Ein gültiges Visum bedeutet nicht automatisch eine problemlose Einreise in die USA. Die finale Entscheidung liegt bei der US-Grenzschutzbehörde (CBP), und es kann trotz korrekter Unterlagen zu Zurückweisungen oder intensiveren Prüfungen kommen. Ihr bekommt keine Anhörung und keinen Anwalt. Das gilt auch für Visa-Inhaber. Diese Erfahrung musste ich leider selbst machen: Trotz eines gültigen B2-Visums wurde ich am 24. Februar 2025 an der Grenze abgewiesen und abgeschoben. Dabei war ich zuvor mehrfach problemlos mit demselben Visum eingereist, unter anderem für den PCT 2022 und den CDT 2024, jeweils für sechs Monate, sowie für mehrere kürzere Aufenthalte von vier bis sechs Wochen in 2023 und 2024.
Grundsätzlich würde ich momentan von einer Einreise abraten, da es vermehrt zu Inhaftierungen und Abschiebungen europäischer Touristen kommt – auch wenn sie ein gültiges Visum besitzen und alle erforderlichen Dokumente vorlegen können (siehe Abschnitt „Aktuelle Fälle von Einreiseverweigerung und Abschiebung“). Falls ihr jedoch bereits alles für euren Thru-Hike vorbereitet habt – Arbeit gekündigt, Wohnung untervermietet, Visum besorgt, Flug gebucht – solltet ihr nicht in Panik geraten, aber unbedingt vorbereitet sein. Daher möchte ich euch einige Empfehlungen zur Vorbereitung auf die Einreise geben. Kürzlich hat auch das Auswärtige Amt seine Reisehinweise diesbezüglich aktualisiert.
Inhaltsverzeichnis
ToggleEmpfehlungen für die Einreise
Wichtige Dokumente
Folgende Unterlagen sind hilfreich:
- Auslandskrankenversicherung
- Kontoauszug und falls vorhanden, Nachweise über passive Einkommen
- Permits für euren Thru-Hike, falls vorhanden
- Planung eures Thru-Hikes (Ort und Datum von Start und Ende, Dauer, Route)
- Dokumentation eurer bisheriger Thru-Hikes in den USA (Instagram-Kanal, Blog, Fotos etc.)
- Rückflugticket
Zusätzlich solltet ihr Hinweise über eure Verbindungen zu Deutschland vorbringen und gegebenenfalls Nachweise mitbringen:
- Familie und Freunde
- Krankenversicherung
- Arbeitslosenversicherung
- Eigentumswohnung/Haus oder Mietvertrag
- Arbeitsvertrag, falls vorhanden
- Geplante zukünftige private, berufliche oder akademische Verpflichtungen
Bereitet alle Dokumente vor und legt sie direkt beim ersten Kontakt mit dem Grenzbeamten vor – auch wenn nicht explizit danach gefragt wird. Oft werden Unterlagen nur stichprobenartig geprüft oder erst angefordert, wenn bereits Zweifel bestehen. Indem ihr sie proaktiv vorlegt, könnt ihr mögliche Missverständnisse vermeiden und den Prozess beschleunigen.
Alles, das zeigt, dass ihr nicht plant, ein Leben in den USA anzufangen und vor allem: dort nicht illegal arbeiten zu wollen. Mir und anderen Europäern wurde dieser Vorwurf gemacht, obwohl wir keine entsprechenden Absichten hatten. In meinem Fall vermuteten die Grenzbeamten dies vermutlich aufgrund meiner zwei längeren Aufenthalte in den USA und meiner Selbstständigkeit. Sie stellten wiederholt Fragen zu meiner finanziellen Situation und mir wurde unterstellt, ich hätte illegal in den USA gearbeitet. Auch wurde infrage gestellt, was ich wirklich bei meinen bisherigen Aufenthalten gemacht habe.
Als ich mich beim Verhör im Hinterzimmer befand, weigerten sich die Grenzbeamten, meine vorliegenden Nachweise zu sichten. Ich fragte mehrfach, ob sie meine Unterlagen sehen möchten, doch sie lehnten dies ab. Ob es eine Möglichkeit gibt, sie doch dazu zu bewegen, ist schwer zu sagen – vielleicht könnte es helfen, bereits beim ersten Gespräch alle Dokumente unaufgefordert vorzulegen, um von Anfang an einen guten Eindruck zu machen. Wenn ihr selbstständig seid oder längere Aufenthalte plant, solltet ihr besonders gut belegen können, dass ihr eure Einnahmen außerhalb der USA erzielt und dort keine bezahlte Arbeit annehmt.
