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Ägypten: Rundreise durch das Land der Pharaonen

Ägypten, Land der berühmten Pyramiden, Königsgräber, Tempel, des mächtigen Nils und dem artenreichen Rote Meer. Man kann hier tief in die Geschichte längst vergangener Zivilisationen eintauchen, die Sonne genießen oder die Korallenriffe erkunden. Wir verbinden in einer Rundreise die Hauptstadt Kairo und die Großen Pyramiden mit Luxor, wo sich die alten Königsgräber und prachtvolle Tempel befinden und schließlich Hurghada, wo wir noch ein paar Tage am Meer ausspannen und die Unterwasserwelt erkunden.

1. Stopp: Kairo, Haupstadt Ägyptens

Insgesamt sind wir 12 Tage unterwegs und verbringen davon drei Tage in Kairo, zweieinhalb Tage in Luxor und vier Tage in Hurghada. Die Reise ist komplett selbst zusammengestellt und wir verbinden so einige der besten Sehenswürdigkeiten Ägyptens miteinander. Wir starten in Kairo, der Hauptstadt. Unser Hotel befindet sich allerdings direkt an den Pyramiden und allein für den Ausblick beim Frühstück von der Dachterrasse auf die Pyramiden hat sich das schon gelohnt. Auch der Sonnenuntergang über den Pyramiden ist magisch und in der Nacht werden die Pyramiden mit einer Lichtershow angestrahlt, was man alles bequem von der Dachterrasse aus beobachten kann. Ich finde also, dass sich eine Unterkunft in Gizeh anstatt in Kairo absolut lohnt.

Pyramiden von Gizeh

Die großen Pyramiden in Ägypten sind das letzte verbleibende und älteste der acht Weltwunder und ein Erlebnis von der Bucketlist. Sie entstanden vor über 4.500 Jahren zu Beginn der ägyptischen Hochkultur. Die Pyramiden von Gizeh umfassen drei einzelne Pyramiden, die den Ägyptern als riesige Gräber für ihre Pharaonen dienten. Dabei ist die Cheops-Pyramide die größte Pyramide Ägyptens, außerdem finden sich noch die Chephren- und die Mykerinos-Pyramide hier. Auch die berühmte Sphinx thront vor den Pyramiden.

Diese großen und beeindruckenden Bauwerke wurden bereits vor tausenden vor Jahren mit begrenzten Mitteln gebaut. Unweigerlich fragt man sich wie die alten Ägypter das alles zustande gebracht haben. Die Forschung kann bis heute nur teilweise Antworten auf diese Frage geben. Sicher aber ist, dass zehntausende Arbeiter daran gewerkelt haben. Übrigens keine Sklaven, wie früher mal angenommen. Die Steine für die Pyramiden wurden über die Überschwemmungen des Nils nach Gizeh transportiert. Heute sind sie ein beeindruckendes Zeugnis für die Macht, die Organisation und die Errungenschaften des alten Ägyptens.

Eins vorneweg: Bei den Großen Pyramiden ist es voll, sehr voll, und unglaublich anstrengend. Ist es das trotzdem wert? Ja, ist es! Beobachtungen von der Dachterrasse unseres Hotels zufolge hat man direkt nach Öffnung um 8 Uhr bis 10 Uhr die Pyramiden weitestgehend für sich. Frühes Aufstehen lohnt sich also.

Es gibt zwei Eingänge für die Pyramiden, einen kleinen und recht chaotischen an der Sphinx und einen größeren an der Cheops Pyramide. Da unser Hotel direkt gegenüber der Sphinx liegt, wählen wir diesen Eingang. Zum Glück hilft uns ein Hotelangestellter dabei die Tickets zu bekommen, denn mit geordnetem Anstehen hat das hier nichts zu tun. Man muss sich eiskalt nach vorne drängeln und nach einem Ticket verlangen. Auch das vermeidet man wenn man um 8 Uhr morgens hingeht.

Von zahlreichen Leuten, die „one photo, one photo!“ wollen bis hin zu jenen, die einem ihre Dienste, Kamel- oder Pferdritte verkaufen wollen, wird man nicht eine Minute verschont. Jeder, der einem auch nur die kleinste Gefälligkeit erweist, erwartet dafür „Bakschisch“ (Trinkgeld) und scheut sich auch nicht dabei sehr fordernd zu sein. Kurz gesagt, einfach jeder hier scheint einen abziehen zu wollen. Es ist also etwas Vorsicht angebracht. Lasst euch von niemanden etwas andrehen und bleibt bei Verhandlungen knallhart. Wichtig ist es auch, immer kleines Geld dabei zu haben um passend rausgeben zu können. Wechselgeld zurückzubekommen ist eher schwierig. Leider liegt auch recht viel Müll an den Pyramiden, was kein Wunder ist bei den Massen, die sich hier täglich versammeln.

Eintritt zu den Pyramiden von Gizeh: 200 EGP
Zusätzlich Eintritt ins Innere der Cheops-Pyramide: 400 EGP (Muss gleich am Eingang gekauft werden, wenn ihr da reinwollt)
Zusätzlich Eintritt ins Innere in eine der anderen zwei Pyramiden: 100 EGP (Muss gleich am Eingang gekauft werden, wenn ihr da reinwollt)

Sphinx

Direkt am Eingang thront die Sphinx, eine Skulptur eines Mannes mit Löwenkörper. Das Wort Sphinx stammt aus dem Griechischen und die Griechen haben die Statue nach ihrem mythischen geflügelten Monster benannt, das Rätsel aufgab und all jene tötete, die nicht in der Lage waren diese Rätsel zu lösen. Höchstwahrscheinlich stellt die Sphinx den Pharao Chephren dar. Ihre Nase wurde wohl irgendwann zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert abgeschlagen. Auch der Bart ist abgefallen und nun teilweise im British Museum in London zu bewundern. Die Sphinx ist ständig in Reparatur, da Verschmutzung und steigendes Grundwasser ihre Struktur bedrohen. Tatsächlich ist die Sphinx kleiner als man sie sich vorstellt.

Direkt neben der Sphinx befindet sich der Taltempel von Chephren, der ebenfalls sehenswert ist. Ursprünglich gab es hier mal einen künstlich angelegten See, der per Kanal mit dem Nil verbunden war. So wurden die Baumaterialien hierher geschafft und später kamen die Anbeter über jenen Kanal zum Tempel. Der Tempel ist mit schönen rosa Granitsäulen und Alabasterböden ausgestattet. Ursprünglich gab es hier viele Statuen von Chephren. Nur eine davon wurde noch intakt vorgefunden und befindet sich nun im Ägyptischen Museum.

