Norwegen: Trolltunga – Auf der Zunge des Trolls

Die Trolltunga ist eine haarsträubende Felsformation, die hoch über einem See in die Luft hinausragt, und wir planen, dort zu zelten. Der Weg ist lang, führt aber durch wunderschöne Hochebenenlandschaft mit Wasserfällen und Bergen.

Heute verlassen wir Bergen in Richtung Odda. Nach einem Regenschauer am Morgen in Bergen wird das Wetter bombig. Bisher der beste Tag! Wir fahren am Hardangerfjord entlang und dann mit der Fähre nach Jondal. Von dort geht es durch zwei Tunnel nach Odda am Sørfjord. Hier steigen wir aus und prüfen einige Informationen in der Touristeninformation. 20 Minuten später soll der Bus in den Nachbarort Tyssdal kommen, den Ausgang zur Wanderung zur Trolltunga – unser Ziel des Tages.

Allerdings verpassen wir diesen Bus, da er um eine Ecke anhält, die wir nicht gesehen haben, und der Bus bei der Ankunft eine andere Nummer hatte. Sehr ärgerlich. So hängen wir noch eine weitere Stunde in Odda am Busbahnhof herum und warten auf den nächsten Bus.

Mit Bus und Anhalter an den Startpunkt

Dieses Mal wissen wir, wo er hält, und steigen rasch zu, bevor er sich wieder auf und davon macht. Immerhin fährt dieser Bus öfter als zweimal täglich. Von Tyssedal windet sich die Straße nun noch 5km bergauf bis nach Skjeddal, wo die etwa achtstündige Tour zur Trolltunga startet. Wir fangen an zu laufen und strecken beim ersten vorbeifahrenden Auto den Daumen raus – und haben Glück! Ein älteres Paar aus Tyssedal hält an und nimmt uns mit hinauf. Der Weg hätte uns mit Sicherheit mindestens zwei Stunden gekostet, da die Straße sich bergauf windet, aber durch sehr schöne Landschaft, geprägt durch Seen, Felswände und Wasserfälle. Bis zum 17. August fährt auch ein Bus hoch, danach muss man allerdings zusehen, wo man bleibt.

Auf dem Weg zur Trolltunga

Gegen halb sechs marschieren wir los. Der Pfad geht zuerst extrem steil hinauf, neben den Gleisen einer alten Bahn entlang. Der Aufstieg erfolgt im Wald, aber trotz der schattenspendenden Bäume ist dies recht schweißtreibend. Tatsächlich laufen wir das erste Mal in Norwegen mit kurzer Hose und Shirt. Den härtesten Teil der insgesamt 900hm bringt man jedoch nach etwa 45 Minuten hinter sich, ebenso wie die Baumgrenze. Wir kommen auf ein Plateau mit Seen und vereinzelten Häusern. Dann folgt ein weiterer Anstieg auf die andere Seite des Bergkamms.

Hier findet sich nur noch Geröll und die üblichen Blaubeersträucher. Das Licht der untergehenden Sonne verleiht der Landschaft eine warme Stimmung. Bald schon können wir den türkisblauen See und dessen umher aufragenden Felswände sehen. Die nächsten zwei Stunden laufen wir bergauf und bergab, über matschige Wege und kleine, sich auf dem Weg sammelnde Bäche. Ab dem sechsten Kilometer kommt uns keiner der Tagestourengeher mehr entgegen und vereinzelt stehen ein paar Zelte am Wegesrand.

