Der Abschnitt über den Harper Pass Track führt uns in das Taramakau Valley und über den Harper Pass am Hurunui River entlang. Wir erreichen Lake Sumner und setzen unseren Weg auf dem Hope Kiwi Track fort, der uns am Hope und Boyle River bis nach Boyle Village führt. Der Weg ist also geprägt von Flüssen, deren Verläufen wir folgen.
Te Araroa Tag 44: Ein dichter Wald – Morrison Footbridge bis Locke Stream Hut
24,5 km / 7,5 h / 361 hm
Das Hitchen klappt heute Morgen deutlich besser als gestern. Bereits das erste Auto hält an und wir haben sogar noch Zeit, eine heiße Schokolade und Cookies zum Mitnehmen im Café zu holen, während unser Fahrer tankt und sich einen Kaffee holt. Er ist Belgier und wandert auch viel durch Neuseeland, und da er gestern auch so lange auf einen Hitch gewartet hat, hat er sich gedacht, dass er heute die erstbesten mitnimmt. Und das sind nun mal wir!
Um kurz vor 10 Uhr stehen wir an der Morrison Brücke, wo wir gestern raus sind. Die ersten Meter kennen wir ja schon. Heute ist es aber deutlich angenehmer. Bald erreichen wir den Wald und den Flood Track, der zwar gut markiert ist, aber extrem schlecht instandgehalten. Es geht durch dichtes und fast jegliches Sonnenlicht ausperrendes Unterholz. Wir kämpfen mit Vegetation, umgestürzten Bäumen, Steinen und matschigem Boden. Ohne Markierungen wäre es vollkommen unmöglich, den “Pfad” zu erkennen. Wir sehen dabei allerdings mehrere Wekas im Laub wuseln.
Zwischendurch gehen wir nach unten zum Fluss hinaus, um es dort weiter zu versuchen, aber schon bald schlängelt sich der Fluss so nah am steil abfallenden Waldrand, dass man ihn schon queren müsste, um weiterzukommen. Am Rand des Flusses wird es auch bald zu tief und somit die Strömung zu stark.
Wir gehen also wieder hoch in den Wald und folgen weiter dem Dschungelpfad. Atmosphärisch ist das schon, das Vorankommen aber langsam und mühselig. Die nächste Gelegenheit nutzen wir, um wieder zum Fluss hinunterzugehen, und halten uns fortan am Fluss, was deutlich schneller geht – trotz einer Überquerung hier und da.
Dann zieht der Weg nach rechts in das Taramakau Valley hinein, das dem gleichnamigen Fluss folgt. Die Markierungen erscheinen hier nur sporadisch und verschwinden ebenso plötzlich wieder, wie sie aufgetaucht sind. Wir suchen uns also meist unseren eigenen Weg, viele Male den Taramakau River querend. Da heute Sonnenschein angesagt ist, macht das auch nicht viel aus. Meist laufen wir über Steine im Flussbett, manchmal über mit Steinen durchsetzte Wiesen, immer dem Verlauf des Taramakau Rivers folgend, was die Orientierung leicht macht.
Das Ganze dauert jedoch eine gefühlte Ewigkeit, bis wir endlich die letzten paar hundert Meter in den Wald eintauchen, um kurz darauf zur Locke Stream Hut zu gelangen, einer großen Hütte, ganz für uns allein. Bengt zeigt mir, wie man Feuer macht, und so machen wir es uns gemütlich.
Te Araroa Tag 45: Der Hot Pool – Locke Stream Hut bis Hurunui Hut
26,5 km / 8 h / 823 hm
Wir stehen verhältnismäßig früh auf und nach dem üblichen Porridge-Frühstück brechen wir auf. Heute folgen wir dem Harper Pass Track, der uns bis zum Lake Sumner führt. Zuerst geht es nach einem kurzen Waldstück wieder am Fluss entlang. Eine Hängebrücke bringt uns trockenen Fußes über den Taramaku River. Nützt uns trotzdem nicht viel, denn zahlreiche kleinere Seitenflüsse und Matschpfützen sorgen für die gewohnte Feuchtigkeit in den Schuhen.
Bald steigt der Weg steil an und bringt uns zum Harper Pass auf 962m, der tief in den Wolken liegt. Dementsprechend zapfig ist es, als wir oben ankommen. Zum Verweilen lädt das nicht gerade ein, zumal die Aussicht auch gleich null ist. Auf der anderen Seite geht es wieder hinunter und nach ein paar Flussquerungen erreichen wir das Harper Pass Bivouac.
Von hier zieht sich der Weg nun abwechselnd durch Wiesen- und Waldgelände bis zur Camerons Hut, einer kleinen Blechhütte. So geht es weiter, bis wir eine Brücke erreichen, die nur aus drei Drahtseilen besteht. Über diese Brücke balancieren wir über den darunter befindlichen Fluss, der tatsächlich momentan gar nicht tief ist. So ginge es wohl schneller, ihn einfach zu durchwaten, aber das Überschreiten der Brücke verspricht mehr Abenteuer. Von diesen Brücken gibt es nicht mehr viele in Neuseeland, somit sind sie von historischer Bedeutung. Eine wackelige Angelegenheit, ich fühle mich wie im Hochseilgarten, nur ohne Sicherung.
Nach einer Weile erreichen wir dann die Hurunui No. 3 Hut, wo wir Mittagspause machen. Auch die Sandfliegen, die hier hausen, haben mit uns ihr Mittagessen serviert bekommen. Es sind nur 10 Kilometer bis zur nächsten Hütte und wir beschließen, noch weiterzugehen. Der Weg führt uns größtenteils durch den Wald, wo uns Fächerschwänze immer mal wieder ein Stück weit begleiten. Auch Keas höre ich, kann sie aber nicht sehen.
