Te Araroa 6: Tiefblicke auf Lake Hawea – Wanaka bis Ohau

Die nächste Etappe zum Lake Ohau ist geprägt von wunderschönen Tiefblicken auf den Lake Hawea, die den ersten Teil über den Breast Hill Track zum wahren Genuss machen. Dann macht uns kurzzeitig Wald- und Flussgelände das Leben schwer, bis es über den größten zu querenden Fluss wieder in alpines Gelände geht, das uns bis zum Lake Ohau bringt.

Te Araroa Tag 23: Von See zu See – Wanaka bis Lake Hawea

25,4 km / 5,5 h / 173 hm

Der heutige Tag unterteilt sich in drei Abschnitte: Lake Wanaka, Clutha River und Hawea River. Jedes Mal, wenn’s langweilig wird, ändert sich die Landschaft. Viele Fahrradfahrer sind hier unterwegs, zwischendurch gibt’s auch Singletrails für Mountainbiker. Es ist mal wieder heiß heute, und am Campground am Wanaka River Outlet gönnen wir uns ein Eis, um uns abzukühlen. Nun gehen wir am Clutha River entlang, der eine wunderschöne türkise Farbe hat und danach ruft, dass wir hineinspringen, wir widerstehen aber der Versuchung.

Der Blick auf Lake Hawea lässt auf sich warten, da sich ein Damm zwischen uns und dem See befindet. Dann endlich liegt der See vor uns! Und damit die letzten Meter zum Hotel Hawea und dem Campground. Zuerst gibt es ein Cider, dann bauen wir das Zelt auf und nehmen ein Bad im See. Wir nehmen ein dickes Abendessen, bestehend aus Steak, Salat und Kartoffelecken, ein. Dazu gibt’s noch mehr Cider. Ein wunderschöner Sternenhimmel breitet sich über uns in dieser warmen Nacht aus.

Te Araroa Tag 24: Die schönsten Tiefblicke – Lake Hawea bis Pakituhi Hut

12 km / 4,5 h / 1.073 hm

Die ersten 7 Kilometer führen uns heute am Lake Hawea entlang. Morgens ist es noch bewölkt. Eine heiße Schokolade und ein Frühstück später kommt die Sonne jedoch hervor. Kurz wandern wir an einer Schotterstraße entlang, um dann 950 Höhenmeter aufwärts auf den Breast Hill Track zu steigen. Dieses Mal ist es nicht allzu steil und anfangs gibt es sogar Serpentinen, dazu viele Schafe. Dabei haben wir wunderschöne Ausblicke auf den Lake Hawea, schließlich sogar bis Lake Wanaka.

Immer wieder übersteigen wir noch einen weiteren Hügel, bis wir endlich am höchsten Punkt auf 1.285 m sind. Es folgt eine Querung und nach einem kurzen Stück bergab erreichen wir die Pakituhi Hut. Was für ein wunderschöner Tag. Oben weht eiskalter Wind, tut gut auf der schwitzigen Haut. An der Hütte treffen wir sogar auf einen  Münchner und sitzen in der Sonne, bis es zu zapfig im Wind wird. Nach dem Abendessen steigen wir noch kurz zum Sattel hinauf, um uns den Sonnenuntergang hinter den Bergen hinter Lake Hawea anzusehen.

Te Araroa Tag 25: Ein langer Tag – Pakituhi Hut bis Camp am Timaru River

21,4 km / 7,5 h / 1.082 hm

Ich habe ziemlich schlecht geschlafen und die ersten stehen schon um 6 Uhr auf. Raureif überdeckt die Wiesen, aber es ist warm, als wir losgehen. Wir steigen hinauf zum Breast Hill (1.577m), wo wir die wunderschöne letzte Aussicht auf Lake Hawea und bis nach Wanaka genießen. Der Wind hier oben ist heute eisig. Dann geht es abwärts und über einen Allrad-Track über die Hawea Station auf und ab. Schließlich wandern wir abwärts zur Stodys Hut, die alt und angeblich voller Ratten ist. Hier machen wir eine Mittagspause in der Sonne.

Es folgt ein extrem steiler und langer Abstieg zum Timaru River, teilweise mit Geröll, weshalb wir sehr vorsichtig absteigen. Einige schwitzende Wanderer kommen uns entgegen. Dann geht es am Fluss, über den Fluss und oft an einer Flussseite im Wald entlang. Da die Seiten des Flusses steil aufragen, tun es auch die Wege rechts und links vom Fluss. Immer wieder kraxeln wir steil hoch und wieder runter zum Fluss, um ihn zu queren und wieder hochzukraxeln. Das ist anstrengend und schweißtreibend. Mal wieder kommen wir so nur sehr langsam voran und der geringe Fortschritt ist frustrierend.

Nach 21,4 Kilometern finden wir einen fürs Zelt gut geeigneten Platz am Fluss und beschließen, hier zu bleiben. 5 Kilometer sind es noch zur Hütte, aber wenn das Terrain so bleibt, sind das noch zwei Stunden Marsch und es würde spät werden. Außerdem tut mir schon alles weh, inklusive meiner Knie. Wir gönnen uns ein gutes Abendessen mit Apfelkuchenmatsche zum Nachtisch, der für alle Strapazen entschädigt. Trotzdem herrscht auch hier wieder Sandfliegenalarm.

Te Araroa Tag 26: Zu den Schafen – Camp am Timaru River bis Shepherds Hut (Tin Hut)

18,7 km / 5,75 h / 1.126 hm

Wir haben eine sehr kalte Nacht hinter uns und dadurch morgens weniger Sandfliegen, also ist ein Frühstück möglich. Das Zelt ist allerdings nass von Tau und Frost. Wir nehmen den Weg wieder auf, weiter durch Wald und Fluss und dann über die letzten Höhenmeter durch Wald und offene Flächen zur Top Timaru Hut am Fluss.

Dafür haben wir knapp 2 Stunden gebraucht, was gestern echt nicht mehr drin gewesen wäre. Nun verläuft der weitere Weg angenehmer über einen alten Allrad-Track stetig, aber sanft bergauf bis zum Anstieg auf den Martha Saddle (1.692m). Endlich ein angenehmer Anstieg über Serpentinen mit vernünftiger Steigung, sodass man, ohne aus der Puste zu kommen, in einem stetigen Rhythmus hinaufsteigen kann. Die einzigen vier Wanderer für heute begegnen uns hier.

Oben weht wieder dieser zapfiger Wind. Vom Weg haben wir eine schöne Aussicht in das Tal, aus dem wir kamen. Das letzte Stück führt uns über einen gerölligen Hang und auf der anderen Seite geht es ebenso bergab. Ein Allrad-Track führt uns in Serpentinen hinunter, und trotzdem habe ich Knieschmerzen. Der Weg geht in einen Feldweg über und weiter hinab.

Bald sehen wir unter uns die alte Schäferhütte, und weit davon treiben gerade drei Hunde Schafe für die Nacht zusammen. Wir verfolgen das Schauspiel, auch damit wir nicht im Weg stehen, denn die Schafe werden direkt in unsere Richtung getrieben – auf ein Gatter zu, durch das wir gerade gekommen sind. Die Schafe rennen hierhin und dorthin, aber nie wohin sie sollen. Letztlich sind aber alle Schäfchen verräumt und dahinter kommt ein Jeep mit dem Schäfer mitsamt ganzer Familie.

Dann gehen wir hinunter zur Hütte. Von außen macht sie nicht viel her, aber innen ist sie sehr gemütlich. Sie ist keine der offiziellen Hütten, sondern vom Schäfer zur Verfügung gestellt worden. Die Sonne sendet ihre letzten kräftigen Strahlen aus, wir waschen uns im Fluss und essen dann vor der Hütte in der Sonne Abendessen. Das Zelt trocknen wir in der Sonne ebenso wie unsere Schuhe. Selbst die Sandfliegen halten sich hier etwas zurück. Ein schönes Plätzchen!

