B2 Visum für die USA beantragen

Hier erzähle ich euch von meiner Erfahrung zur Beantragung des B2-Visums für die USA. Ich benötigte das Visum für meine Wanderung auf dem PCT, die voraussichtlich fünf Monate dauern sollte. Das Visum für die USA war das schwierigste Visum, das ich bisher beantragt habe. China und Russland waren ein Spaziergang gegen den bürokratischen Aufwand, den die USA betreiben.

Beantragung des Visums

1. Den langen Visumsantrag ausfüllen, der alles ganz genau wissen will. Ihr werdet nach einer Aufenthaltsadresse in den USA gefragt. Hier könntet ihr einfach die Adresse eines Hostels eintragen oder irgendwen, den ihr dort vielleicht kennt. Ihr werdet außerdem später im Antrag nach einer Kontaktperson oder Organisation in den USA gefragt. Ich habe hier einfach den Namen eines PCT Trail Angels eingetragen. Yogi vom Triple Crown Outfitters in Kennedy Meadows bietet auch an, ihre Adresse zu verwenden. Ein Hostel in San Diego wäre auch ausreichend. Unter anderem werden folgende Dinge abgefragt: Social-Media-Kanäle, Identität von euren Eltern und falls vorhanden eures Partners, aktuelle und vergangene Arbeitgeber, wo ihr zur Schule gegangen seid, wo ihr studiert habt, eure Reisen in den letzten fünf Jahren, kriminelle Vergangenheit. Zusätzlich braucht ihr ein Foto, das nicht älter als 6 Monate ist.
2. Für den Antrag bezahlen (160 $)
3. Einen Termin zum Interview in einer US-Botschaft vereinbaren. Ich habe das Glück gehabt, relativ zeitnah einen Termin für das Interview zu bekommen. Ich habe mein Visum im November beantragt und einen Interviewtermin im Januar ergattern können. Teilweise sind die Termine über Monate ausgebucht. Daher empfiehlt sich eine frühzeitige Beantragung des Visums und Terminbuchung direkt im Anschluss.

Interview in der US-Botschaft

Hier meine persönliche Erfahrung zum Interview in der US-Botschaft in München im Januar 2022.

Als ich mich der US-Botschaft nähere, sehe ich bereits eine lange Menschenschlange vor dem Gebäude. 30 Menschen stehen vor mir, als ich mich anstelle. Es geht nur langsam voran, alle paar Minuten werden zwei Personen überprüft (Reisepass und ob man einen Termin hat) und hereingelassen. Während ich warte, fällt mein Blick auf eine Tafel, auf der benötigte Dokumente dargestellt werden. Dazu gehören neben dem Pass auch ein Ausdruck von der Terminbestätigung sowie drei weitere Ausdrucke irgendwelcher Formulare. Ich bekomme einen Schreck, denn außer Pass und Terminbestätigung habe ich nichts weiter dabei. Außer mir haben alle in der Schlange einen Ordner Dokumente dabei. Ich hoffe sehr, dass ich nicht umsonst anstehe und sie mich am Ende wieder wegschicken.

Nach 45 Minuten, in denen ich in der Kälte Mitte Januar schon stark angefangen habe zu frieren, gelange ich endlich in das Gebäude. Bei der Security werden Taschen und Jacken überprüft, kleine elektronische Geräte kann man hier abgeben und bekommt stattdessen einen Zettel, mit dessen Hilfe man sie am Ende wieder abholen kann. Handys sollten dabei unbedingt ausgeschaltet sein. Größeres wie ein Laptop sollte man lieber zu Hause lassen oder man muss ihn in einem separaten Gebäude abgeben. Danach gehe ich in ein weiteres Gebäude, in dem ich zuerst links zu einem von zwei Fenstern gehe, wo mein Pass geprüft und einbehalten wird und meine Fingerabdrücke genommen werden. Hier wird festgestellt, dass mein eingereichtes Foto bereits älter als 6 Monate ist, da es das Gleiche ist wie in meinem jahrealten Pass. Darauf gilt es also zu achten.

Glücklicherweise sind sie darauf vorbereitet und haben eine Fotobox vor Ort. Diese nimmt jedoch nur 5 Euro in Bargeld und gibt kein Rückgeld. Habe ich natürlich nicht dabei. Es gibt zwar einen Wechselautomaten, aber der wechselt nur 5- und 10-Euro-Scheine, die ich beide nicht habe. Ich frage also einfach in die Runde, ob jemand mir 5 Euro wechseln kann, und eine freundliche Dame überlässt mir einen 5-Euro-Schein, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Supernett. Ich mache also mein Foto und überreiche es am gleichen Schalter. Nun heißt es wieder in eine Schlange einreihen und auf das Interview warten. Alles ist hier auf Massenabfertigung ausgerichtet. An mehreren Fenstern wird das kurze Interview durchgeführt.