Wir versuchen, der Sonne hinterherzulaufen, was uns jedoch knapp misslingt. Als wir an der Trolltunga ankommen, ist die Sonne bereits weg und taucht die Zunge des Trolls in Schatten. Immerhin haben wir den Ort für uns allein und können nach Herzenslust auf dem luftigen Felsen herumturnen. Ein Stück neben der Trolltunga befindet sich der Preikestolen, eine kleinere Variante des ähnlichen Felsens gleichen Namens am Lysefjord. Kurz hinter dem Preikestolen finden wir ein schönes Plätzchen für unser Zelt mit Tiefblick auf den See. Wasser ist kein Problem, auf dem Weg zur Trolltunga finden sich haufenweise Bäche und kleine Wasserfälle. Wir kochen das erste Mal seit dem ersten Tag auf dem Besseggengrat draußen auf der Isomatte und genießen die Aussicht und den Ausklang dieses schönen Tages.

Die Trollzunge im strahlenden Sonnenschein

Nachts hat es etwas geregnet, aber der Tag begrüßt uns wieder mit strahlendem Sonnenschein. Wir frühstücken draußen auf unseren Logenplätzen und schnabulieren einen Vanillepudding, bevor wir noch einmal zur Trolltunga hinübergehen. Die ersten Tagesbesucher sind schon da und posieren für Fotos. Auch wir reihen uns für Fotos im Sonnenlicht ein. Hier kann man viel Zeit verbringen. Einfach schauen und Sonne tanken.

Rückweg

Gegen Mittag machen wir uns auf den Rückweg. Ein Lemming huscht uns über den Weg. Die ersten Gegenanstiege sind fies – zurück ist es immer unangenehmer als auf dem Hinweg –, aber nach vier Anstiegen geht es nur noch bergab bis zu dem steilen und kniefunfreundlichen Pfad über die Steine bis nach Skjeggedal. Alternativ kann man die Stufen am alten Bahngleis hinuntergehen, was aber sicher nicht kniefreundlicher ist, aber trotzdem recht fix. Eigentlich ist das aber untersagt, was die meisten aber wenig interessiert.

Hinunter scheinen wir nicht viel schneller als hinauf zu sein, so sehr muss man auf seine Schritte achtgeben. Mit dem schweren Gepäck keine allzu leichte Aufgabe. Mit leichtem Tagesspäck reichen bei trockenen Verhältnissen sogar gescheite Turnschuhe und der Weg ist gut an einem Tag zu bewältigen (22 km). Unten am Parkplatz erspähen wir zwei Österreicher, die wir oben an der Trolltunga getroffen haben, und nutzen die Chance auf eine Mitfahrgelegenheit. Wir haben Glück, sie fahren sogar bis nach Odda und nehmen uns mit.

Zurück in Odda

Im Stadtzentrum bei der Touristeninfo lassen wir uns rauswerfen und erfreuen die nette Dame darin immer wieder mit unserer Anwesenheit. Wir wollen eine Gletschertour auf den nahegelegenen Folgefonna machen. Leider ist der Veranstalter für morgen bereits ausgebucht, obwohl uns die Dame gestern versichert hat, dass es reiche, heute zu buchen. Wir bekommen einen Platz für Donnerstag, prüfen noch die Busverbindungen nach Jondal auf der anderen Seite des Gletschers. Hier gibt es nur eine Verbindung um 23 Uhr, die 18 Uhr Verbindung fährt fast vier Stunden mit viermal Umsteigen wie die Kuh ums Dorf. Bei Odda gibt es auch einen Zugang zum Gletscher, aber leider ist der Gletscher bereits zu weit abgeschmolzen und es starten hier keine Touren mehr. Von Jondal kamen wir ja ursprünglich her.

Wir kaufen noch ein und laufen dann hinauf zum Campingplatz. Puh, die Steigung und Länge des Weges geben uns den Rest. Erschöpft kommen wir nach etwa 30 Minuten am Zeltplatz an und finden ein schönes Plätzchen direkt am See. Zuerst gibt es ein Bier zur Erholung. Dann machen wir Tiefkühl „Pytt i Panna“ (eine Art norwegische Version vom Gröstl mit Kartoffeln, Zwiebeln und Wurst), was auf dem Campingkocher nur bedingt gelingt – eigentlich handelt es sich am Ende mehr um Kartoffelbrei.