Die Cheops-Pyramide

Die älteste Pyramide von Gizeh und größte in Ägypten war 146m hoch als wie 2570 vor Christus erbaut wurde. Mittlerweile ist sie 9m kleiner geworden. Man kann auch in die Pyramide reingehen, aber mit 400 EGP zusätzlich zum allgemeinen Eintrittsticket ist das sehr teuer, dafür dass man im Endeffekt nicht viel in ihrem Inneren sehen kann. Man kann dann nur sagen, dass man in der größten Pyramide Ägyptens war. Wir verzichten darauf, wir werden später noch in eine andere Pyramide gehen.

Cheops-Pyramide
Cheops-Pyramide

Chephren-Pyramide

Die zweite Pyramide ist 136m hoch und erscheint größer als die Cheops-Pyramide. Sie wirkt allerdings nur so, weil sie höher steht. Ihre Spitze ist immer noch mit dem Original Kalksteinmantel bedeckt. Ursprünglich waren alle drei Pyramiden komplett von diesem glatten weißen Stein eingehüllt, der sie in der Sonne erstrahlen lassen hat. Über die Jahrhunderte wurde diese Hülle als Baumaterial für Paläste und Moscheen geplündert.

Mykerinos-Pyramide

Mit 62m ist diese Pyramide die kleinste der Drei. Sie ist nur ein Zehntel so groß wie die Cheops-Pyramide. Der Pharao Mykerinos starb bevor das Bauwerk fertig gestellt werden konnte. Hier ist deutlich weniger los als bei den anderen zwei Pyramiden, da sie auch etwas abseits liegt. Hinter der Pyramide finden sich mehrere kleine Königinnen-Pyramiden. Wenn man von hier ein Stück weiter läuft, reitet oder mit der Pferdekutsche fährt, kann man alle drei Pyramiden auf einmal sehen. Dieser Anblick ist sehr schön. Der Weg führt durch tiefen Sand, ist also etwas beschwerlich für jene, die nicht so gut zu Fuß unterwegs sind. Alternative sind die zahlreichen Kamele oder auch Pferdekutschen.

Wir nehmen eine Pferdekutsche und werden dabei natürlich gnadenlos übers Ohr gehauen. Als ich dem Fahrer zusätzlich zu dem Fahrtpreis Trinkgeld gebe, was fast so hoch ist wie die Fahrt selbst, verlangt er noch mehr. Ich bleibe jedoch hart. Vereinbart war auch, dass er uns zurück bis zur Großen Pyramide bringt, was er nach der Trinkgeld-Diskussion aber nicht vollständig macht. Mir ist es dann auch zu blöd noch weiter zu diskutieren. Seid einfach wachsam, wenn es um Preisverhandlungen geht. Nirgendwo wurde ich in Ägypten so übers Ohr gehauen wie hier, also es ist schon extrem und repräsentiert nicht ganz Ägypten.

Neben den drei großen Pyramiden gibt es noch mehr zu entdecken. Das Wüstenplateau ist übersät mit Gräbern, Tempelruinen und kleineren Pyramiden. Es gab auch mal ein Museum in dem eins der großen Boote zu bewundern war, mit denen wahrscheinlich die Mumie des toten Pharaos über den Nil zum Tempel und dann zur Grabkammer gebracht wurden. Diese Boote wurden dann in der Nähe der Pyramiden begraben um dem Pharao auch in der nächsten Welt Transport zu bieten. Dieses Boot ist leider nicht mehr zu sehen, es ist inzwischen im immer noch nicht geöffneten Grand Egyptian Museum (was ungefähr so ein Projekt zu sein scheint wie der Berliner Flughafen).

Man kann auch in eine dieser zwei kleineren Pyramiden hinein, die immer im Wechsel geöffnet haben. Aber auch das kostet extra, wenn auch deutlich weniger als der Eintritt in die Große Pyramide.

Essen im Mena House

Um sich von den Massen an den Pyramiden zu erholen bietet sich ein Mittagessen im Mena House an, einem Fünf-Sterne-Hotel nahe der Pyramiden mit mehreren Restaurants. Es ist eine wahre Oase der Ruhe und wir können durchatmen und die Eindrücke verarbeiten. Wir sitzen im großen Garten, es gibt aber noch ein Restaurant mit direktem Pyramiden-Blick, das hatte jedoch zur Zeit unseres Besuchs geschlossen.

Garten des Mena House
Garten des Mena House

Kairo

Kairo ist chaotisch, laut, lebendig, aber definitiv einen Besuch wert. Einen Tag in der Stadt sollte man einplanen wenn man schonmal hier ist. Der Verkehr in Kairo ist allerdings extrem anstrengend. Überall wird gehupt, die Straßen sind verstopft, jeder fährt wie er will und Straßen überqueren kann lebensgefährlich sein. Kein Wunder, bei knapp 20 Millionen Einwohnern in der Metropolregion Kairo. Übrigens die größte Metropolregion in Afrika und dem Mittlerem Osten. Kairo liegt am Nil, direkt dort wo die Wüste in das Nildelta übergeht. Kairo ist keine Pharaonenstadt, trotz der Nähe zu den Großen Pyramiden. Zu der Zeit als die Pyramiden gebaut wurden war Memphis die Hauptstadt, die 20km südöstlich von Gizeh liegt. Kairo wird auch „Die Stadt der tausend Minarette“ genannt, denn islamische Architektur herrscht hier vor. Die meisten Einwohner Kairos sind Muslime, etwa 10% sind Christen, die zur Koptischen Orthodoxen Kirche gehören.

Wir fahren mit einem Uber von unserem Hotel in Gizeh in die Innenstadt. Bei dem regen Verkehr dauert es eine dreiviertel Stunde, trotzdem zahlen wir umgerechnet nur etwa 4 Euro für die gesamte Fahrt, zuzüglich Trinkgeld. Uber ist die beste Variante sich innerhalb Kairos zu bewegen. Es ist unkompliziert und günstig. Mehr zum Thema Uber in Ägypten findet ihr am Ende des Beitrags. Wir nehmen uns einen Tag Zeit um die Stadt zu erkunden, was wirklich nicht genug ist. Man könnte hier Tage damit verbringen die Sehenswürdigkeiten anzuschauen und die intensive Atmosphäre aufzusaugen.

