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Neuseeland: Kauri Coast

Früh am Samstagmorgen geht es für uns nach Norden – bis nach Dargaville. Pittoreske Straßen und winzige Dörfer schlängeln sich an einer atemberaubenden Landschaft entlang. Von Dargaville, das wir gegen Mittag erreichen, gehen wir erstmal an den Strand: Baylys Beach – gelegen am 100km langen Ripiro Ocean Beach, dem längsten befahrbaren Strand in Neuseeland. Valerie fährt tapfer über den Strand. Weiter am Wasser ist der Sand fest und es ist möglich auch ohne 4WD hinüber zu düsen. Dieser Strand ist wahrlich endlos. Ziemlich ungewohnt auch mit dem Auto über einen Strand zu fahren.

Dann fahren wir weiter nach Puoto, um uns dort auf die Suche nach dem historischen Leuchtturm aus Holz zu begeben. Die Straße dorthin ist beschwerlich und lang. Puoto liegt am Ende dieser kleinen Halbinsel, etwa 70km von Dargaville. Die Straßenverhältnisse lassen zu wünschen übrig und die meiste Zeit besteht die Straße aus einem Schotterweg, der mir einmal die Kontrolle über das Fahrzeug entreißt und es querstellt. Nur ab und an wird dieser Schotterweg von kurzen Stücken Teerstraße abgewechselt, die absolut keinen Sinn ergeben. Nach dieser schier endlosen Straße und unzählige „One Lane Bridges“ später, kommen wir endlich in Puoto an und nach ein bisschen Rumlaufen am Wasser fragen wir einen Fischer, der meint in etwa 25 Minuten käme man zum Leuchtturm.

Wir unterhalten uns noch ein wenig mit ihm. Der Fischer ist sichtlich erstaunt, dass ein 2.000 Seelenort in Deutschland als Dorf gilt. Hier wäre das eine große Stadt. Die meisten Dörfer umfassen hier nur sehr wenige Häuser. Auckland ist eine große Ausnahme in der sonst dünn besiedelten Gegend von Neuseeland. Lauter Gegenden in denen sich Kuh und Schaf „Gute Nacht“ sagen. Schafe gibt es hier wirklich viele, bis das Auge reicht, über den Horizont und viel weiter. Ich bin hin und weg, ein Schaf ist toller als das andere. Mit Worten ist dieser Ausblick wirklich nicht zu beschreiben. Saftige grüne Wiesen, wohin das Auge reicht, Berge, Hügel und gleich dahinter das Meer.

Nach über einer Stunde Laufen im Sand und dem festen Glauben, dass hinter der nächsten Düne doch bestimmt der Leuchtturm auftauchen muss, schwindet der Glaube und wir treten der Rücktritt an. Nun wissen wir warum ein paar Leute mit den zu leihenden Quad-Bikes unterwegs zum Leuchtturm waren. Zu Fuß scheint das doch eine längere Angelegenheit zu sein.

Zurück in Dargaville, gibt es einen wunderbaren Sonnenuntergang zu sehen. Viel geschafft haben wir heute nicht. Die Hauptattraktion an der Kauri Coast sind ja vor allem die riesigen Kauribäume. Also quartieren wir uns für die Nacht in einem Backpacker Hostel in Dargaville ein, die übrigens die größte Stadt in der Umgebung darstellt. Immerhin: 2 Tankstellen, mehrere Cafés, sogar ein Warehouse und ein Supermarkt – schon deutlich mehr als die meisten Ortschaften, die an der Straße lagen. Im Hostel ist es sehr angenehm. Nette Atmosphäre und ein paar Instantnudeln werden vor dem Fernseher bei „The sweetest thing“ verspeist. Im Bücherregal finden sich sogar deutsche Bücher, darunter eins von Haruki Murakami, das mich natürlich gleich fesselt. Ich lese noch stundenlang, Seite um Seite, ich kann einfach nicht aufhören bis mir irgendwann die Augen zufallen. Die Hälfte des Buches habe ich geschafft.

Tokatoka Peak

Am nächsten Tag klingelt der Wecker um 6:30 Uhr. Der Tag ist kurz und es gibt viel zu sehen! Es gilt keine Zeit zu verlieren und nach dem Provianteinpacken gleich zum Tokatoka Peak, einem recht steilen Berg mit ziemlich spitz zulaufendem Gipfel. Ein toller Ausblick über die Umgebung wird von seinem Gipfel versprochen. Die Sonne scheint und Nebelschwaden hängen noch über den Feldern, was für ein herrlicher Morgen!

Der Start des Aufstiegs hängt schon in den Wolken. Die Wolken hängen in Neuseeland wirklich sehr tief. Hoch geht es den glitschigen und steilen Weg. An einem Punkt angekommen, wo man die Landschaft überblicken kann, befinden wir uns auf der winzigen Spitze. Man schwebt über den Wolken und hat wirklich einen grandiosen Ausblick – auch wenn ich ihn nicht so richtig genießen kann. Da der Berg so steil ist und wenig Fläche hat, ist der Blick nach unten wirklich sehr schwindelerregend. Ich klammere mich so gut es geht am Boden fest.

Kai Iwi Lakes

Nach einem vorsichtigen Abstieg geht es zu den Kai Iwi Lakes gehen – drei eng zusammen liegenden schöne Seen mit blauem Wasser, weißen Stränden und Kiefernbäumen. Auf dem Weg an dem größten der Seen, dem Taharoa, fängt es an zu regnen und dieser Schauer soll noch für Stunden anhalten.