Typische Fragen der US-Grenzbeamten
Seid euch bewusst, dass die Grenzbeamten eure Pläne nicht zwangsläufig kennen oder verstehen.
- Seid ehrlich, aber gebt nur die Informationen preis, die notwendig sind.
- Vermeidet es, den Eindruck zu erwecken, dass ihr plant, in den USA zu bleiben oder dort eine Zukunft aufzubauen.
- Falls ihr in der Vergangenheit bereits ausgereist seid, könnt ihr das erwähnen, um zu zeigen, dass ihr euch an die Regeln haltet.
Bereitet euch auf folgende Fragen vor:
Warum möchtet ihr in die USA einreisen?
Beschreibt eure Pläne so detailliert wie möglich. Erklärt, was ein Thru-Hike ist, wo er beginnt und endet, und wie lang ihr unterwegs sein werdet. Geht nicht davon aus, dass die Beamten die bekannten Trails wie den PCT oder CDT kennen.
Wie lange plant ihr in den USA zu bleiben?
Für den PCT und CDT in der Regel sechs Monate mit einem B2-Visum.
Plant ihr, in den USA zu bleiben?
Verneint diese Frage und verweist auf eure engen Verbindungen zu Deutschland. Belegt dies mit Dokumenten.
Habt ihr ein Rückflugticket?
Ein flexibles Ticket mit Umbuchungsmöglichkeit ist empfehlenswert. Lufthansa bietet dies in den Classic-, Flex- und Business-Class-Tarifen an. Zeigt diesen Rückflug ungefragt vor.
Was habt ihr bei vorherigen Reisen in die USA gemacht?
Listet längere Aufenthalte auf, insbesondere vorherige Thru-Hikes. Beispiel: PCT 2022, CDT 2024.
Als was arbeitet ihr und habt ihr einen Arbeitgeber?
Diese Frage kann heikel sein. Falls ihr ein Sabbatical habt, bringt eine Bescheinigung eures Arbeitgebers mit. Falls ihr keinen Arbeitgeber habt, könnt ihr andere Nachweise für eure Rückkehr nach Deutschland vorlegen, z. B. einen Mietvertrag, eine Studienbescheinigung, eine geplante Weiterbildung oder ein Schreiben über zukünftige berufliche Pläne. Wenn ihr selbstständig seid oder gekündigt habt, betont eure Pläne zur Rückkehr in den Beruf in Deutschland.
Wie ist eure finanzielle Lage?
Legt dar, welches Budget ihr für den Thru-Hike eingeplant habt (z. B. ca. 10.000 USD für den PCT oder CDT) und belegt eure finanziellen Mittel mit Kontoauszügen. Erwähnt eventuelle passive Einkommensquellen.
Eine Auslandskrankenversicherung, die Behandlungen und eine Evakuierung im Notfall abdeckt, ist essenziell. Zeigt eure Police vor.
Kennt ihr Personen in den USA?
Diese Frage kann kritisch sein. Falls ihr Freunde oder gar einen Partner in den USA habt, solltet ihr vorsichtig sein und keine missverständlichen Aussagen machen, die den Verdacht erwecken könnten, dass ihr länger bleiben oder arbeiten wollt. Deshalb ist es wichtig, die Antwort sorgfältig zu formulieren.
- Falls ihr niemanden in den USA kennt: Antwortet ehrlich mit „Nein“. Es ist nicht nötig, vage zu bleiben oder mehr Informationen preiszugeben, als gefragt wird.
- Falls ihr nur lose Bekanntschaften oder Trail Angels kennt: „Ich habe auf früheren Wanderungen Trail Angels getroffen, die Wanderern unterwegs helfen, aber ich habe keine privaten oder engen Kontakte in den USA.“
- Falls ihr Freunde oder Familie in den USA habt: Es ist ratsam, offen zu sein, aber zu betonen, dass ihr nicht dort wohnen werdet. Eine mögliche Antwort wäre: „Ja, ich kenne Leute, aber ich werde in Hotels, Hostels oder auf Campingplätzen übernachten und habe bereits eine Unterkunft für die ersten Tage gebucht.“
- Falls ihr einen Partner in den USA habt: Antwortet ehrlich, aber betont, dass ihr nur für den geplanten Zeitraum bleibt und keine dauerhaften Aufenthaltsabsichten habt. Eine mögliche Antwort wäre: „Ja, mein Partner lebt in den USA, aber wir führen eine Fernbeziehung und ich werde mich während meines Aufenthalts unabhängig versorgen. Mein Rückflug ist bereits gebucht und ich habe meine Verpflichtungen in Deutschland.“
Falls die Beamten weitere Fragen stellen, bleibt ruhig und verweist auf eure klaren Reisepläne und Verbindungen nach Deutschland, wie Mietvertrag, Krankenversicherung oder berufliche Verpflichtungen.
Habt ihr eine Unterkunft für die ersten Nächte?
Eine gute Antwort wäre eine Reservierungsbestätigung eines Hotels oder ein plausibler Plan für die ersten Tage.
Red Flags – Was Grenzbeamte misstrauisch machen kann
Einige Merkmale oder Umstände können von Grenzbeamten als verdächtig eingestuft werden – selbst wenn sie harmlos erscheinen. Hier eine Übersicht typischer Red Flags:
- Frühere Aufenthalte in den USA, besonders wenn sie länger als nur ein paar Wochen waren
- Frühere Visa-Probleme, auch wenn sie bereits Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen
- Gesetzeskonflikte, egal ob in den USA oder im Heimatland – selbst wenn sie lange her sind
- Kein fester Arbeitgeber im Heimatland
- Amerikanischer Partner (Verdacht auf Einwanderungsabsicht)
- Vorherige besuchte Reiseländer wie z. B. Iran
- Kein Rückflugticket
- Ungewöhnliche Reisepläne, z. B. ein monatelanger Thru-Hike
- Fehlende Unterkunftsdetails für die ersten Tage
- Häufige Ein- und Ausreisen in kurzer Zeit
- Widersprüchliche oder unklare Aussagen im Interview
- Hinweise auf (auch unbezahlte) Arbeit in den USA in Social Media-Profilen (taggt keine amerikanische Marken oder Plattformen, während ihr euch auf amerikanischen Boden befindet, erwähnt kein „Remote Work“, „Work for Stay“, Spendenaufrufe oder ähnliches, da dies als Hinweis auf eine nicht erlaubte Tätigkeit gewertet werden kann)
Auch der gewählte Einreiseort kann eine Rolle spielen. An einigen Flughäfen und Landesgrenzen ist das Immigration-Screening besonders streng:
Flughäfen mit strenger Einreisekontrolle:
1. Boston Logan International Airport (BOS)
2. Newark Liberty International Airport (EWR, New Jersey)
3. Miami International Airport (MIA)
4. John F. Kennedy International Airport (JFK, New York)
5. Dallas/Fort Worth International Airport (DFW)
6. Houston George Bush Intercontinental Airport (IAH)
7. Chicago O’Hare International Airport (ORD)
Landesgrenzen mit besonders genauer Kontrolle:
1. San Ysidro/Tijuana Border (Kalifornien–Mexiko)
2. El Paso/Juárez Border (Texas – Mexiko)
3. Detroit-Windsor Border (Michigan – Kanada)
4. Blaine, Washington (Washington – Kanada)
Wenn ihr in eine dieser Kategorien fallt oder über einen dieser Orte einreisen wollt, bereitet euch besonders gründlich vor. Das heißt: Alle Unterlagen bereit haben, glaubwürdige Rückkehrperspektiven darlegen und auf kritische Fragen eingestellt sein.
Aktuelle Fälle von Einreiseverweigerung und Abschiebung
In jüngster Zeit (Februar/März 2025) gab es mehrere Vorfälle, bei denen europäische Touristen abgewiesen oder sogar inhaftiert wurden. Hier einige Beispiele:
Und weitere Fälle von Leuten mit Aufenthaltsgenehmigung und Green Card
Eine ausführliche Schilderung meines eigenen Falls (Einreise über Miami Airport)
Dieses Zitat fasst es gut zusammen (Quelle: USA Today)
Nora Ahmed, legal director of the ACLU of Louisiana, said immigrants in legal limbo of any kind should take precautions if they plan to travel.
„The unfortunate answer is they have to be worried,“ she said. „If you are not a citizen of the United States, and you are going through an immigration process, your first thought needs to be: How can this process be weaponized against me?“
David Rozas, an immigration attorney representing Muñoz, agreed: “Anyone who isn’t a legal permanent resident or U.S. citizen is at risk – period.“
Fazit
Die Einreise in die USA kann selbst mit gültigem Visum problematisch sein. Wer plant, für einen Thru-Hike in die USA zu reisen, sollte sich bestmöglich vorbereiten und alle relevanten Dokumente griffbereit haben. Eine kritische Einschätzung der eigenen Situation und ein durchdachter Plan können helfen, Probleme an der Grenze zu vermeiden.
Eine Antwort
Grandios! Danke, dass du deine Erfahrungen teilst und extrem hilfreiche Tipps erarbeitet hast, um anderen diese Situation hoffentlich zu ersparen.
Es gibt keine Garantie in einem willkürlichen System, aber immerhin hilft es, nicht ganz unvorbereitet zu sein.
Großartige Ressource!