Ägyptisches Museum

Das Ägyptische Museum beherbergt eine der weltweit wichtigsten Sammlungen der Antike. Es ist vollgestopft mit den Schätzen der Pharaonen, Antiquitäten, Grabbeigaben und Sarkophagen. Es ist wie eine Zeitreise, die die Welt der Pharaonen wieder zum Leben erweckt. Allerdings gibt es keinerlei englische Beschilderung, ein Guide oder irgendeine Art von Reiseführer ist also empfehlenswert um ungefähr zu wissen was man sich da anschaut. Ich habe mich mit Hilfe der Erläuterungen des Lonely Planets durchgewurschtelt, aber dabei habe ich bestimmt was verpasst. Die Orientierung in dem Gebäude ist leider nicht so einfach.

Man verbringt hier gut und gerne mehrere Stunden, denn das Museum ist riesig. Über 100.000 Objekte finden sich auf etwa 15.000 m², die sich auf zwei Stockwerke verteilen. Leider sind die berühmten Mumien inzwischen nicht mehr hier, sondern im National Museum of Egyptian Civilization, das sicher ebenfalls einen Besuch wert ist. Übrigens ist es am besten morgens oder später am Nachmittag herzukommen, da es sonst recht voll werden kann. Aber sicher kein Vergleich zu der Zeit vor Corona. Außerdem besteht im Museum Maskenpflicht, worum sich die Ägypter sonst nicht groß scheren.

Am bemerkendwertesten ist die Sammlung der Grabschätze aus Tutanchamun Grab, allen voran die prächtige Totenmaske des Pharaos. Tatsächlich war Tutanchamun eher unbedeutend, regierte er doch nur neun Jahre. Er ist deshalb so berühmt, weil sein Grab im Tal der Könige erst spät ungeöffnet entdeckt wurde und somit von Plünderern verschont wurde. So wurden zahlreiche Schätze gefunden, die von den anderen Gräbern leider verloren sind. Leider darf man in diesem Raum mit der Sammlung keine Fotos machen, aber macht euch selbst ein Bild davon wenn ihr dort seid.

Weitere Highlights sind die schwarze Statue eines muskulösen Chephren (dem Pharao dessen Gesicht die Große Sphinx ziert und der die zweite Pyramide in Gizeh erbauen ließ), eine erste Version der berühmten Büste der Nofretete (die sich aus irgendeinem Grund in Berlin befindet), eine hölzerne Statue von Ka-Aper, das aus einem einzigen Stück Bergahorn gestaltet wurde, und der besonders lebendig wirkende Augen hat, die große Sandstein Kapelle, die mit wunderschönen Reliefs bemalt ist oder der wunderschöne Löwenthron von Tutanchamun, der mit Gold und Edelsteinen verziert ist.

Eintritt ins Ägyptische Museum: 200 EGP

Mittagessen bei Abu Tarek

Ägyptisches Street Food vom Feinsten gibt es bei Abu Tarek. Es ist super günstig und super lecker. Die Kellner sind sehr freundlich und sprechen Englisch. Anders als in vielen anderen, weit teureren Restaurants, war der Service hier sehr aufmerksam. Eigentlich gibt es nur ein Gericht, nämlich Kushari. Kushari ist ein traditionelles ägyptisches Gericht und besteht aus Linsen, Reis, kleinen Nudeln, Kirchererbsen und Röstzwiebeln. Oben drauf kommt eine Tomatensauce mit Essig. Es ist also sogar vegetarisch. Nirgendwo in Ägypten habe ich so gut gegessen wie hier. Und das für unter 5 Euro für zwei Hauptspeisen und zwei Colas. Absolute Empfehlung!

Koshary bei Abu Tarek
Koshary bei Abu Tarek

Bab Zuweila

Bab Zuweila ist eins der drei noch erhaltenen Stadttore der Altstadt Kairos. Hier kann man auf das Dach raufsteigen und hat eine schöne Sicht auf Kairo. Wer mag kann sogar noch auf zwei Minarette steigen um noch weiter hinauf zu gelangen. Die Treppe hier rauf ist allerdings gewunden, eng und stellenweise sehr dunkel. Von hier hat man noch eine tolle Aussicht auf die Sultan al-Muayyad Moschee. Die Taschenlampe auf dem Smartphone hilft hier weiter. Gebaut wurde das Tor im 11. Jahrhundert und ist das einzig verbleibende Südtor zu der mittelalterlichen Stadt Al Qhahira.

Eintritt Bab Zuweila: 40 EGP

Khan Al Khalili

Durch enge Gassen mit zahlreichen Ständen schlängeln wir uns bis zum Bazaar Khan Al Khlalili. Durch die Gassen quetschen sich Menschenmassen, Tuktuk, Motorräder und Eselskarren. Die noch engeren Gassen von Khan Al Khalili stellen praktisch ein mittelalterliches Einkaufszentrum dar. Die vielen Läden sind teilweise um kleine Innenhöfe arrangiert. Die Bewohner Kairos üben hier seit der Erbauung des Markts im 14. Jahrhundert ihr Handwerk aus. Neben Souvenirläden gibt es auch Areale für Goldverkäufer, Kupferschmiede und Gewürzhändler. Ein großer Komplex beherbergt zahlreiche Cafés mit gemütlich aussehenden Außenbereichen.

Wir winden uns wieder aus dem labyrinthischen Markt heraus und schlendern die Sharia Al Muizz Li Din Allah Straße entlang. Vorbei an Moscheen und beeindruckenden Gebäuden laufen wir bis zum Stadttor Bab Al-Futuh, einem weiteren Stadttor im Norden der Altstadt.

Abends wollen wir eigentlich noch zur Zitadelle um einen schönen Blick auf den Sonnenuntergang und die Pyramiden zu haben. Leider schließt die Zitadelle bereits um 16:30 Uhr, also nichts mit Sonnenuntergang. Leider kommt man nach Schließung auch nicht mehr auf das Gelände und hat somit keine Aussicht. Sehr schade, ich finde, sie lassen sich da einen perfekten Fotospot für Touristen zum Sonnenuntergang entgehen.

Saqqara, Memphis & Dahshur

Da unser Weiterflug nach Luxor erst spät abends geht, haben wir noch einen ganzen Tag Zeit zum Erkunden. Dafür bietet sich ein Ausflug nach Saqqara, Memphis und Dahshur an, was sich alles südlich von Gizeh befindet. Auch wenn die großen Pyramiden von Gizeh die berühmtesten sind, gibt es tatsächlich mindestens 118 Pyramiden in Ägypten. Immer noch werden weitere entdeckt. In Saqqara befindet sich die älteste Pyramide Ägyptens, die Stufenpyramide von Djoser. In Dahshur finden sich die Rote Pyramide, die Knickpyramide und die Schwarze Pyramide. Und Memphis war die ehemalige Hauptstadt Ägyptens zur Zeit der Pharaonen. Das schönste daran ist, dass es herrlich leer ist und man viel Ruhe hat die erstaunlichen Bauwerke zu erkunden. Nach dem wuseligen Gizeh und Kairo ist es eine echte Wohltat.