Ich werde gefragt, warum ich ein Visum brauche und nicht ein ESTA (elektronische Anreisegenehmigung) beantrage. Meine Antwort ist, da ich vorhabe, länger als 90 Tage zu bleiben, nämlich 5 Monate. Dann werde ich gefragt, was ich die 5 Monate vorhabe und ich sagte, den PCT wandern, was dem Botschaftspersonal offenbar ein Begriff ist. Er fragt mich noch, ob ich so was schon mal gemacht habe und ich erwähne den Te Araroa in Neuseeland. Dann werde ich noch nach meinem Job gefragt und wie viel Geld ich für meine Reise gespart habe und dann ist mein Visumsantrag auch schon genehmigt. Keiner hat mich nach den vermeintlich benötigten Unterlagen gefragt und ich bin sehr erleichtert. Ich bekomme einen Zettel mit Informationen, dass ich eine E-Mail bekomme, sobald ich meinen Pass abholen kann und wo.

TL;DR: Ihr benötigt euren Reisepass, unter Umständen ein aktuelles Foto, falls das im Antrag schon älter sein sollte. Dann werden euch einige Fragen zu eurem geplanten Aufenthalt in den USA gestellt und vielleicht zu euch gestellt.

Abholen des Reisepasses mit Visum

Meinen Pass konnte ich 11 Tage nach dem Interview bei einem Versandservice in der Innenstadt Münchens abholen.


Hinweis:

Ein gültiges Visum stellt keine Garantie für eine problemlose Einreise in die USA dar. Die finale Entscheidung liegt bei der US-Grenzbehörde (CBP), und es kann in Einzelfällen zu Zurückweisungen oder weiteren Prüfungen kommen – selbst bei vollständigen und korrekten Unterlagen. Ich habe diese Erfahrung leider selbst gemacht und wurde trotz gültigem B2-Visum an der Grenze abgewiesen und abgeschoben. Eine ausführliche Schilderung meines Falls findet ihr bei The Trek.

Wichtige Tipps zur Vorbereitung auf die Einreise findet ihr in meinem Artikel Einreise in die USA: Warum ein Visum keine Garantie ist und wie ihr euch vorbereiten solltet.

9 Antworten

  1. Hallo Annika,

    dein Bericht finde ich sehr ausführlich und hilfreich. Danke. Ich möchte nächstes Jahr in die USA Urlaub machen und habe schon den DS-160 Formular ausgefüllt. Mir ist nach dem Senden ausgafallen, dass ich die B1/B2-Visum beantrage habe anstatt die B2. Glaubst du, dass es Probleme gibt? Kann man den Antrag nochmal machen? Danke im Voraus.

    Grüße

    Hector

  2. Hallo Hector, ich denke nicht, dass das ein Problem ist, da es ja den Zweck deiner Reise (Tourismus) mit einschließt. Du wirst ja auf jeden Fall das Interview in der Botschaft haben und kannst es dort nochmal klarstellen was benötigt wird. Wenn du sicher gehen willst kannst du auch in der Botschaft anrufen.

    Herzliche Grüße
    Annika

  3. Hallo, kann mich jemand trösten und Hoffnungen machen? Ich habe heute ESTA Ablehnung bekommen, womit ich als redlich Bürgerin überhaupt nicht gerechnet habe. Ich vermute aufgrund zwei Studienreisen a 2013 nach Kuba u b2018 in den Iran zu den historischen Stätten wie Persepolis etc. Das ist zwar nicht mehr in meinem RPass, aber ich wollte nicht lügen, bei der Frage. Unser Flug geht am 9.9.24. Ist bis dahin ein Visa b2 zu bekommen. Ich bin schon ganz aufgelöst, weil meine Traumreise in den Indian Summer auf dem Spiel steht.

    .

  4. Hallo Annika :) Danke für deinen hilfreichen Bericht! Das B Visum hat man dann für 10 Jahre jeweils 6 Monate im Jahr oder? Und was hast du gesagt wie viel Geld du für die 5 Monate gespart hast?

    Vielen Dank

  5. Hallo Edda, ich kenne mich mit dem ESTA nicht besonders gut aus, aber es kann schon sein, dass in diesem schnelleren Prozess eine Reise in den Iran automatisch geflaggt und abgelehnt wird. Du könntest versuchen ein Visum zu kommen indem du in ganz Deutschland nach Botschaftsterminen suchst. Soweit ich weiß gibt es auch Express-Visa. Viel Erfolg, ich hoffe du kannst deinen Traum verwirklichen.

  6. Hallo Ina, es sind 6 Monate für 10 Jahre. Wie oft du neu einreist, ist dabei unerheblich. Es ist nur eine Ausreise nötig (allerdings nicht nach Mexiko oder Kanada). Bezüglich der Ersparnisse: Meine Antwort mit 10.000 Euro hat ihnen ausgereicht. Du kannst auch einen Screenshot von deinem Kontostand mitbringen.

  7. Danke für deine Nachricht. Der Artikel behandelt ausschließlich die Beantragung des B2-Visums, und dieser Prozess hat sich nicht geändert. Ich habe jedoch einen Hinweis am Ende eingefügt, da meine persönliche Erfahrung gezeigt hat, dass ein Visum leider keine Garantie für eine problemlose Einreise ist.

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Die Weltwanderin

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Annika

Ich bin verliebt in die Welt, ihre Berge und das Abenteuer. Seit jeher beschäftigt mich eine starke Sehnsucht nach einem intensiven Leben. Dabei bedeutet Wandern für mich pure Freiheit und Glück. Auf diesem Blog lest ihr alles über meine Abenteuer auf der ganzen Welt.

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