Chillout in Odda

Heute haben wir absolut nichts vor und allzu viel bietet Odda nicht an. Mit dem Auto kann man bis zu einem großen Wasserfall oder anderen schönen Wanderwegen fahren, aber ohne wird es schwer. Das Busnetzwerk in Norwegen ist zwar recht gut, allerdings kommen die Busse außerhalb der Saison (bis Mitte August) seltener, und so ist man recht unflexibel, an manche Orte zu kommen bzw. wieder weg. Das Auto ist sicherlich das bevorzugte Verkehrsmittel in Norwegen, allerdings ist dies mit Mautgebühren und dem hohen Benzinpreis nicht gerade günstig.

Wir lassen den Tag ruhig angehen und rufen erst mal die Gletschertourleute von „Folgefonni Breførarlag“ an um eine Abholung aus Jondal zu organisieren, bis wohin wir mit dem Bus gelangen können. Von dort aus ginge es noch 19km bis zum Folgefonna Gletscher. Sie werden uns eine Stunde vor Start der Tour abholen und sagen uns, dass ein Bus um 7:30 Uhr nach Jondal fährt. Dieser fährt allerdings zwei Stunden über die Küstenroute statt den kurzen Weg durch die Tunnel in 45 Minuten. Der Direktbus fährt allerdings schon um 5:25 Uhr los, was unnötig früh wäre.

Gegen Mittag gehen wir runter in die Stadt. Wir gehen wieder in die Touristeninfo und erfragen die Weiterfahrt. Wir planen, den Preikestolen anzusehen, jedoch gibt es keine direkte Busverbindung dorthin. Man muss zuerst nach Stavanger fahren, um von dort zum Preikestolen zu fahren, was mit dem Auto auf dem Weg läge. Der Bus nach Stavanger geht allerdings schon um 4:30 und 5:30 Uhr morgens und kostet uns einen weiteren Tag. Dann schlagen wir uns im örtlichen Pizzalokal den Bauch voll. Hier wird ein All-you-can-eat-Pizzabuffet für 99 NOK angeboten. Wir stopfen uns mit Pizza und Salat voll, bis wir nicht mehr pusten können, schlagen dann noch ein Soft-Eis obendrauf und legen uns dann eine Weile in die Sonne. Ich würde gerne ein bisschen auf dem Fjord paddeln, aber leider werden in Odda keine Boote zur Ausleihe angeboten. Wir spazieren noch ein wenig bis ans Ende der Stadt und wieder zurück. Dann kaufen wir für den Abend ein und finden endlich ein günstiges Lebensmittel: Instant-Nudeln für 2,5 NOK. Heute gibt’s also Nudeln – und Schokopudding zum Nachtisch. Wir chillen am See vor dem Zelt und essen uns (mal wieder) kugelrund.

FAKTEN ZUR TOUR
Wanderung auf die Trolltunga (1.100m)
Gehzeit: 10-11 h
Distanz: 22 km
Höhenmeter: 1.300 hm
Ausgangspunkt: Skjeggedal (400m)
Schwierigkeit: T3 – anspruchsvolles Bergwandern

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Die Weltwanderin

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Annika

Ich bin verliebt in die Welt, ihre Berge und das Abenteuer. Auf Fernwanderungen wie dem Te Araroa, PCT und CDT habe ich inzwischen über 16.000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Wandern bedeutet für mich Freiheit, Glück und ein Leben im Hier und Jetzt. Hier teile ich meine Abenteuer aus der ganzen Welt.

Mein erstes Buch

Leise Schritte in einer lauten Welt
Über 4000 Kilometer auf dem
Continental Divide Trail

Erscheint voraussichtlich Herbst 2026

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Bevor sich Weltwanderin voll auf Thru-Hiking fokussierte, habe ich auch über meine Reisen und alpinen Bergsport geschrieben. Diese Artikel findet ihr hier: