Was kostet ein CDT-Thru-Hike? Unsere Ausgaben für zwei Personen im Detail

Fünf Monate in der Wildnis auf dem Continental Divide Trail – das klingt erst mal nach einer vergleichsweise günstigen Zeit. Kein Hotel, kein Mietwagen, keine Restaurantbesuche… oder doch? Die Realität sieht ein bisschen anders aus. Auch wenn wir monatelang im Zelt gelebt haben, sind die Kosten schnell gestiegen – für Ausrüstung, Stadtaufenthalte, Transport und natürlich Essen. Die wichtigste Lektion: Stadtaufenthalte sind teurer als man denkt – und gleichzeitig so wichtig für Körper und Seele.

Wir waren zu zweit unterwegs und haben über die gesamte Strecke hinweg unsere Ausgaben dokumentiert. Hier ist unsere ehrliche Kostenaufstellung für fünf Monate auf dem CDT (im Jahr 2024):

Unterkünfte – 3.920 USD (für zwei Personen)

Tatsächlich unsere größte Ausgabenkategorie. Wir haben bewusst in regelmäßigen Abständen Motelnächte eingeplant – für Erholung, Wäsche, Internet und einfach ein bisschen Normalität. Besonders in touristischen Orten wie Jackson oder Steamboat Springs sind die Preise hoch. Ein Zero Day ist selten wirklich günstig.

Tipp: Hier gibt es am meisten Einsparungspotenzial. Wer mit knappem Budget unterwegs ist, dem sei empfohlen, lieber auf Neros auszuweichen: Es ergibt insgesamt auch einen Zero-Day früh am Tag in die Stadt zu hitchen, nur eine Nacht zu bleiben und am nächsten Tag spät aufzubrechen oder gar keine Nacht zu verbringen. Manche Orte sind günstiger als andere, und da bietet sich vielleicht ein Zero besser an. An manchen Orten lohnt es sich, nach Trail-Angels zu fragen. Manchmal findet man auch preiswerte Zeltplätze direkt im Ort.

Beispiele für günstige Orte:
East Glacier Village, Montana: Looking Glass Basecamp (15 USD im Zelt oder 50 USD in einer Cabin)
Lincoln, Montana: Lincoln Leeper Motel (80 USD im Doppelzimmer)
Lima, Montana: Mountain View Inn (69 USD im Doppelzimmer)
Darby, Montana: Travelers Rest (30 USD pro Person im Zelt)
Island Park, Idaho: Camping Sawtelle Mountain Resort (37 USD pro Zeltplatz, teilbar mit anderen Hikern)
Rawlins, Wyoming: 1st Choice of Rawlins (69 USD im Doppelzimmer)
Ghost Ranch, New Mexico (35 USD pro Campsite, 30 USD pro Person für Frühstück/Mittag/Abendessen-Buffet)
Cuba, New Mexico: Frontier Motel (79 USD im Doppelzimmer)
Grants, New Mexico: Motel 6 (71 USD im Doppelzimmer)
Pie Town, New Mexico: Toaster House (spendenbasiert)
Silver City, New Mexico: Stonehouse Inn (45 USD im Doppelzimmer)
Lordsburg, New Mexico: Econolodge (85 USD im Doppelzimmer)

Besonders teure Orte:
Steamboat Springs, Colorado
Pagosa Springs, Colorado

Typisches Hotelzimmer in den USA
Typisches Hotelzimmer in den USA

Restaurants – 3.150 USD (für zwei Personen)

Hiker-Hunger ist kein Mythos. Nach sieben Tagen Ramen und Snickers in der Wildnis ist die Lust auf eine richtige Mahlzeit kaum zu bremsen. In den Städten haben wir uns mindestens eine warme Mahlzeit im Restaurant gegönnt – oft auch zwei. Viele Orte auf dem CDT haben nur eine begrenzte Auswahl, was die Preise nicht gerade drückt. Und manchmal hat uns einfach das „sich etwas gönnen“ durch schwere Abschnitte getragen.

Tipp: Mehr Snacks im Supermarkt kaufen, als essen zu gehen.

Wir gönnen uns auch mal was Gutes im Restaurant, wie hier in Lander, Wyoming
Wir gönnen uns auch mal was Gutes im Restaurant, wie hier in Lander, Wyoming

Supermarkt – 2.500 USD (für zwei Personen)

Der größte Teil unserer Verpflegung kam natürlich aus dem Supermarkt. Wir haben meist alle 4–7 Tage einen neuen Resupply gemacht. Besonders teuer war das Einkaufen in abgelegenen kleinen Ortschaften oder General Stores. Wo möglich, haben wir größere Städte genutzt, um Vorräte günstig bei Walmart oder Safeway aufzustocken – inklusive kalorienreicher Snacks und Frischwaren für den ersten Tag nach dem Start.

Tipp: Checkt immer zuerst die Hikerboxen bevor ihr euren Resupply in Angriff nehmt, hier lässt sich bereits viel umsonst finden. In kleineren Städten mit wenig Auswahl und hohen Preisen könnt ihr euch auch Pakete schicken.

Ausrüstung – 900 USD (für zwei Personen)

Wir sind nicht mit neuer Ausrüstung gestartet, mussten aber unterwegs einiges ersetzen. Dazu zählten mehrere Paar Schuhe (alle 800 – 1.100 km) – und diverse kleinere Dinge wie Handschuhe, Gaskartuschen oder Batterien für meinen Spot-Tracker.

Dazu kamen einige Neuanschaffungen in der Vorbereitung: Regenkleidung, Powerbanks, ein Bärenspray – Kleinvieh macht auch Mist.