Eigentlich eine schöne Gegend, aber durch das miese Wetter wirkt es doch etwas trostlos. Einige Jugendliche baden und fahren Wasserski, obwohl das Wasser wohl „fucking freezing“ ist, wie sie verlauten lassen.

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Kai Iwi Lakes

Trounson Kauri Park

Zurück am Auto geht es weiter zum Trounson Kauri Park, einem der Parks in dem es die Baumriesen Neuseelands zu bestaunen gibt. Riesige und alte Bäume – die Kauris. Es schüttet wie aus Kübeln und mit Regenschirm bewaffnet gehen wir in den Wald. Es ist übrigens der erste Frühlingstag in Neuseeland, während in Deutschland der Herbst eingeläutet wird. Die Kauribäume sind wirklich beeindruckend. Noch ein Eintrag ins Visitorbook, das in einem Holzkasten vor der Witterung geschützt wird, und es geht mit dem Auto weiter – zum Waipoua Kauri Forest, wo es den größten und ältesten Kauribaum zu bestaunen gibt. Es regnet unbarmherzig und immer kräftiger.

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Trounson Kauri Park

Donnellys Crossing

Die Kleidung hängt klamm an einem herunter, aber in Donnellys Crossing gibt es endlich ein Café in dem eine äußerst delikate heiße Schokolade serviert wird und Miezekatzen gestreichelt werden wollen. Eine davon hat nur drei Beine, sie tut mir so leid wie sie dort rumhumpelt. Ansonsten sagen sich in Donnellys Crossing mal wieder Schaf und Kuh „Gute Nacht“, denn viel mehr als dem Café und ein paar Häusern gibt es nicht.

Viele Vögel kreuzen unseren Weg. Anstatt einfach über die Straße zu fliegen, laufen sie gerne in Todessehnsucht darüber um im letzten Moment wegzufliegen. Auch ein anderes Tier läuft vor das Auto, vielleicht ein Possum, schafft es aber noch gerade den Rädern zu entkommen, puh! Nun wissen wir warum hier so wahnsinnig viele verendete Tiere auf der Straße herumliegen, an denen sich teilweise schon große Aasfresser zu schaffen machen und sich von uns bei ihrem Mal gestört fühlen.

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Mauzi in Donellys Crossing

Die Baumriesen im Waipoua Forest

Im Waipoua Forest angekommen, nehmen wir zuerst den Lookout über den riesigen Wald mit. Leider ist mein Objektiv zuvor feucht geworden und völlig beschlagen. Erst ausgiebiges Föhnen mit der Autoheizung macht es wieder brauchbar. Der Regen lässt endlich langsam nach und die Sonne lässt sich endlich blicken. Selten hat mich der Anblick der Sonne in solch ein Glücksgefühl versetzt.

Dieser Park ist wirklich einmalig. Zuerst sehen wir die „Four Sisters“, vier große Kauribäume, die nah beieinander stehen, dann den ältesten Kauri in Neuseeland – den „Te Matua Ngahere“ (dt. Der Vater des Waldes). Gegen diesen Baum wirken alle anderen Kauris Kleinkinder. Als der Baum hinter einer Biegung auftaucht, bekommen wir den Mund gar nicht mehr zu. Der Anblick ist wirklich überwältigend. Dieser Baum ist zwar nicht sehr hoch, aber dafür sehr breit. 16m Umfang! Und dieser Baum ist ungefähr 2.000 Jahre alt. Der Wahnsinn, was dieser Baum schon alles gesehen haben muss. Wir versuchen ihn das zu fragen und hoffen, dass er ein Ent ist. Antwort kommt keine, aber das lag entweder daran, dass er unsere Sprache nicht versteht, oder zu lange braucht. Denn Ents sind ja nun einmal sehr gemächliche Geschöpfe, wie wir alle wissen.

Dann geht es weiter auf dem Yakas Track, wo der siebtgrößte Kauri zu sehen ist. Leider führt uns der Track nur 30 Minuten durch den Wald, der Rest des großen Tracks ist schon länger gesperrt.

Ein Stück weiter die Straße entlang, gibt es auch den größten Kauribaum zu sehen, den Tane Mahuta. 51m hoch, 13m im Umfang und ebenfalls zwischen 1.200 und 2.000 Jahren alt.

Maunganui Bluff

 

Es ist schon 17 Uhr als wir aus dem Wald herauskommen und der Tag soll gemütlich an einem Strand ausklingen. Wir fahren zurück Richtung Dargaville und nehmen den Weg zum Strand – dem Maunganui Bluff. Auf dem Weg begegnen uns zwei einsame, einfach am Straßenrand stehende Kühen sowie ein Schaf, das aufs Meer schaut. Ausgebüxt vielleicht, wer weiß, hier sorgt das keinen. Die Sonne geht gerade unter und der Strand ist einfach ein herrlicher Anblick. Riesige Wellen und die Sonne, die den Himmel rot färbt. Dies ist wirklich ein perfekter Moment.

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Achtung Kiwi!

Übrigens ist hier überall „Kiwi-Zone“, aber die Kiwis sind nicht nur äußerst selten, sondern auch nachtaktiv. Aber es gibt die für Neuseeland typischen Schilder zu sehen – „Achtung Kiwi“. Aber das Schild „Achtung Kuh“ oder „Achtung Enten“ ist auch recht witzig anzuschauen.

Der Weg nach Auckland ist lang und als wir die blinkenden Lichter dieser Stadt erblicken, merken wir wirklich, dass Auckland so gar nicht Neuseeland und dessen Einsamkeit der Natur repräsentiert. So richtig wollen wir gar nicht zurück.

Gefahrene Kilometer: 700km
Tote Tiere auf der Fahrbahn gesichtet: 31

 

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