernachten
Entlang der Route liegt ein Netz aus bewirtschafteten und unbewirtschafteten DNT‑Hütten. Dadurch lässt sich der Massiv Trail grundsätzlich von Hütte zu Hütte wandern; in den Selbstversorgungshütten können zudem Lebensmittel und grundlegender Proviant nachgekauft werden. Wer ein Zelt trägt, ist dank des norwegischen Jedermannsrechts deutlich flexibler und kann seine Tagesetappen stärker an Wetter, Gelände und Kondition anpassen.
Hütten
In den Hütten zu übernachten, ist bequem, aber nicht ganz günstig. Mit der DNT-Mitgliedschaft sind es ca. 100 € pro Nacht im Schlafsaal der bewirtschafteten Hütten und ca. 31 € pro Nacht in den unbewirtschafteten Selbstversorgungshütten (Selvbetjente hytter). Ein Tagesbesuch in den unbewirtschafteten Hütten kostet mit DNT-Mitgliedschaft etwa 4,50 €, was besonders praktisch ist, wenn das Wetter sehr schlecht ist und ihr Schutz sucht. Private Hütten (Sognefjellshytta, Tyinholmen Høyfjellsstuer, Stigstuv) haben andere Preise.
Die bewirtschafteten Hütten bieten meist ein 3-Gänge-Abendessen, Frühstück sowie Lunchpakete an, außerdem gibt es Duschen und Trockenräume. Die Selbstversorgungshütten bieten eine Feuerstelle, gasbetriebene Kochstellen, Geschirr, Betten, ein Vorratslager, Plumpsklos und manchmal auch Steckdosen.

Camping
Dank des Jedermannsrechts kann überall gezeltet werden, solange man sich mindestens 150 m vom nächsten bewohnten Haus entfernt befindet, was ebenso für DNT-Hütten gilt. Viele DNT‑Hütten haben ausgewiesene Zeltplätze, für die man eine Gebühr zahlt und dann entsprechend die Toiletten, Duschen und andere Hütteneinrichtungen mitbenutzen kann.
DNT-Hütten auf dem Massiv Trail mit Camping-Optionen:
Sota Sæter, Skogadalsbøen, Fondsbu, Iungsdalshytta, Geiterygghytta, Litlos, Haukeliseter Fjellstue

Verpflegung & Resupply
Auf dem Massiv Trail kommt man an keinem Ort mit einem regulären Supermarkt vorbei.
Generell gibt es folgende Möglichkeiten zur Versorgung auf dem Trail:
- Bewirtschaftete Hütten: Mahlzeiten, Snacks, auch unabhängig von Übernachtungen
- Selbstversorgungshütten: Einfacher Resupply, Bezahlung per DNT-App
- Café Kyrkjestølen: Hat leckere Pizza und liegt zwischen Slettningsbu und Sulebu an der Straße
- Raus zum Supermarkt (an drei Stellen möglich, aber nur von Finse wirklich praktikabel)
Unsere Strategie war es, den Großteil unseres Resupplies mitzunehmen, gelegentlich Mahlzeiten und Snacks in den Hütten zu erwerben und von Finse nach Geilo für einen Zero und Resupply in den Supermärkten mit dem Zug zu fahren. Damit sind wir gut zurechtgekommen.
Selbstversorgungshütten (Selvbetjente hytter)
Selbstversorgungshütten auf dem Massiv Trail:
Slettingsbu, Sulebu, Skarvheim, Bjordalsbu, Kongshelleren, Hellevassbu
Ihr könnt die Vorratsräume in den Selbstversorgungshütten auch dann nutzen, wenn ihr zeltet und nicht in den Hütten übernachtet.
Für alle Selbstversorgungshütten ist ein DNT-Schlüssel erforderlich, den man bei DNT-Servicestellen, z. B. in Oslo und manchen DNT-Hütten, bekommt. Dafür braucht es eine DNT-Mitgliedschaft und 100 NOK Pfand. Die Bezahlung in Selbstversorgungshütten erfolgt per DNT‑App, was hinterher gemacht werden kann, wenn ihr wieder Mobilfunkempfang habt. Darüber können ggf. auch vorab Plätze reserviert werden.
Im Vorratsraum gibt es in der Regel Folgendes:
- Grundnahrungsmittel: Haferflocken, Knäckebrot, Pasta, Risotto und Kartoffelpüree
- verschiedene Konfitüren, Butter, Honig, Streichkäse
- gefriergetrocknete Trekkingnahrung („Real Turmat„)
- Dosen: Fischsuppe, Labskaus, Erbsen & Möhren, Bohnen, Tomaten, Hähnchen, Schinken, Leberpastete, diverser Fisch, Fleischbällchen in Soße (Kjøttboller)
- Pfannkuchenmix, Chili con Carne, Tütensuppen
- Getränke: Kaffee, Kakao, Tee, Trockenmilchpulver
- Desserts in Packungen und Dosen: Schokoladenpudding, Dosenbirnen, Vanillesoße, Fruchtcocktail
- Snacks: Kekse, Rosinen, Wasa-Sandwich-Snacks, Müsliriegel
Beispiele für Preise:
Eine Portion Haferflocken NOK 15, Real Turmat NOK 150, Kekse NOK 50-65, Kartoffelpüree NOK 25, Pasta NOK 35, Labskaus NOK 110
Bewirtschaftete Hütten (Betjent hytte)
Bewirtschaftete Hütten auf dem Massiv Trail:
Nørstedalseter, Sognefjellshytta, Fannaråkhytta, Skogadalsbøen, Fondsbu, Tyinholmen Høyfjellsstuer, Iungsdalshytta, Geiterygghytta, Finsehytta, Krækkja, Stigstuv, Sandhaug, Litlos, Haukeliseter
Die bewirtschafteten Hütten bieten Mahlzeiten (neben Abendessen meistens Waffeln, Sandwiches und Suppen) sowie Snacks (Schokolade, Chips, Gummibärchen) und Getränke. Manchmal gibt es auch ein Café mit Tagesmenü.
Beispiele für Preise:
3-Gänge-Abendessen NOK 470 mit DNT-Mitgliedschaft, NOK 608 ohne DNT-Mitgliedschaft
Campsite NOK 125 mit DNT-Mitgliedschaft, NOK 160 ohne DNT-Mitgliedschaft