Tipp: Ryan hat sich im Voraus seine Altra-Trailrunner günstig auf eBay zusammengesucht. Auch ich habe auf Angebote für meine Salomons geachtet und hatte bereits zwei Paare vor dem Start auf den CDT gekauft.

Zeit für neue Schuhe
Zeit für neue Schuhe

Flüge – 1.025 USD

Hin- und Rückflug für mich aus Deutschland nach Los Angeles waren 700 Euro. Es war deutlich günstiger, Hin- und Rückflug zusammenzubuchen. Ich habe mich für den Economy-Basic Tarif der Lufhansa entschieden, bei dem Aufgabegepäck und Sitzplatzbuchung inkludiert sind und Umbuchungen für 150 Euro (zzgl. Tarifdifferenz) möglich sind.

Ryan lebt in Kalifornien, er war also schon dort. Zusammen sind wir für 246 USD (für zwei Personen) dann mit Avelo von Burbank, Los Angeles nach Kalispell in Montana geflogen.

Tipp: Wer frühzeitig bucht und flexibel plant, kann hier einiges sparen.

Flug von Burbank, Kalifornien nach Kalispell, Montana
Flug von Burbank, Kalifornien nach Kalispell, Montana

Spot Satelliten Messenger – 205 Euro

Sicherheit ist uns wichtig – vor allem in abgelegenen Gebieten Montanas und Wyomings. Ich hatte den Spot-Tracker, was mich inklusive Aktivierung und Monatsgebühren 205 Euro für sechs Monate gekostet hat.

Post – 650 USD

Wir haben uns einige Pakete selbst an Orte entlang des Trails geschickt, da wir zuvor unsere eigenen Mahlzeiten dehydriert und zusammengestellt haben. Dazu hatten wir eine Bounce-Box (eine Kiste mit Dingen, die man unterwegs nicht ständig braucht, z. B. Ersatzkleidung. Man schickt sie sich von Ort zu Ort weiter und spart so Gewicht) und uns Ausrüstung schicken lassen bzw. zurück nach Ryans Zuhause in Kalifornien geschickt.

Tipp: Gespart haben wir dadurch wahrscheinlich nicht viel, auch wenn kleinere Trail Towns teuer waren. Hier muss jeder selbst entscheiden, wie viel einem das wert ist.

Unsere vorbereitete dehydrierte Nahrung haben wir uns per Post an Trail Towns schicken lassen
Unsere vorbereitete dehydrierte Nahrung haben wir uns per Post an Trail Towns schicken lassen

Telefon & Internet 255 USD

Meine Prepaid-SIM-Karte von AT&T hat mich 42,50 USD pro Monat gekostet, mit unlimitiertem Datenvolumen.

Permits 134 USD

Für die Übernachtungen in den Nationalparks brauchten wir Camping-Permits, was uns für Glacier National Park 94 USD (für sechs Nächte) und für Yellowstone National Park 40 USD (für drei Nächte) gekostet hat. Die Permits müssen vorab telefonisch, persönlich oder online reserviert werden.

Red Eagle Lake Head Campground in Glacier National Park
Red Eagle Lake Head Campground in Glacier National Park

Sonstiges 720 USD

Neben Souvenirs, Unterhaltung und Kleinigkeiten wie Wäschewaschen, gelegentlichen Uber-Transports und Ähnliches (280 USD) haben wir Folgendes ausgegeben:

64,20 USD – Fahrt mit der Cumbres & Toltec Dampfeisenbahn in Chama, New Mexico
60 USD – Physiotherapeutische Beratung bezüglich meines Fußes
155 USD – Shuttle von der mexikanischen Grenze zurück nach Lordsburg

Gesamtkosten und Fazit

Insgesamt haben wir für fünf Monate auf dem CDT rund 13.470 USD für zwei Personen ausgegeben – also etwa 12.460 Euro (Stand März 2025). Das ist kein günstiger Urlaub, aber auch kein unbezahlbarer Traum. Laut CDT Hiker-Survey von 2024 haben Thru-Hiker im Schnitt 8.882 USD pro Person ausgegeben. Wir sind damit also sogar etwas unter dem Durchschnitt, was sich dadurch erklären lässt, dass wir zu zweit waren und wir uns viele Kosten teilen konnten.

Wir haben diesen Thru-Hike nicht spontan gemacht, sondern monatelang geplant, gespart, Ausrüstung überlegt, Angebote genutzt und bewusst gewisse Ausgaben in Kauf genommen – z. B. für Komfort in der Stadt oder für gutes Essen.

Wer mit kleinerem Budget unterwegs ist, kann sicher deutlich sparen: weniger Motelnächte, weniger Restaurantbesuche, mehr Trail-Angels, gezielte Ausrüstungsschnäppchen und ein bewusster Umgang mit Stadtzeit helfen enorm. Aber für uns war es wichtig, nicht auf dem Zahnfleisch zu gehen – sondern körperlich wie mental durchzuhalten und die Tour zu genießen.

Mit viel Sparsamkeit und guter Planung lässt sich ein CDT-Thru-Hike auch mit kleinerem Budget umsetzen – je nachdem, wie oft man in Städten übernachtet, wie viel Ausrüstung schon vorhanden ist und ob man z. B. mit Trail-Angels oder Hikerboxen arbeitet.

Am Ende ist der CDT nicht nur eine körperliche, sondern auch eine finanzielle Herausforderung – aber eine, die sich für uns absolut gelohnt hat.

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Die Weltwanderin

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Annika

Ich bin verliebt in die Welt, ihre Berge und das Abenteuer. Seit jeher beschäftigt mich eine starke Sehnsucht nach einem intensiven Leben. Dabei bedeutet Wandern für mich pure Freiheit und Glück. Auf diesem Blog lest ihr alles über meine Abenteuer auf der ganzen Welt.

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