Leider kommt man mit Uber zwar hin, aber dann schlecht wieder weiter bzw. weg, da eher keine Uber-Taxis außerhalb von der Metropolregion Kairo unterwegs sind. Daher buchen wir uns für heute eine private Tour um die drei Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Wir bekommen sogar einen deutschsprachigen Guide, der uns alles Wissenswerte rund um die Pyramiden und die frühe Hauptstadt Memphis erzählt. Gebucht habe ich das ganz spontan im Internet auf viator.com, ein Tourenportal von Tripadvisor, was super geklappt hat. Jedem, der noch einen Tag Zeit übrig hat, empfehle ich wärmstens diesen Ausflug.

Dahshur

Wir starten mit Dahshur und der Roten Pyramide, der ersten „echten“ Pyramide. In Dashur sind Pyramiden aus der 4. und 12. Dynastie zu finden. Obwohl hier einst 11 Pyramiden standen, sind nur zwei aus dem Alten Reich (2.700 bis 2.200 v. Chr.) erhalten. Der erste altägyptische König der 4. Dynastie Snofru (Vater von Cheops) baute die Rote Pyramide, genauso wie die ältere Knickpyramide. Die zwei auffälligen Pyramiden sind etwa gleich hoch (105m) und gelten beide als dritt höchste Pyramiden in Ägypten nach den zwei größten in Gizeh. Diese Pyramiden sind nicht weniger beeindruckend als jene in Gizeh, aber es ist komplett leer hier und man hat alles für sich.

Die Rote Pyramide hat ihren Namen wahrscheinlich von dem rot schimmernden Kalkstein, nachdem die weiße Kalksteinummantelung entfernt wurde. Die Architekten hatten vom Bau der eher deformierten Knickpyramide gelernt und bauten sie im gleichen 43-Grad-Winkel im Gegensatz zu der Knickpyramide, die oben abgeflachter ist. In die Rote Pyramide kann man sogar reingehen, diesmal auch ohne eine extra Gebühr zu entrichten. Wir nutzen die Gelegenheit uns eine der Pyramiden von Innen anzusehen.

Viel zu sehen gibt es freilich nicht, aber es ist ein Erlebnis für sich die engen Schächte hinab zu steigen. Über viele steile Stufen müssen wir zuerst zum Eingang hinauf steigen um dann durch einen 63m langen Tunnel wieder hinabzusteigen. Den muss man gebückt nehmen, da er sehr niedrig gebaut wurde. Für Menschen mit Rückenproblemen ist es also nichts, aber meine 72-jährige Mutter hat den Ab- und folgenden Aufstieg gut gemeistert. Die hölzerne Rampe hat in regelmäßigen Abständen Leisten um nicht auszurutschen und es gibt auch ein Geländer an beiden Seiten. Wir gelangen in zwei große Vorräume und über eine Treppe schließlich zur Grabkammer, wo menschliche Überreste gefunden wurden, wahrscheinlich von Snofru selbst.

Die Knickpyramide war ein erster Versuch einer Pyramiden mit glatten Seiten. Die Architekten begannen mit dem gleichen steilen Winkel der Stufenpyramiden und der bewährten Technik der geneigten Schichten. Als die Pyramide aber instabil zu werden begann, änderten sie den Winkel auf flachere 43 Grad und verlegten das Mauerwerk in horizontalen Schichten. Dadurch entstand der einzigartige Knick, der sich bei keiner anderen Pyramide wiederfindet. Außerdem ist es auch einzigartig, dass ein Großteil ihrer Kalksteinummantelung noch intakt ist. Auch in diese Pyramide kann man hineingehen, der Einstieg ist allerdings schwieriger (länger und enger) als bei der Roten Pyramide, weshalb wir darauf verzichten.

Ein Stück weiter weg befindet sich auch noch die Schwarze Pyramide, die man nur aus der Ferne bewundern kann. Diese turmartige Pyramide wurde von Amenemhet III. (1855 bis 1808 v. Chr.) erbaut, ist aber mittlerweile zusammengestürzt und nur die Überreste aus Lehmziegeln sind noch vorhanden.

Eintritt Dahshur: 60 EGP

Memphis

Um 3.000 vor Christus vereinte der Pharao Narmer Oberes und Unteres Ägypten und gründete Memphis, gelegen am Beginn des Nildeltas. Für den Großteil der Zeit der Pharaonen war Memphis die Hauptstadt von Ägypten, obwohl später Theben (das heutige Luxor) zum Zentrum der Macht wurde. Memphis war gefüllt mit Palästen, Gärten und Tempeln, was sie zu einer der größten Städte der Antike machte. Memphis ist übrigens ein griechisches Wort, die alten Ägypter nannten die Stadt Ineb-hedj. Im 7. Jahrhundert wurde die Stadt aufgegeben.

Leider ist kaum mehr etwas von der einstigen Pracht übrig. Heute kann man ein paar Überreste beim Dorf Mit Rahina sehen. Es ist eine Art Freiluftmuseum, das um die kolossale Statue von Ramses II. gebaut wurde. Die 10m hohe Statue von Ramses II. liegt auf ihrem Rücken und gibt Gelegenheit ihre Details ganz aus der Nähe zu betrachten. Der Pharao wurde über 90 alt und regierte für 66 Jahre. In seiner langen Amtszeit war er für viele Gebäude in Ägypten verantwortlich. Weitere Ausstellungsstücke sind unter anderem eine Alabaster Sphinx aus dem Neuen Reich Ägyptens (1550 bis 1070 v. Chr) und zwei weitere Statuen von Ramses II. Es ist schwer sich vorzustellen, dass hier jemals eine große Siedlung stand.

Eintritt Memphis: 80 EGP

Saqqara

Weiter geht’s nach Saqqara, das mal ein riesiger Friedhof von Memphis war, der über 3.500 Jahre verwendet wurde, und gleichzeitig Ägyptens größte archäologische Stätte. Hier finden sich 11 Pyramiden, die größtenteils unter Sand versteckt waren bis sie Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt wurden und hunderte Gräber. Durch die riesige Säulenhalle betreten wir den Komplex und stehen dann vor der Stufenpyramide des Königs Djoser, der weltweit ältesten Pyramide. Gebaut wurde sie von Djosers Chefarchitekten Imhotep. Die Pyramide ist über 60m hoch und umgeben von einem weitläufigen Begräbniskomplex, der von einer 10m hohen Mauer umgeben war.