Te Araroa Tag 27: Die große Flussquerung – Shepherds Hut bis East Ahuriri Hut

22 km / 5,5 h / 459 hm

Wir verlassen unsere kleine Hütte und machen uns auf den Weg Richtung Straße. Zuerst führt der Weg uns noch über die 4WD-Strecke. Links unter uns rauscht der Avon Burn durch kleine Schluchten. Dann steigen wir zu ihm hinab und folgen seinem Verlauf. Hin und wieder muss er auch gequert werden. Wir folgen einem hohen Zaun zu unserer Linken und sehen plötzlich einen riesigen Hirsch dahinter stehen. Weiter geht’s bis zum Birchwood Carpark an einer einsamen Schotterstraße. 10 Kilometer sind schon mal geschafft.

Heute ist es trüb, aber warm. Nun steht uns die große Flussüberquerung bevor. Wir laufen an einem Zaun entlang und dann links auf Klippen entlang. Unter uns rauscht der Ahuriri River entlang, der größte Fluss auf der Südinsel, den wir zu überqueren haben. Glücklicherweise hat es bereits seit Tagen nicht mehr geregnet, weshalb keine größeren Schwierigkeiten zu erwarten sind. Wir steigen zum Fluss ab und präparieren unsere Rucksäcke für die Querung. Raincover darüber, falls es tiefer wird, und Elektronik nach oben. Dann geht’s los. Wir suchen uns eine möglichst breite Stelle, von der allerdings schwer zu sagen ist, wie tief sie in der zweiten Hälfte wird.

Die erste Hälfte stellt kein Problem dar, aber dann wird es hüfttief. Was viel schwieriger ist als die Strömung, sind allerdings die rutschigen Steine im Fluss. Einmal falle ich fast in den Fluss, weil ich ausrutsche, kann mich aber gerade noch fangen. Kalt wird es auch allmählich an den Beinen während wir uns vorsichtig vorantasten. Unbeschadet und ohne Bad erreichen wir die andere Uferseite und wechseln die nasse Kleidung in trockene.

Auf der anderen Seite klettern wir die Klippen wieder hinauf und begegnen einem älteren Paar, das sich gerade für die Querung rüstet. Für uns geht es nun schnurgerade an einem Zaun entlang und in ein Tal hinein, durch das ein östlicher Arm des eben überquerten Flusses führt. Diesen gilt es abermals ein paar Mal zu überqueren, aber kein Vergleich zu seinem großen Bruder. Hier und da ist es sumpfig, aber da die Füße bereits nass sind, spielt das keine große Rolle.

Wir durchschreiten das winddurchtoste Tal und halten uns auf der linken Seite, wo es jetzt etwas ansteigt. Nach 20 Kilometern finden wir einen guten Campingspot nahe am Wasser und etwas windgeschützter. Nach kurzer Denkpause gehen wir jedoch noch etwas weiter um die East Ahuriri Hut zu erreichen, die etwas Off-Trail in etwa 1,5 Kilometern Entfernung am Fluss liegen soll. Viel weiterzugehen ist trotz früher Stunde nicht sinnvoll, da danach ein Anstieg folgt und die nächste Campsite abermals 20 Kilometer entfernt ist.

Auf dieser müssen wir morgen schlafen, da es danach für 30 Kilometer keine Übernachtungsmöglichkeit mehr gibt und die Strecke nach Twizel somit an einem Tag zu bewältigen ist. Zwei Tage trennen uns also noch von der Zivilisation und vor allem einem: Essen! Frisches Essen! Nach einem kurzen Aufstieg sehen wir schnell die Hütte am anderen Ufer des Flusses. Und ganz plötzlich beschließt die Sonne, uns zu besuchen und das Tal vor uns in Licht und Wärme zu tauchen. Wir gehen hinab zum Fluss, queren ihn und erreichen die Hütte.