Abstecher in Städte abseits des Trails
Die Ausstiegspunkte, an denen ihr mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Trail aus in die Städte gelangen könnt, befinden sich hier:
Sognefjellshytta (nach 2-3 Wandertagen): 1 Stunde Busfahrt nach Lom (nur zweimal täglich)
Fondsbu (nach ca. 5 Wandertagen): 1 Stunde mit dem Bus zum Supermarkt in Grindaheim/Fjellvang (nur zweimal täglich, Umsteigen erforderlich)
Finse (nach 10-12 Wandertagen): 1 Stunde mit dem Zug zum Supermarkt in Geilo (alle zwei Stunden)
Wasser
Wasser ist auf dem Massiv Trail normalerweise kein Problem. Bäche, Flüsse und Seen finden sich entlang fast der gesamten Route in kurzen Abständen, sodass große Wasservorräte meist unnötig sind.
Gletscherquerung Fannaråkbreen
Die Wanderung von der Sognefjellshytta nach Fannaråken führt über einen Gletscher. Die geführte Gletscherwanderung bricht täglich gegen 12:30 Uhr vom Gletscherrand auf und involviert das Gehen am Seil sowie Steigeisen. Sie muss im Voraus online gebucht werden. Alleinüberquerungen erfordern Fachwissen, die richtige Ausrüstung und eine vorherige Absprache mit ortskundigen Bergführern. Dies ist kein Gelände für Improvisationen!

Kosten (pro Person)
DNT-Mitgliedschaft: NOK 885 (ca. 80 €), mit der DNT-Mitgliedschaft gibt’s Rabatt in DNT-Hütten
DNT-Schlüssel-Pfand: NOK 100 (ca. 9 €)
Rufbus-Fahrt von Bismo nach Sota Saeter: NOK 110 (ca. 10 €)
Busfahrt Haukeliseter-Oslo: ca. 62 €
Gletscherquerung Fannaråkbreen: NOK 260 mit DNT-Mitgliedschaft, NOK 335 ohne DNT-Mitgliedschaft
Übernachtung in bewirtschafteten Hütten: ab NOK 1095 (ca. 101 €) in Schlafsälen mit DNT-Mitgliedschaft / NOK 1430 (ca. 132 €) in Schlafsälen ohne DNT-Mitgliedschaft
Übernachtung in Selbstversorgungshütten: NOK 340 (ca. 31 €) mit DNT-Mitgliedschaft / NOK 520 (ca. 48 €) ohne DNT-Mitgliedschaft
Tagesbesuch in Selbstversorgungshütten: NOK 50 (ca. 4,50 €) mit DNT-Mitgliedschaft / NOK 100 (ca. 9 €) ohne DNT-Mitgliedschaft
Apps & Websites
DNT (zum Bezahlen der Selbstversorgungshütten)
UT (Karten, Routen und Check-Ins)
YR (Wetter)
UT‑Website: Offizielle Route des Massiv Trails
Achtung: Der offizielle GPX-Trail ist nicht vollständig auf existierende Trails ausgerichtet, sondern sehr grob an manchen Stellen. Nicht blind folgen, sondern mit der Karte abgleichen.
Fazit
Der Massiv Trail hat uns Norwegen in ziemlich vielen Facetten gezeigt: nass und kalt, grau und neblig, aber auch mit strahlend blauem Himmel, spiegelglatten Bergseen und Rentieren direkt am Weg. Gerade diese Wechsel machen für mich einen großen Teil seines Reizes aus. Die Landschaft verändert sich ständig und jeder der vier Abschnitte hat seinen eigenen Charakter.
Unterschätzen sollte man die 360 Kilometer trotzdem nicht. Vor allem in Breheimen und Jotunheimen können Blockfelder, Matsch und schlechtes Wetter aus vergleichsweise kurzen Distanzen lange Wandertage machen. Wer bereits Erfahrung mit mehrtägigen Touren im Gebirge hat und mit wechselhaftem Wetter umgehen kann, findet auf dem Massiv Trail jedoch eine abwechslungsreiche Route durch einige der wildesten Berglandschaften Südnorwegens.
Besonders gut gefallen hat mir die Kombination aus Wildnis und Infrastruktur. Wir konnten tagelang mit dem Zelt durch die Berge ziehen und trotzdem regelmäßig in einer DNT-Hütte einkehren, uns aufwärmen, Waffeln essen oder unsere Sachen trocknen. Für uns war das Zelt dabei die richtige Wahl: Es gab uns die Freiheit, die Tagesetappen an Gelände, Wetter und unsere eigene Energie anzupassen.
Nach 360 Kilometern bleibt vor allem eine scheinbar endlose Abfolge aus Felsen, Wasser und Bergen im Kopf – und die Erkenntnis, dass Norwegen bei Sonne tatsächlich noch einmal ein völlig anderes Land ist.
