Vor dieser Pyramide waren die Gräber früherer Pharaonen flache Hügel, die größtenteils aus Schlamm bestanden. Während seiner 19-jährigen Herrschaft ließ Djoser dieses bis dahin nie dagewesenes Monumentalgrab errichten. Eine Zeit, die offenbar geprägt war von politischer und wirtschaftlicher Stabilität und Fortschritten in Wissenschaft und Bauwesen. Dabei war die Stufenpyramide ursprünglich als Mastaba geplant, einem bis dahin normalen Grabgebäude. Nach und nach wurde daraus eine immer höher werdende Pyramide.

Ganz in der Nähe liegt die Pyramide von Unas (rund 2350 v. Chr.). Viel ist nicht übrig von der Pyramide, aber von den Gräbern drumherum. Eins der schönsten Gräber hier ist das der Prinzessin Idut, die möglicherweise die Tochter von Unas war. Hier finden sich wunderschöne farbige Reliefs von Szenen des täglichen Lebens und das Herstellen von Opfergaben. Die detaillierten Szenen zeigen Fischer und Jäger, Bauern und Metzger. Eine Szene zeigt sogar ein Nilpferd bei einer Geburt, während ein Krokodil nur darauf wartet, dass Baby Hippo aufzufressen, was ein Symbol dafür ist wie nah Leben und Tod beieinander stehen.

Eintritt Saqqara: 120 EGP

2. Stopp: Luxor, Ort der Tempel und Königsgräber

Nach Luxor kann man von Kairo aus in einer Stunde fliegen, mit dem Bus (10h) oder mit dem Zug (10,5h) fahren. Luxor ist das vielleicht größte Freiluftmuseum der Welt. Nichts ist vergleichbar mit dem Ausmaß und der Größe der Monumente, die vom alten Theben erhalten geblieben sind. Alleine die Lage ist atemberaubend. Der Nil trennt die Stadt in den modernen Teil und die Nekropole auf der anderen Seite, dahinter ragen steile Felswände auf. Bereits 2119 v. Chr. entwickelte sich Theben zur Hauptstadt des Landes und blieb bis bis in die 18. Dynastie (1319 v. Chr.) eine wichtige Königsresidenz, Hauptkultort und Hauptnekropole Ägyptens. Zwischen 1353 und 1336 v. Chr. war Theben mit 80.000 Einwohnern sogar die größte Stadt der Welt.

Leider gibt es in Luxor kein Uber, weshalb es am besten ist sich eine Tour mit Fahrer und Guide zu buchen. Auch hier ist es kein Problem einen deutschsprachigen Guide zu bekommen und die wunderbare Naglia begleitet uns fachkundig auf unserer Tour zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Luxor. Die Stadt teilt sich in das Westufer, wo die ganzen Königsgräber und viele Tempel zu finden sind, und das Ostufer, wo sich die Innenstadt, die meisten Hotels und zwei große Tempel sowie das Luxor Museum befinden.

Es gibt noch so viel mehr zu entdecken als das was wir gesehen haben, aber leider sind die Entfernungen recht groß und man bräuchte immer einen Fahrer, der einen von einem Ort zum anderen bringt. Ein Fahrrad wäre vielleicht noch eine gute Alternative. Würde ich nochmal alleine oder mit mobileren Mitreisenden hinreisen, würde ich dieser Option definitiv eine Chance geben, denn es ist möglich Fahrräder in Luxor zu leihen. Das ist aber nur eine Option für den Winter, denn in Luxor wird es tagsüber sehr heiß. Besonders um die Mittagszeit herum empfiehlt es sich bei euren Ausflügen auf ausreichend Sonnenschutz und Wasser zu achten.

Kolosse von Memnon

Wir starten unseren Tag bei den zwei gesichtslosen 18m hohen Kolossen von Memnon, die einst Pharao Amenophis III. repräsentiert haben. Diese prächtigen Statuen sind jeweils aus einem einzigen Stück Stein gehauen und wiegen 1.000 Tonnen. Sie thronten einst vor dem nicht minder beeindruckenden Totentempel von Amenophis III., der hinten ihnen immer noch ausgegraben wird. Täglich werden neue Entdeckungen gemacht.

Eintritt frei

Kolosse von Memnon
Kolosse von Memnon

Tal der Könige

Das Tal der Könige ist über Ägypten hinaus berühmt und eine der besten Sehenswürdigkeiten in Luxor. Es ist die königliche Begräbnisstätte für Pharaos von den 18. bis 20. Dynastien vom Neuen Reich. Berühmte Könige wie Tutanchamun, Ramses II. und Seti I. wurden hier begraben. Die Gräber wurden zwischen 1539 und 1075 v. Chr. erbaut. Es gibt über 60 Gräber in diesem Gebiet, obwohl nur eine Handvoll davon öffentlich zugänglich sind. Es werden auch immer noch neue Gräber entdeckt. Der wohl berühmteste Fund war das Grab von Tutanchamun, das ungeöffnet und voller Schätze entdeckt wurde. Durch diese Gräber zu wandeln ist wie von den Göttern selbst ins Jenseits geführt zu werden, ganz wie ein Pharao.

Mit dem Eintrittsticket zum Tal der Könige könnt ihr drei Gräber besuchen. Wir haben die Gräber von Ramses III., Ramses I., Merenptah und zusätzlich das von Ramses VI. besucht.. Das Grab von Seti I. soll sehr schön sein, aber mit 1.000 EGP Eintritt ist das exorbitant teuer und darauf verzichten wir.

Das Grab von Ramses III. ist eins der interessantesten und am besten erhaltenen. Ein langer Korridor führt 125m in den Berg hinein und schließlich in eine große achtsäulige Grabkammer. Farbenfrohe Reliefs zeigen die traditionellen rituellen Texte und Ramses vor den Göttern.

Beim Tod von Ramses I. war sein Grab noch unvollendet und ist daher eher einfach gehalten. Es hat den kürzesten Eingangskorridor und führt zu einer kleineren aber schön dekorierten Grabkammer mit einem Sarkophag.