Nach 5 Kilometern erreichen wir eine heiße Quelle mitten im Wald. Ein kleiner Wasserfall speist eine kleine Gumpe mit heißem Wasser und wir genießen seit langer Zeit mal wieder ein Bad. Die Sandfliegen mögen den Ort allerdings auch, sogar sehr, was den Genuss etwas mindert. Vor allem beim Anziehen danach, wobei mich dutzende gleichzeitig belagern. Von hier aus ist es nun nicht mehr weit bis zur Hurunui Hut, dem heutigen Ziel. Die Hütte ist schon gut gefüllt, aber dafür warm vom Holzfeuer im Ofen.
Te Araroa Tag 46: Zum Lake Sumner – Hurunui Hut bis Hope Kiwi Lodge
19 km / 5,25 h / 555 hm
Früh am Morgen weckt uns ein Gewitter, das starken Regen mit sich bringt. Dennoch beruhigt sich das Wetter schnell wieder und nur noch leichter Regen geht draußen nieder, während wir unser Frühstück einnehmen. Da wir gleich in den Wald eintauchen, ist das bisschen Regen nicht dramatisch und der Ausblick gen Norden verspricht auch Besserung.
Nach einer halben Stunde erreichen wir eine Hängebrücke, die uns glücklicherweise über die angeschwollenen braunen Fluten des Hurunui Rivers bringt. Ansonsten wäre hier heute kein Durchkommen möglich. Wir gelangen in offenes Wiesengelände, wo ordentlich Wind geht, bis wir die andere Seite und somit den schützenden Wald erreichen. Atmosphärisch durch Regenschleier und Sonnenschein, der auf die Berge und den See fällt. Auf der anderen Seite ein Regenbogen. Wir verlassen den Harper Pass Track hier, um auf den Hope Kiwi Track zu wechseln.
Das Durchkommen im bald folgenden Wald erweist sich als mühsam, da zahlreiche umgestürzte Bäume den Weg blockieren. Wir müssen uns einen Weg drumherum suchen und stapfen dabei durch Matschpfützen und kraxeln über oder unter Baumstämmen und -ästen. Nach dieser Sektion geht es dann bergauf bis zum Kiwi Saddle und seinem Lookout, der ein bisschen Aussicht auf den von Bergen umrahmten Lake Sumner bietet, an dem wir heute entlanggehen, aber von ihm selbst nicht viel sehen.
Von hier geht es nun auf der anderen Seite wieder hinunter und vom Wald wieder in offenes Wiesengelände, über das wir zur großen Hope Kiwi Lodge gelangen. Michael und sein Bruder kommen kurz nach uns hier an. Ein großer Stapel Holz liegt bereits, um wohlige Wärme zu erzeugen. Kalt war es heute trotz Regen nicht. Nicht mal eine Regenhose war in dem feinen Nieselregen nötig und die Regenjacke nur außerhalb des Waldes. So kann ich mit Regentagen gut leben, wenn ich nicht bis auf die Knochen durchnässt werde.
Te Araroa Tag 47: Ein Stück Zivilisation – Hope Kiwi Lodge to Boyle Village
29 km / 7,5 h / 634 hm
Die Morgensonne entflammt die Berge und den Himmel. Diese Farbexplosion währt jedoch nur wenige Augenblicke. Eine längere Strecke liegt heute vor uns. Anfangs führt sie durch Wald und immer am Hope River entlang, den wir nur hin und wieder zwischen den Bäumen erblicken. Zahlreiche Vögel begleiten uns auch heute, ebenso wie die Sandfliegen.
Wir erreichen die Hope Halfway Hut auf einer Wiesenfläche nahe des Flusses, wo wir eine kurze Pause machen und es uns von Sandfliegen beißen lassen. Weiter geht’s im Wald, der sich gelegentlich mit offenen Wiesenflächen abwechselt. Bald geht es dann bergab in das Tal vom Boyle River. Von hier könnten wir auf die Straße gehen oder die restlichen 10 Kilometer auf dem Tui Track weitergehen.
Wir entscheiden uns für Letzteres, da es nie schön ist, am Highway zu laufen, auch wenn der Tui Track Flussquerungen erfordert. Am Anfang geht der Tui Track auch ziemlich hoch und wieder runter, bis wir den Doubtful River erreichen, der einfach zu durchwaten ist.
Von hier geht es eine Weile am Boyle River entlang und gelegentlich durch Sumpflandschaften. Einmal sinken wir knietief in ein übel riechendes Gewässer ein, dessen weicher Untergrund beim unvorsichtigen Betreten noch mehr von unseren Beinen zu verschlingen droht. Die letzte Herausforderung des Tages ist die Querung des Boyle Rivers, dessen oberschenkeltiefes Wasser eine überraschend starke Strömung aufweist.
Das letzte Stück führt uns dann an der Straße entlang bis zur Abzweigung nach Boyle und dem River Outdoor Education Centre, wo wir unser Paket hingeschickt haben. Natürlich hat keiner meine E-Mail oder Nachrichten erhalten, aber an unser Paket und eine neue Gaskartusche bekommen wir trotzdem. Ein Bett können wir nicht mehr ergattern, aber eine 5-$-Dusche, die bitter nötig ist. Wir schlagen unser Zelt auf dem DOC-Zeltplatz gegenüber vom Zentrum auf, wo wir heute eine große Portion Nudeln und Nachtisch kochen.
Hier geht’s zum nächsten Te Araroa Abschnitt: Boyle Village bis St Arnaud
Te Araroa 12: In den Nelson Lakes Nationalpark – Boyle Village bis St Arnaud





