Sie ist… interessant. Sauber und dicht, aber die Bettenkonstruktion ist etwas arg. Egal, wir sind am Ziel. Wir liegen vor der Hütte in der Sonne und lassen es uns gut gehen. Hier höre ich nichts. Nur das Rauschen des Flusses, ein paar Grillen und hin und wieder ein Vogelzwitschern. Den Wind in den Gräsern um mich herum, der mir sanft um die Beine streicht.

Te Araroa Tag 28: Auf zum Hot Pool – East Ahuriri Hut bis Lake Ohau Lodge

18,7 km / 6 h / 486 hm

Der Wind rüttelt in der Nacht heftig an den Blechen der Hütte und dann regnet es auch noch. Ich bin froh, hier zu sein. Nur gelegentlich höre ich das Rascheln der Mäuse, die hier ihr Unwesen treiben. Unser Essen haben wir wohlweislich aufgehängt und somit aus der Reichweite der Nager gebracht.

Am nächsten Morgen windet es noch immer, aber der Himmel ist so blau wie zuvor. Nachdem wir den ersten Matschsumpf und die erste Flussquerung zurück zum Weg hinter uns gebracht haben, folgen wir dem Fluss in sanfter Steigung hinauf, immer wieder zwischen dessen Ufern hin und her wechselnd. Die Hoffnung auf trockene Füße war unbegründet. Das Tussockgras wird zunehmend dichter und das Speargrass üppiger. So verlieren wir immer mal wieder den Weg, um ihn dann später wiederzufinden.

Im schlimmsten Fall auf der anderen Uferseite, und auf dem Weg hinüber macht uns das Speargrass das Leben schwer. Streift man es, schneidet es, kommt man ihm zu nahe, sticht es einen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist – Sandfliegen oder Speargrass. Wir erreichen den höchsten Punkt des heutigen Tages, und fortan geht es nur noch bergab bis nach Lake Ohau, den wir schon in der Ferne schimmern sehen.

Auch hier verlieren wir immer wieder den Weg zwischen Wegmarkierungen, nach denen wir stets den Horizont absuchen. Sumpfige Stellen und Speargrass inklusive. Dann tauchen wir in den Wald ab, der uns weiter hinunterbringt. Den Wald hinter uns lassend, folgen wir der Schotterstraße, die Teil des A2O (Alps to Ocean) ist, und begegnen bereits einigen Radlern. Dann sind es nur noch 4 Kilometer bis zur Lake Ohau Lodge, wohin wir uns entscheiden zu gehen.

Das sollte sich noch als genau die richtige Entscheidung herausstellen. Diese 4 Kilometer ziehen sich recht ordentlich über zahlreiche Kurven, bis wir endlich an der Lodge ankommen. Ein Zimmer ist uns zu teuer, aber wir campen dort. Das 3-Gänge-Dinner lassen wir uns aber nicht entgehen. Ich gebe immer gern Geld für Essen aus, aber nicht für einen Schlafplatz. Es stellt sich heraus, dass die Ohau Lodge über zwei Hot Pools verfügt, die wir auch als Campinggäste nutzen dürfen. Und das für 16$ die Nacht. Ich bin begeistert.

Lange nach einer Dusche liegen wir im Hot Pool und lassen unsere Glieder einweichen, genießen den Blick auf die Berge und einen Krug Cider. Wir plaudern mit ein paar der Gäste, die größtenteils Radler des A2O sind, der von Mt Cook bis nach Timaru an der Ostküste führt. Ein überwiegend betagtes Publikum. Wir sind hier natürlich als Wanderer und einzige Camper eine Kuriosität und werden neugierig befragt.

Für die nächsten zwei Tage bis Tekapo habe ich uns spontan zwei Räder organisiert, sodass wir diese langen und laut SOBOs eher langweiligeren drei Etappen angenehm mit dem Fahrrad zurücklegen können. Morgen ist somit mit etwa 35 Kilometer Radfahrt nach Twizel ein entspannter Tag für uns. Wir freuen uns sehr auf die Abwechslung.

Hier geht’s zum nächsten Te Araroa Abschnitt: Ohau bis Tekapo

Te Araroa 7: Mit Fahrrad auf dem A2O von Ohau nach Tekapo

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