Das Grab von Merenptah ist das zweitgrößte im Tal der Könige. Merenptah war der 13. Sohn von Ramses II., der ihm schließlich auf den Thron folgte. Fluten haben den unteren Teil der Wände beschädigt, aber darüber finden sich wunderschöne Reliefs. Der Gang zur Grabkammer ist lang und tunnelartig. Der Pharao wurde in vier steinernen Sarkophagen begraben, einer davon ist noch zu sehen.

Zum Grab von Ramses VI. gelangt man durch einen langen Korridor. Es ist eins der spektakulärsten Gräber im Tal der Könige. Die Wände und Säulen sind mit prächtigen und gut erhaltenen Reliefs von Hieroglyphen und bunten Bildern behauen. Das Grab wurde eigentlich von Ramses V. begonnen und schließlich von Ramses VI. beendet. Die Decke der Grabkammer ist wunderschön mit Szenen aus dem Buch des Tages und der Nacht dekoriert.

Diese nächtliche Landschaft in Schwarz und Gold zeigt die Himmelsgöttin Nut wie sie jeden Abend die Sonne schluckt um sie in einem endlosen Kreislauf jeden Morgen wieder zu gebären, so wie die Seelen der toten Pharaonen wiederbelebt werden. Die Wände der Grabkammer sind mit Bildern von Ramses VI mit verschiedenen Gottheiten und mit Szenen aus dem Buch der Erde dekoriert. Da der Besuch dieses Grabs einen zusätzlichen Eintritt verlangt ist es hier deutlich ruhiger als in den anderen Gräbern, wo es teilweise recht voll ist. Alleine dafür lohnt es sich schon das Grab anzusehen.

Eintritt ins Tal der Könige: 240 EGP
Elektrischer Zug vom Eingang zu den Gräbern: 4 EGP
Zusätzlich Eintritt ins Grab von Ramses VI.: 100 EGP
Zusätzlich Eintritt ins Grab von Seti I.: 1.000 EGP 
Zusätzlich Eintritt ins Grab von Tutankhamun: 300 EGP

Hatschepsut Tempel

Der Tempel von Königin Hatschepsut ist mit seinen drei Terrassen und deren offenen Pfeilerhallen inmitten der 300m hohen Felsen sehr besonders. Königin Hatschepsut (1479 bis 1458 v. Chr.) war eine der einflussreichsten weiblichen Herrscherinnen vom Alten Ägypten und regierte 20 Jahre lang. Sie brachte Ägypten großen Wohlstand und konnte so zahlreiche Bauwerke errichten. Der Hatschepsut Tempel ist ein sogenanntes Millionenjahrhaus in dem eine mystische Vereinigung des jeweiligen Königs/der Königin dargestellt wird, die im Glauben der Alten Ägypter die Fortexistenz der Königs/der Königin bewirkte. So setzen sie sich schon zu Lebzeiten ein Denkmal, in dem sie verehrt wurden. Der Tempel wurde über die Jahrhunderte weg immer wieder vandalisiert. Thutmosis III. hat den Namen seiner Stiefmutter überall ausgelöscht, Echnaton entfernte alle Hinweise auf Amun und frühe Christen verwandelten den Tempel gar in ein Kloster.

Über einen großen Hof gelangt man in den Gebäudekomplex, wo noch alte Baumwurzeln von einem einst prächtigen Garten zeugen. Auf der ersten Terrasse finden sich Reliefs von dem Transport von zwei Obelisken von Assuan nach Theben sowie solche von der Vogeljagd. Eine große Rampe führt zu den zwei oberen Terrassen. Die am besten erhaltenen Reliefs sind auf der mittleren Ebene. Sie zeigen Hatschepsuts göttliche Geburt und die Geschichte der Expedition nach Punt, einer Art Eldorado in früheren Zeiten. Von hier wurden Weihrauch, Ebenholz und Tiere mitgebracht. Da die Bilder den Transport ganzer Weihrauchpflanzen zeigen, gilt diese Expedition als die erste botanische Sammelreise der Geschichte. Die obere Terrasse beherbergte 24 riesige Osiris Statuen, von denen noch ein paar übrig sind. Außerdem findet sich hier die Kapelle des Amun-Re.

Eintritt zum Hatschepsut Tempel: 140 EGP

Karnak Tempel

Der Karnak Tempel ist der zweitgrößte Tempelkomplex der Welt, gleich nach Angkor Wat in Kambodscha. Für mehr als 2.000 Jahre, beginnend im Jahr 2000 v. Chr. wurden Tempel, Monumente und Gebäude zu dem Komplex hinzugefügt. Etwa 30 Pharonen sollen etwas zum Karnak Tempel hinzugefügt haben. Während des Neuen Reichs war Karnak die wichtigste Anbetungsstätte Ägyptens. Mit dem Tempel sollte der Sonnen-, Wind- und Fruchtbarkeitsgott Amun-Re verehrt werden, der gleichzeitig Lokalgott und später sogar Reichsgott war. Der Eingang mit seinem Pylon (ein doppeltürmiges Bauwerk typisch für Ägypten) ist gesäumt von Sphinxen mit Widderköpfen. Wir gelangen auf einen Vorplatz mit einer riesigen Statue von Ramses II. mit einer kleinen Statue seiner Tochter zwischen seinen Beinen. Danach gelangen wir in die Ehrfurcht gebietende Säulenhalle, mein Lieblingsteil des gesamten Tempels. Hier stehen 134 massive Säulen, die wie Papyrus aussehen und mit verschlungenen Steinmetzarbeiten verziert sind. Es ist wie ein Wald aus Säulen. Diese Halle wurde von Amenophis III. begonnen und wurde erst von Seti I. zu Ende gebracht. Ramses II. hat dann noch weitere Dekorationen zu den Säulen und Wänden der Halle hinzugefügt.

Von hier gelangen wir zum Inneren Tempel, wo ein beeindruckender 30m hohe Obelisk steht, der von Königin Hatschepsut zu Ehren Amun-Res errichtet wurde. Er ist der höchste Obelisk in Ägypten. Es gab sogar noch einen zweiten, der jedoch zerbrochen ist und dessen oberer Teil in der Nähe des Heiligen Sees zu finden ist. Nun folgen die älteren Teile des Karnak Tempels. Diese sind kleiner und haben nicht mehr die Monumentalität dessen was wir bereits gesehen haben. Da jeder Pharao den letzten übertreffen wollte, sind es die neueren Teile, die größer und beeindruckender sind. Schließlich kommen wir zum Tempel von Thutmosis III. und zum Tempel von Mut (der Gattin von Amun-Re). Außerdem ist hier noch der Heilige See zu finden, wo es auch ein Café gibt. Der Cola Tempel, wie Naglia es nennt.

Eintritt zum Karnak Tempel: 200 EGP

Luxor Tempel

Der Luxor Tempel wirkt wie eine kleinere Version des Karnak Tempels. Er diente jedoch einem anderen Zweck als die meisten anderen Tempel. Er war nicht einem bestimmten Gott oder Pharao gewidmet, sondern war der Ort wo die Könige des Alten Ägyptens gekrönt wurden. Erbaut wurde der Tempel 1400 v. Chr., größtenteils von Amenophis III. und Ramses II. Wir stehen vor dem ersten Pylon und damit direkt vor zwei riesigen Statuen von Ramses II., die den Tempel bewachen. Nur noch ein Obelisk findet sich hier, der zweite ist in Paris auf dem Place de la Concorde.

Von hier gelangen wir zum Hof von Ramses II., wo sich auch eine Moschee befindet. Sie ist ein Überbleibsel aus dem 14. Jahrhundert als die Menschen ihre Stadt in den Tempel hineinbauten. Wir gehen durch einen beeindruckenden Säulengang zum Hof von Amenophis III., von dem man zu einem Vorzimmer gelangt, wo Opfergaben für Amun aufbewahrt wurden. Ein weitere Vorzimmer wurde von den Römern im 4. Jahrhundert in eine Kirche verwandelt und die Wände mit christlichen Bildern übermalt. Dahinter befindet sich das Sanktuar, das für die Barke Amuns bestimmt war. Bilder zeigen Alexander den Großen vor verschiedenen Göttern.

Vom Tempel weg führt eine 2,7km lange von Sphinxen gesäumte Allee, die den Karnak Tempel mit dem Luxor Tempel verbindet. Es war eine alte Prozessionsstraße, die für ein jährliches Festival benutzt wurde bei dem aufgrund von Überschwemmungen die Statuen von Amun und Mut vom Karnak Tempel zum Luxor Tempel überführt wurden. Geschätzte 1.350 Sphinxen sind hier zu sehen. Wer gut zu Fuß ist kann den ganzen Weg zwischen den zwei Tempeln gehen, am besten aber nicht in der Mittagshitze, denn hier gibt es keinerlei Schatten.

Abends, nach Sonnenuntergang, ist der Tempel wunderschön beleuchtet und es lohnt sich ihm noch einen zweiten Besuch abzustatten.

Eintritt in den Luxor Tempel: 160 EGP

Ballon-Fahrt

Ein absolutes Highlight der gesamten Reise ist die Fahrt mit dem Heißluftballon. Es ist wahnsinnig schön über all den Monumenten zu schweben, die man zuvor erkundet hat. Allen voran der Hatschepsut Tempel und das Ramesseum. Man überblickt die Berge und den Nil mit seiner weiten Ebene mit den fruchtbaren Feldern. Und natürlich ist auch der Sonnenaufgang nicht zu verachten. Es stand schon lange auf meiner Wunschliste eine Ballon-Fahrt zu machen und Luxor ist ein wunderbarer Ort dafür. Das einzige Manko ist, dass man unglaublich früh aufstehen muss (ca. 4 Uhr morgens) um zum Sonnenaufgang im Ballon zu sein. Aber es ist noch genug Zeit für ein kleines Nickerchen zwischen Ballonfahrt und dem Start in den Tag. Bilder sagen mehr als tausend Worte, also schaut euch diese wunderschönen Fotos an.

Eine Ballonfahrt kostet um die 55 USD pro Person und dauert etwa 45 Minuten.

Luxor Museum

Das Luxor Museum beherbergt viele Schätze, die im Gebiet von Luxor gefunden wurden. Hier gibt es auch zwei Mumien zu sehen. Im Gegensatz zum Ägyptischen Museum in Kairo gibt es hier englischsprachige Erläuterungen, was den Besuch deutlich einfacher macht. Zu den Highlights gehören eine Alabasterfigur von Amenophis III. der vom Krokodilgott Sobek beschützt wird und die Mumien von Ahmose I. und eine Mumie von der angenommen wird, dass sie Ramses I. ist.

Ein paar Worte zur Mumifizierung: Die alten Ägypter glaubten, dass wenn sie ein gutes gerechtes Leben geführt haben, ihre Seele unsterblich werden und den Körper wiederbeleben könne. Darum war die Mumifizierung so wichtig. Sie entwickelte sich über 3.000 Jahre und variiert je nach Zeit, Reichtum und Status des Verstorbenen. Bei der idealen Mumifizierung wurde das Gehirn durch die Nase entfernt und mit geschmolzenen Harz ersetzt. Magen, Darm und Leber wurden heraus genommen, separat getrocknet und in speziellen Krügen aufbewahrt oder zurück in den Körper gelegt. Als nächstes wurde der Leichnam mit Palmwein gewaschen, mit Leinentüchern getrocknet und dann zum Entfetten und Austrocknen für 40 Tage in Natron getaucht. Während der nächsten 30 Tage wurde der Körper gewaschen und geölt. Gebete wurden ihm vorgelesen und er wurde in Leinenbandagen mit Amuletten eingewickelt.

Dann wurde die Mumie zum Grab gebracht. Am Grab führten Priester ein Mundöffnungsritual aus bei dem die Sinne wiederhergestellt wurden. Die Mumie wurde nun in die Sarkophage gelegt und begraben. Die Ägypter glaubten, dass der Geist des Verstorbenen nun in einen Gerichtshalle kam, wo das Herz gegen das Symbol von der Göttin der Wahrheit, Maat, gewogen wurde. Falls das Herz schwerer war, würde das Monster Ammit den Verstorbenen verschlingen. Wenn das Herz aber mit Maat ausbalanciert war, würde Osiris, der Totengott, erscheinen und den Verstorbenen in sein ewiges Leben in eine göttliche und perfekte Version Ägyptens mitnehmen.

Auch die Serien aus kleineren Sandsteinblöcken, Talatat genannt, die Echnaton, seine Frau Nofretete und das Tempelleben darstellen. Links vor dem Ausgang befindet sich noch eine kleine Halle, die 16 der 22 Statuen zeigt, die im Luxor Tempel gefunden wurden. Besonders beeindruckend ist die große Statue eines muskulösen Amenophis III.

Eintritt ins Luxor Museum: 140 EGP

Spaziergang am Nil

Nach dem Besuch im Luxor Museum lässt es sich hervorragend am Nil zurück zum Luxor Tempel zurück spazieren. Dabei ist nicht nur das Ufer des Nils und der Anblick all der vielen Boote – von Feluccas bis hin zu den großen Nilkreuzfahrtschiffen – schön, sondern auch die zahlreichen Street Art Bilder und Reliefs von altägyptischen alltäglichen Szenen. Auch den Luxor Tempel sieht man nochmal von außen. Wer Lust hat spaziert bis zum Winterpalast, einem wunderschönen 5-Sterne-Hotel mit Restaurants. Zwischendurch gibt es immer wieder Bänke am Ufer um sich auszuruhen und die Aussicht zu genießen. Aber Achtung, dabei wird man ganz schön oft nach Fotos gefragt. Ich bin dabei in guter Laune, weil die Damen auch immer sehr nett gefragt haben, und mache einige Fotos zusammen mit ihnen.

Felucca-Fahrt

Der beste Ort am späten Nachmittag ist der Nil und am besten lässt sich dieser auf einem der traditionellen Segelboote erkunden, Feluccas genannt. Es ist wunderschön sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und den Sonnenuntergang über dem Wasser zu beobachten. Eine beliebte Tour ist es bis zur Bananeninsel zu fahren, eine kleine Insel voller Bananenbäume. Leider hat es heute kaum Wind und wir werden von einem Motorboot bis zur Insel geschleppt und segeln bzw. treiben dann gaaaanz langsam zurück, mit gelegentlicher Unterstützung an den Rudern.

Unser Kapitän ist unglaublich nett und versorgt uns immer wieder mit frischem Tee. Sein junger Neffe Abdallah legt kräftig Hand an und führt uns über die Insel. Wir fahren vorbei am Luxor Tempel und dem Winterpalast, einem historischen 5-Sterne-Hotel. Am Ende der Tour haben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Nil. Unser Kapitän klettert geschickt hinauf auf den hohen Mast um die Segel einzuholen während wir langsam zurück in den Hafen einfahren.

Mit diesen Feluccas kann man sogar den ganzen Weg (210km) von Assuan nach Luxor segeln, das dauert aber länger als mit den großen Schiffen und ist sehr vom Wind abhängig. In der Regel dauert diese Fahrt zwei bis drei Tage. Die großen Schiffe auf der Nilkreuzfahrt benötigen zwei Tage, aber inklusive der Ausflüge an Land.

Eine Feluccafahrt kostet um die 9 USD pro Person und dauert zwei bis drei Stunden.

Hotel- und Restauranttipps

Wir sind im Nefertiti Hotel untergekommen, das eine wunderschöne Aussicht auf Nil und Luxor Tempel von der Dachterrasse hat. Das Frühstück ist super und auch das Restaurant kann sich sehen lassen. Ein anderes empfehlenswertes Restaurant wäre das Sofra ein Stück stadteinwärts, und der Winterpalast, der eine Oase der Ruhe und genauso grün ist. Wer ein größeres Budget hat, kann auch im Winterpalast übernachten.

3. Stopp: Hurghada, Relaxen am Roten Meer

Eine fünfstündige Busfahrt verbindet Luxor mit Hurghada am Roten Meer. Dabei fährt man durch die endlos erscheinende Wüste. Wir sind für 200 EGP pro Person mit Go Bus gefahren. Dieser ist zwar recht zuverlässig, aber die Klimaanlage hat nicht funktioniert und es war doch recht heiß auf der Fahrt.

Tauchen & Entspannen

Für die letzten vier Tage in Ägypten haben wir uns in einem All-Inclusive-Hotel am Meer eingebucht. Hier verbringen wir unsere Zeit mit Entspannen und ich gehe auch an zwei Tagen tauchen. Mit dem Boot fahren wir zu schönen Tauchplätzen in der unmittelbaren Umgebung. Wenn man noch länger hier ist kann man auch an einem der zahlreichen Ausflüge zu weiter entfernten Tauchspots und Wracks teilnehmen, die mindestens einmal die Woche stattfinden. In unserem Hotel ist die Tauchbasis Blue Water Dive Resort, die sehr gut und sogar deutschsprachig ist.

Bei meinen vier Tauchgängen besuche ich das Riff Fanadir, Shaab Samir und das Hausriff direkt am Hotel. Dabei sehe ich Clownfische, Muränen, Feuerfische, Steinfische, Blaupunktrochen, die ein oder andere Schnecke und sogar einen Anglerfisch. Mit 22°C Anfang März ist das Wasser nicht gerade warm, aber in einem 5mm Anzug mit Hoodie ist es gut erträglich. Wegen zu viel Wind legen wir einen der Tauchgänge am Hausriff ein, das überraschend schön ist. Es ist also auch zum Schnorcheln zu empfehlen.

Am Hotel gefällt mir besonders gut, dass es hier viele Katzen gibt :)

Gut zu wissen

Uber
Uber ist die beste Erfindung überhaupt. Es sind eine nervigen Verhandlungen nötig, bei denen der Fahrer am Ende doch mehr verlangt oder kein Wechselgeld zurück gibt. Sämtliche Zahlungen inkl. Trinkgeld laufen bargeldlos über die App. Die Preise sind absolut fair und deutlich günstiger als herkömmliche Taxis, bei denen keiner ein Taxameter anschaltet. Auf der Karte kann man stets per GPS verfolgen wie weit der/die Fahrer:in noch entfernt ist, wie er/sie aussieht und welches Auto er/sie fährt. Genauso kann man verfolgen wo man auf dem Weg zum Ziel langfährt. Und wenn irgendetwas schief geht, kann man den Fahrer bei Uber melden. Leider gibt es in Luxor kein Uber, was die Logistik deutlich verkompliziert. Aber in Kairo und in Hurghada haben wir uns mit Uber super einfach und stressfrei durch die Gegend bewegt. Ich habe mich nie unsicher gefühlt, auch nicht als alleinreisende Frauen.

Ägyptische SIM-Karte
Dafür ist eine lokale SIM-Karte Gold wert. Ich habe eine von Orange direkt am Flughafen in Kairo gekauft. 40 GB haben mich hier 32$ gekostet.

Visum
Ein Visa on Arrival lässt sich für 25$ einfach am ägyptischen Ankunftsflughafen besorgen und gilt für 30 Tage.

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    Annika

    Ich bin verliebt in die Welt, ihre Berge und das Abenteuer. Seit jeher beschäftigt mich eine starke Sehnsucht nach einem intensiven Leben. Dabei bedeuten Wandern und Reisen für mich pure Freiheit und Glück. Auf diesem Blog lest ihr alles über meine Abenteuer auf der ganzen Welt

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